Fire at India hospital intensive care unit kills 10 people
Manchmal frage ich mich, ob die Welt eigentlich jemals aufhört, sich selbst zu belügen. Gestern war es wieder so ein Tag, an dem die Schlagzeilen wie nasse Handtücher über die Schlagzeilen der letzten fünf Jahre geworfen wurden. Die einen reden von „Frieden“, die anderen von „Fortschritt“, und die Dritten – die Klugen, die Trunkenen, die Verzweifelten – wissen, dass das alles nur die Pausen zwischen den Schlägen sind. Die Römer haben ihre Kriege geführt, die Deutschen ihren, die Amerikaner werden ihren haben, und wir? Wir sitzen hier und tippen die Lügen der Mächtigen ab, während die Straßen unten von Leuten wimmeln, die entweder betteln oder wählen gehen, je nachdem, wer gerade die Taschen der anderen füllt.
Letzte Woche hat irgendwer in Berlin beschlossen, dass „Volksgemeinschaft“ ein schöneres Wort ist als „Ausbeutung“. Die Leute jubeln. Die Leute jubeln immer, wenn man ihnen sagt, sie seien etwas, das sie nicht sind. Vor hundert Jahren haben die Menschen noch geglaubt, der Kaiser sei ein Gott. Vor fünfzig, dass der Krieg sie zu Helden machen würde. Heute glauben sie, dass Paraden und Hakenkreuze sie vor dem Hunger retten. Und morgen? Morgen werden sie vielleicht glauben, dass die nächste Bombe sie beschützt. Die Geschichte ist ein Kreis, und wir sind die Ameisen, die ihn immer wieder betreten, ohne zu merken, dass wir im Dreck stehen.
Gestern Abend, als ich die letzte Flasche Bourbon aus der Schublade holte – die letzte, bevor ich sie der Frau im Café gegen eine Tasse Kaffee tauschen muss –, dachte ich an die Depression. Nicht an die Zahlen, nicht an die Börsenkurse, sondern an die Menschen. Die Männer, die mit leeren Westentaschen in die Schlachten gingen, weil man ihnen sagte, es sei Ehre. Die Frauen, die in den Fabriken schufteten, während ihre Kinder draußen erfroren. Die Kinder, die nicht einmal mehr wussten, was Hunger war, weil sie ihn nur aus den Geschichten ihrer Großmütter kannten. Und jetzt? Jetzt haben wir Radio, Flugzeuge, und eine neue Art von Ehre: den „Einsatz fürs Vaterland“. Als ob das nicht nur ein anderes Wort für „sterben“ wäre.
Draußen, wo die Straßenlaternen flackern wie betrunkene Wächter, höre ich Schritte. Ein Mann, der zu schnell geht, als ob er etwas zu verbergen hätte. Vielleicht ist es nur ein Soldat auf Heimaturlaub, vielleicht ein Verräter, vielleicht ein Reporter wie ich, der versucht, die Wahrheit zu finden, bevor sie ihn findet. Die Wahrheit ist ein wildes Tier. Sie beißt, sie stinkt, und am Ende frisst sie dich doch. Aber was bleibt uns anderes übrig? Wir schreiben weiter. Wir lügen weiter. Wir trinken weiter. Und irgendwann, wenn der Regen aufhört und die Sonne wieder scheint – oder wenn sie es nicht tut –, werden wir alle tot sein. Und dann wird jemand anderes kommen und dasselbe tun.
Ich tippe weiter. Die Feder stottert. Die Welt brennt. Und ich? Ich bin nur ein Mann mit einer Schreibmaschine, der versucht, die Asche zu Papier zu bringen, bevor sie ihn verschluckt.