EPA-Mann schrieb Öl-Lobby-Argumente – dann soll er sie umsetzen
Die Pfeife qualmt, der Aschebecher ist halb voll. Draußen heult ein Staubsauger – nicht der der Reinigungskraft, sondern der der Wahrheit, die sich langsam, aber sicher durch die Ritzen der Bürokratie frisst. Aaron Szabo, einst Lobbyist für Ovintiv und andere Ölkonzerne, hat 2022 im Namen der American Exploration and Production Council (AXPC) gegen strengere Methanregeln gestritten. Die Argumente? Seiner Argumente. Nicht im Text verborgen, sondern im PDF-Metadaten – wie ein Fingerabdruck auf einem gestohlenen Portemonnaie. Szabo, heute EPA-Beamter, hat die Lobby-Papiere verfasst, während er noch für die Industrie arbeitete. Und jetzt? Jetzt soll er die Regeln lockern, die er selbst als Lobbyist bekämpft hat.
Die Zahlen sagen es: Methan ist dreimal so klimaschädlich wie CO₂ – und ein Drittel der Erwärmung seit der Industrialisierung geht auf sein Konto. Doch Szabo, der einst erklärte, er habe „nur gelernt, wie Regulierte mit Vorschriften umgehen“, hat jetzt die Aufgabe, diese Vorschriften für sie umzugestalten. Seine E-Mails, Kalender und vertraulichen Gespräche beweisen: Er holt sich direkt von den Ölkonzernen die genauen Formulierungen für die neuen, schwächeren Regeln. ConocoPhillips, Diversified Energy, Hilcorp – die großen Emittenten, die er einst vertrat, dürfen nun mitentscheiden, wie streng (oder: wie lasch) die EPA ihre eigenen Leichen bestatten darf.
Senator Sheldon Whitehouse, der Demokratische Umweltpolitiker, fasst es zusammen: „Jetzt kann Big Oil sein schmutzige Arbeit von innen machen.“ Und das ist kein Zufall. Das ist System. Die Trump-Administration hat die Methanregeln nicht einfach gekippt – sie hat sie verzögert, verwaschen, verhandelt. Bis 2027. Weil die Industrie es so will. Und weil ein Mann wie Szabo genau weiß, wo die Schwachstellen sind: nicht in den Gesetzen, sondern in den Köpfen derer, die sie umsetzen sollen.
Die EPA hat eine neue Aufgabe: nicht mehr zu regulieren, sondern zu verwalten. Die Bürokratie wird zum Komplizen. Die Zahlen lügen nicht. Sie sagen: 30% weniger Regeln. 2027 als neuer Stichtag. Und ein Beamter, der 2022 noch für die Öl-Lobby schrieb – und 2026 für die EPA. Wer schreibt hier eigentlich die Gesetze? Die, die sie einhalten müssen? Oder die, die sie umgehen dürfen?
Die Pfeife brennt bis zur Hälfte. Die Asche fällt. Irgendwo in Washington atmet jemand tief durch – und zählt die Sekunden, bis die nächste Regel praktisch wird.