Dual-Use-Forschung und COVID-19: Kontroversen um Lab-Leak-Theorie und Regulierung
Die Geschichte beginnt 2002, als das Wuhan Institute of Virology (WIV) seine Tore öffnete. Ein BSL-4-Labor, das Coronaviren studieren sollte. Coronaviren. Die gleichen, die später die Welt in Atem halten würden. Die USA, oder genauer gesagt das Pentagon, haben über die USAID dem WIV Geld gegeben – wie viel, das weiß niemand genau. Die Details sind so undurchsichtig wie die Motive. Das WIV erhielt 2017 die BSL-4-Zulassung, obwohl die Forschung zu SARS-CoV-1 eigentlich nur BSL-3 erfordert hätte. Warum die Aufwertung? Vielleicht, weil jemand dachte, es sähe besser aus, wenn man mit den gefährlichsten Viren hantieren darf. Oder weil jemand dachte, es sei ein guter Grund, um mehr Geld zu bekommen. Die Wissenschaft liebt es, sich selbst aufzuwerten – wie ein Arzt, der sich selbst die Diagnose stellt.
Dann kam 2020. Die Pandemie. Und mit ihr die Lab-Leak-Theorie. Die Idee, dass SARS-CoV-2 nicht einfach so aus der Natur gekommen ist, sondern vielleicht aus einem Labor. Eine Theorie, die sofort polarisierte. Die einen sahen darin eine plausible Erklärung, die anderen eine Verschwörung, die nur dazu diente, China zu diskreditieren. Die Wahrheit? Wie immer: irgendwo dazwischen.
Die Nature-Studie aus dem Dezember 2020, die behauptete, keine nahen Vorfahren von SARS-CoV-2 in den WIV-Proben gefunden zu haben, war ein Schlag für die Lab-Leak-Fans. Aber war sie das wirklich? Die Studie basierte auf einer begrenzten Anzahl von Proben, genommen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Was, wenn das Virus später verändert wurde? Was, wenn es nie im Labor war, aber dort ausgesehen hat wie ein Laborprodukt? Die Wissenschaft liebt es, Lücken zu finden – und dann diese Lücken zu füllen, als wären sie Beweise.
Die WHO bevorzugt die Zoonose-Hypothese: Das Virus sprang von Fledermäusen auf den Menschen über. Eine schöne, einfache Erklärung. Bis man bedenkt, dass auch diese Hypothese Lücken hat. Wo genau fand die Übertragung statt? Warum gab es keine ähnlichen Fälle vorher? Und warum hat China so lange gebraucht, um Zugang zu den Daten zu geben, die diese Theorie stützen sollten?
Dann kam die Trump-Administration und einfror 2020 die Finanzierung für Gain-of-Function-Forschung – etwa 300 Millionen Dollar. Ein starkes Signal. Bis die Biden-Administration kam und die Einfrierung teilweise aufhob. Warum? Weil die Wissenschaft nicht warten kann, bis wir uns sicher sind, dass wir nicht alles kaputt machen. Die Regulierung von GoF-Forschung bleibt ein Balanceakt: Wie viel Fortschritt wollen wir riskieren? Und wer entscheidet das eigentlich?
Die Dual-Use-Problematik ist das eigentliche Dilemma. Forschung, die zivilen Zwecken dient, kann auch militärisch oder kriminell missbraucht werden. Opioide, Biowaffen, Gentechnik – die Liste ist lang. Die ethischen Leitlinien? Kontrovers. Wer schreibt sie? Wer kontrolliert sie? Und vor allem: Wer profitiert davon, wenn etwas schiefgeht?
Das WIV ist nur eines von Dutzenden BSL-4-Labors weltweit. Warum also so viel Fokus auf Wuhan? Vielleicht, weil es politisch bequem ist. Vielleicht, weil es einfacher ist, einen Sündenbock zu finden, als die eigentlichen Fragen zu stellen: Warum gibt es so viele Labore, die mit gefährlichen Viren arbeiten? Warum sind die Finanzierungsquellen so undurchsichtig? Und vor allem: Wer hat eigentlich Interesse daran, dass wir uns weiter streiten, statt die Lücken zu schließen?
Die Transparenz bleibt ein Fremdwort. Die Pentagon-Finanzierungen für das WIV? Nicht vollständig offengelegt. Die Verantwortung? Unklar. Die Beweise? Unzureichend. Die Lab-Leak-Theorie bleibt eine Theorie – weil Theorien etwas sind, das man diskutieren kann, ohne dass jemand seine Pfeife ausmacht.
Also rauche ich weiter. Die Asche fällt auf den Tisch. Irgendwo da draußen forschen Leute weiter. Sie ändern Gene, sie kombinieren Viren, sie bauen Labore, die aussehen wie aus einem schlechten Sci-Fi-Film. Und wir? Wir streiten uns über die Herkunft eines Virus, das vielleicht gar nicht so wichtig ist wie die Frage, wer eigentlich die Kontrolle über all diese Forschung hat.
Die eigentliche Frage lautet nicht, ob SARS-CoV-2 aus einem Labor kam. Die Frage lautet: Wer hat Angst, dass wir die Wahrheit über die Forschung erfahren – und warum?