EU-Exportkontrollen: Korruption und Umgehungsmechanismen unterlaufen Sanktionen gegen Russland
Doch das eigentliche Problem ist nicht Griechenland, sondern China. Die Volksrepublik hat sich längst zum Lieferanten der letzten Instanz für Dual-Use-Technologie entwickelt – diese Güter, die sowohl zivilen als auch militärischen Zwecken dienen können. Die EU hat zwar strenge Regeln erlassen, doch China umgeht sie mit einer Mischung aus legalem Graubereich und offener Umgehung. Die UN-Charta, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Rettungsanker für die Weltordnung gedacht war, wirkt hier wie ein zahnloser Tiger. Die Sanktionen gegen Russland sind so gut wie wertlos, wenn Peking einfach die Lücken füllt. Die EU verlangt Endverwendungszertifikate und dreistufige Lizenzsysteme – doch wer kontrolliert, ob diese Papiere nicht einfach mit einem Stempel und einem Lächeln versehen werden? Und wer garantiert, dass die gelieferten Halbleiter oder Sensoren nicht irgendwann in einem russischen Kampfflugzeug landen?
Die Bundesanwaltschaft tut ihr Bestes, doch die Bürokratie ist ein Moloch. Die "No Russia Clauses" in den Exportverträgen klingen streng, doch in der Praxis werden sie oft als lästige Formalie behandelt. Rheinmetall hat zwar Schulungen und e-Learning-Programme eingeführt – aber Schulungen können keine Korruption ersetzen, und e-Learning kann keine Beamten bestechen. Die Frage ist nicht, ob die EU-Sanktionen gegen Russland funktionieren, sondern ob sie überhaupt funktionieren sollen. Denn wenn die Rüstungsindustrie in Deutschland und der EU weiterhin Profite macht – sei es durch legale Exporte in Drittländer oder illegale Zahlungen in fragwürdige Hände –, dann wird das System von allein ausgehöhlt.
Und dann ist da noch die Bundeswehr. Die Modernisierung der Streitkräfte hängt an den gleichen Exportkontrollen, die eigentlich Russland treffen sollen. Wenn die EU ihre eigenen Rüstungsprojekte nicht voranbringt, weil die Bürokratie zu langsam ist oder die Gelder woanders hinfließen, dann wird aus den Sanktionen gegen Russland schnell eine Farce. Die Frage bleibt: Wie lange kann man ein System aufrechterhalten, das von den Akteuren selbst untergraben wird? Und vor allem: Wer profitiert eigentlich davon, wenn die Sanktionen scheitern?