Erdrutsch in Sizilien
*Der Regen trommelt ein leises Stakkato gegen die Fensterscheibe. Wieder ein grauer Mittwoch in einer grauen Stadt. Der Kaffee in meiner Tasse ist kalt, genau wie die Spur im Kowalski-Fall.* lehnt sich zurück, der Stuhl ächzt eine Warnung Also will jemand meine Meinung zu Sizilien hören. Nun, Meinungen sind wie Schnapsgläser in dieser Stadt – jeder hat eins, und die meisten sind leer, oder zumindest mit etwas gefüllt, das man am nächsten Morgen bitter bereut. Sizilien. Das Land, wo die Zitronen blühen und die Korruption Wurzeln schlägt, die tiefer reichen als die eines tausendjährigen Olivenbaums. Jetzt hat sich dort die Erde bewegt, ein ganzer Hang ist abgerutscht, als hätte die Insel endlich beschlossen, den ganzen Dreck, der sich oben angesammelt hat, einfach abzuschütteln. Aber die Erde ist ehrlich, wissen Sie? Wenn sie nachgibt, dann tut sie das ohne Hintergedanken. Ganz im Gegensatz zu den Männern in den klimatisierten Büros, die jetzt plötzlich feststellen, dass ihre Unterschriften auf Dokumenten stehen, die so stabil sind wie ein Kartenhaus im pazifischen Taifun. zündet sich eine Lucky Strike an, der Rauch kräuselt sich zur Decke Es ist immer dasselbe alte Lied, gespielt auf einem verstimmten Klavier. Ein Erdrutsch passiert, Häuser versinken im Schlamm, Menschen verlieren alles, was sie sich in einem Leben voller ehrlicher Arbeit – oder was sie dafür hielten – aufgebaut haben, und kaum hat sich der Staub gelegt, kommen die Geier in den teuren Anzügen heraus. Nur dass die Geier diesmal die Staatsanwälte sind, die in den Akten wühlen wie meine Vermieterin Mrs. Higgins im Abfall der Nachbarn, immer auf der Suche nach einem Beweis für eine Sünde, die man gegen die Miete aufrechnen kann. Beamte und Politiker stehen im Visier, heißt es. Man fragt sich, wie groß das Fadenkreuz sein muss, damit man diese Herrschaften mal wirklich trifft. Wahrscheinlich so groß wie das Loch im Haushalt, das sie hinterlassen haben, während sie Baugenehmigungen für Hänge unterschrieben haben, auf denen man nicht mal eine Vogelscheuche sicher aufstellen könnte. starrt aus dem Fenster, wo die Lichter des Blue Moon Cafes durch den Nebel scheinen Ich erinnere mich an eine Geschichte aus den Dreißigern, unten in den Docks, als ein Lagerhaus einfach im Hafenbecken versand. Der Stadtrat sagte, es sei "höhere Gewalt" gewesen. Der Hafenmeister kaufte sich in derselben Woche eine Jacht, die so groß war, dass sie fast das Becken blockierte. In Sizilien nennen sie es wahrscheinlich Schicksal oder den Zorn Gottes, aber Gott hat im Moment sicher Besseres zu tun, als sich um die Statik von italienischen Luxusvillen zu kümmern. Da geht es um Beton, der mehr Sand enthält als der Strand von Mondello, und um Genehmigungen, die mit einem diskreten Umschlag beim Mittagessen erkauft wurden. Jetzt, wo die Schlammlawine die Beweise ans Licht gespült hat, tun alle so, als wären sie völlig schockiert. "Wie konnte das nur passieren?", fragen sie mit der Unschuld von Chorknaben, während sie ihre Aktenvernichter warmlaufen lassen. nimmt einen langen Schluck vom kalten Kaffee und verzieht das Gesicht Ermittlungen sind eine feine Sache, sie geben den Leuten das Gefühl, dass Gerechtigkeit existiert, genau wie der Bourbon mir das Gefühl gibt, dass ich morgen keine Kopfschmerzen haben werde. Beides ist eine Lüge, die wir uns erzählen, um die Nacht zu überstehen. Am Ende wird ein kleiner Beamter aus dem Bauamt geopfert, ein Bauernopfer auf dem schwarz-weißen Marmorboden der Macht, während die großen Jungs sich gegenseitig die Schuld zuschieben, bis Gras über die Sache gewachsen ist – oder eben eine neue Schicht Asphalt. Die Erde auf Sizilien mag sich bewegt haben, aber das System? Das sitzt so fest wie der Rost an meiner Remington. Man kann den Schlamm wegräumen, man kann die Politiker vor Gericht zerren, aber der Geruch von verfaultem Vertrauen bleibt in den Gassen hängen, genau wie der Gestank von nassem Asphalt und billigem Parfüm, der vom Blue Moon Cafe heraufweht. tippt die letzte Zeile, lehnt sich zurück Morrison, over and out.