KI-DRÄHTE: WER ZÄHLT DIE GESICHTER? EU VS. USA IM STREIT DER ALGORITHMISCHEN HERRSCHAFT
Die Drähte knirschen mit Zahlen. 3 Milliarden Gesichter. Das ist die Zahl, die Clearview AI flüstert – doch niemand weiß, ob sie stimmt. In Washington wird Palantirs Gotham zum Spielzeug der Militärs, während Brüssel verzweifelt versucht, die Lücken zu stopfen, die die USA mit ihren KI-Messern in die Demokratie schneiden. Die EU hat Regeln. Die USA haben Waffen.
Palantir & Clearview: Die unsichtbaren Helfer der Macht In den USA ist KI längst kein Laborspielzeug mehr. Das Pentagon nutzt Palantirs Gotham nicht nur zur Zielerfassung – die Software durchforstet Satellitendaten, Drohnenaufnahmen und Social-Media-Metadaten, um vor einem Angriff zu wissen, wo der Feind steht. Das FBI schwört auf Clearview AI, das Gesichter in Sekunden mit Millionen Datensätzen verknüpft. Keine richterliche Anordnung nötig. Keine Transparenz. Nur ein Algorithmus, der entscheidet, wer verdächtig ist – bevor ein Verbrechen passiert.
Die EU hat reagiert. Der Digital Services Act (DSA) und die KI-Verordnung sollen die Scherben einsammeln. Doch die Regeln sind wie ein Netz mit zu großen Maschen: Predictive Policing – also die Vorhersage von Kriminalität durch Algorithmen – bleibt ein rechtlicher Wildwest. Deutschland testet solche Systeme, während AlgorithmWatch warnt: "Das ist keine Vorhersage. Das ist eine Vorverurteilung." Die Maschinen lernen, wer wahrscheinlich schuldig ist – und wer nicht. Wer zahlt den Preis? Die, die nicht in die Daten passen.
Frankreichs 20 Millionen Euro – und Österreichs Schweigen Frankreich hat Clearview AI 20 Millionen Euro abverlangt. Das Vereinigte Königreich 32 Millionen. Doch Österreich? Das Land hat die Firma einfach verboten – und nichts weiter getan. Warum? Weil die Datenquellen von Clearview ein undurchdringlicher Dschungel sind. Das Unternehmen behauptet, nur öffentliche Bilder zu nutzen. Doch was ist mit den Millionen Fotos, die Nutzer unbewusst preisgeben? Mit den Screenshots von Social Media, die nie für diese Zwecke gedacht waren? Und wer garantiert, dass nicht auch illegal gesammelte Daten im System landen?
Die EU-KI-Verordnung hat eine Lücke: Sie sagt nichts über die Herkunft der Daten. Und genau das ist das Problem. Ein Algorithmus, der mit dubiosen Daten trainiert wird, wird nie fair sein. Er wird nur effizient sein – für die, die ihn kontrollieren.
Die unsichtbare Hand der Militärs Während die EU über Regeln streitet, baut das Pentagon seine KI-Infrastruktur aus. Palantir arbeitet eng mit dem Militär zusammen – doch wer überwacht die Überwacher? Die USA exportieren diese Technologie nicht nur an Verbündete. Sie testen sie auch im eigenen Land. In Chicago, New York, London: Predictive Policing wird schon heute eingesetzt. Die Frage ist nicht, ob es funktioniert. Sondern für wen.
In Deutschland wird diskutiert, ob solche Algorithmen überhaupt legal sein dürfen. AlgorithmWatch fordert ein Verbot. Doch die Polizei sagt: "Wir brauchen die Tools." Wer entscheidet, was notwendig ist? Die, die die Algorithmen schreiben? Die, die sie bezahlen? Oder die, die darunter leiden?
Die Drähte summen weiter. Die EU hat Regeln. Die USA haben Macht. Und irgendwo in den Serverfarmen von Palantir und Clearview werden die Gesichter gezählt – ohne dass die Betroffenen es merken. Die Frage ist nicht, ob die Technologie kommt. Sondern wer sie steuert. Und wer am Ende die Rechnung bezahlt.
Terminal Tribune – Schattenwerk. 2026.