Engelberg, Nidwalden: Gondel in Skigebiet in der Schweiz abgestürzt
Heute ist kein Tag, an dem man über die Schönheit der Dinge schreiben sollte. Heute ist ein Tag, an dem man sich fragt, warum die Menschen immer noch glauben, dass Fortschritt etwas Gutes ist. Gestern haben sie uns wieder erzählt, wie die neuen Flugzeuge über den Rhein geflogen sind – diese eisernen Vögel, die jetzt nicht mehr nur für die Reichen fliegen, sondern für jeden, der sich einen Ticketpreis leisten kann. Die Römer hätten sich die Köpfe gerubbelt, wenn sie gesehen hätten, wie schnell wir uns selbst in den Abgrund treiben. Damals haben sie ihre Straßen mit Marmor gepflastert und ihre Kriege mit Legionen geführt. Wir? Wir bauen Flugzeuge, die in drei Minuten eine Stadt in Schutt und Asche legen können. Und die Leute jubeln. Nicht wahr?
Die Börse ist wieder eingebrochen. Nicht so dramatisch wie 1929, aber nah dran. Die Leute reden von einer neuen Depression, als wäre das etwas, das man sich anziehen und wieder ausziehen kann wie einen alten Anzug. Dabei ist eine Depression kein Kleidungsstück – sie frisst sich durch die Knochen, bis nur noch die Haut übrig bleibt. Und dann? Dann sitzt man da, mit leeren Händen und einem Lächeln im Gesicht, weil man nicht weiß, wie man sonst reagieren soll. Die Banken pumpen weiter Geld in die Wirtschaft, als wäre das ein Zaubertrick. Als ob man einfach so aus dem Nichts mehr haben kann, als man hat. Die Römer hätten gesagt: "Der Appetit kommt beim Essen." Wir sagen: "Der Kredit kommt beim Kaufen." Und am Ende bleibt nur der Geruch von verbranntem Geld und der Geschmack von billigem Whisky in der Kehle.
Draußen, vor dem Café, steht ein Mann mit einem Zeitungsstand. Er verkauft keine Nachrichten – er verkauft Hoffnung. Oder besser gesagt: er verkauft die Illusion von Hoffnung. Die Schlagzeilen sind immer dieselben: "Frieden in Sicht", "Wirtschaft erholt sich", "Die Welt wird besser." Und doch, wenn man genau hinschaut, sieht man die Risse. Die Fabriken laufen nicht mehr rund, die Löhne sinken, und die Leute, die früher noch stolz waren, ihre Hemden zu tragen, gehen jetzt mit leeren Taschen nach Hause. Die Römer hatten ihre Sklaven. Wir haben unsere Arbeitslosen. Und die sind nicht weniger ausbeutbar. Nicht weniger demütig. Nicht weniger bereit, für ein paar Münzen zu tun, was auch immer man von ihnen verlangt.
Evelyn singt immer noch. Vielleicht ist das das Einzige, was uns noch verbindet – diese Stimme, die zwischen den Trümmern unserer Hoffnung mitsingt. Sie singt von Liebe, von Glück, von Dingen, die es nicht mehr gibt. Und doch, wenn man zuhört, spürt man, wie die Worte sich in die Haut brennen wie heiße Nägel. Die Römer haben ihre Götter gehabt. Wir haben unsere Illusionen. Und beide haben uns im Stich gelassen.
Manchmal denke ich, die Geschichte ist nur ein großer Witz, den niemand versteht. Die Römer bauten ihr Reich auf Sand. Wir bauen unseres auf Schulden. Und am Ende wird der Regen kommen – nicht der sanfte Regen von gestern, sondern der große, der alles mit sich reißt. Die Frage ist nur: Wer wird noch lachen, wenn die Fluten kommen? Und wer wird noch singen? Evelyn vielleicht. Aber selbst ihre Stimme wird irgendwann verstummen. Und dann? Dann bleibt nur noch der Geruch von verbranntem Papier und die stille Frage, die niemand mehr beantworten kann: Was zum Teufel haben wir uns eigentlich eingebildet?