DOLLARZÄHLEN IM SAND
Die Hölle riecht nach Benzin und verbranntem Papier. So steht’s in den Akten der alten Römer, als sie ihre Legionen durch die Wüsten schickten, um die Rechnungen der Händler zu begleichen. Heute schicken wir unsere Dollar durch die Luft – nicht mit dem Schwert, sondern mit dem Stempel des Kongresses. 200 Milliarden. Eine Zahl, die sich anfühlt wie ein Haufen Steine, den man einem Mann in die Brust wirft, der schon halb ertrunken ist. Die Amerikaner nennen es „Sicherheit“. Die Iraner nennen es „Provokation“. Und wir? Wir nennen es Geschäft wie immer.
Es begann mit einem Gasfeld. Nicht irgendwo, sondern dort, wo die Erde stöhnt und die Pipelines wie Nervenstränge aussehen, die jemand mit einer Schere durchtrennt hat. Israel hat es getan. Nicht mit einer Erklärung, nicht mit einem Brief an die UNO – nein, mit einem stillen Auftrag, einem Knall, und dann: Schweigen. Als ob man einem Hund die Kehle durchschneidet und dann fragt, warum er jault. Der Iran antwortet nicht mit Diplomatie. Der Iran antwortet mit Gefechtsbereitschaft. Die Raketen sind schon da. Die Männer sind schon da. Und die Dollar? Die Dollar sind schon auf dem Weg – nicht als Geschenk, sondern als Pfand.
Die USA reden von „Abschreckung“. Als ob man einem Tiger ein Stück Fleisch hinwirft und dann überrascht ist, wenn er zubeißt. Die Iraner reden von „Resilienz“. Als ob sie wüssten, dass Resilienz nichts anderes ist als ein schöner Name für die Angst, die einem den Magen umdreht, wenn man weiß, dass der nächste Schlag kommen wird. Und die Welt? Die Welt schaut zu. Immer schaut die Welt zu. Wie damals, als die Römer Pompeji begraben haben. Wie heute, wenn die Börsenkurse steigen und die Menschen weiter kaufen, als gäbe es kein Morgen.
Die 200 Milliarden sind kein Betrag. Das ist eine Botschaft. Eine Botschaft an Teheran, dass Amerika nicht mehr verhandelt – es zahlt. Eine Botschaft an die Welt, dass Krieg nicht mehr mit Muskeln gemessen wird, sondern mit Konten. Und eine Botschaft an uns: Dass wir längst in einem Spiel mitgehen, das wir nicht verstehen. Die Römer haben ihre Kriege mit Legionen geführt. Wir führen unsere mit Fondsmanagern und Geheimdiensten, die wie Geister durch die Nacht huschen, während unten im Café die Musik spielt und niemand fragt, warum die Straßenlaternen plötzlich heller brennen.
Die Frage ist nicht, ob es zum Krieg kommt. Die Frage ist nur noch: Wann. Und ob wir dann noch Zeit haben, uns zu fragen, warum wir uns je in diese Geschichte verstrickt haben. Vielleicht war es der Hunger. Vielleicht war es die Gier. Vielleicht war es einfach nur die Dummheit, zu glauben, dass Geld die Welt regiert – und nicht die anderen Dinge. Die Dinge, die niemand zählt. Die Dinge, die in den Rissen der Städte wachsen wie Unkraut.
Und dann ist da noch die Stille. Die Stille zwischen den Zeilen der Verträge, zwischen den Schüssen, zwischen den Atembewegungen der Männer, die wissen, dass sie gleich sterben werden. Die Stille, die so schwer ist wie ein Stein im Magen. Die Stille, die sagt: Es gibt kein Zurück mehr.
Die Dollar werden kommen. Die Raketen werden kommen. Und irgendwann, wenn der Staub sich gelegt hat, wird jemand fragen, warum wir nicht früher aufgepasst haben. Aber bis dahin? Bis dahin trinken wir unseren Bourbon und warten. Wie immer.