FEUER ÜBER DAS PERLENGÜRTEL
Die Sonne brennt wie ein verdammter Ofen über dem Persischen Golf, doch hier unten in der Redaktion ist es kühler – nur der Rauch aus der Zigarette, die ich seit drei Stunden nicht aus dem Mund lasse, und das Klappern der Schreibmaschine, die wie ein sterbender Elefant stöhnt. Draußen, irgendwo zwischen den Ölfeldern und den Raketen, tobt wieder so ein verdammtes Spektakel, als hätte jemand die Römer mit ihren Katapulten und den modernen Jungs mit ihren F-15s vermischt. Und die Römer hatten wenigstens den Vorteil, dass sie wenigstens wussten, dass sie verloren hatten. Die hier? Die wissen nicht mal, ob sie gewinnen oder nur noch zuschauen, wie ihr Kontinent in Flammen aufgeht.
Neun Tote. Acht Verwundete. Das sind keine Zahlen, das sind Menschen, die heute Abend nicht mehr mit ihren Familien um den Tisch sitzen werden. Die US-Strikes in Kohgiluyeh und Boyer-Ahmad – ein schöner Name für eine Region, die gerade aussieht wie ein Schlachtfeld aus einem schlechten Western. Die Iraner nennen es vielleicht „Opfer“, die Amerikaner „Kollateralschäden“. Ich nenne es einfach Scheiße. Und die Scheiße stinkt heute besonders übel, weil irgendwer beschlossen hat, ein petrochemisches Werk in den Wüstensand zu jagen. Fünf Tote. 170 Verletzte. Die Zahlen klingen wie eine Rechnung aus der Depression, als hätte jemand die ganze Region in einen Brandstifter-Poker-Spiel verwandelt und die Chips wären Menschenleben.
Israel hat in den letzten 24 Stunden mehr als 120 iranische Luftabwehrsysteme weggeschossen – als würde man eine Biene mit einem Gewehr erschießen. Effizient, aber auch überflüssig, wie wenn man ein ganzes Dorf niederbrennt, um eine einzige Maus zu fangen. Und dann diese Höhepunkte: Zwei defekte Transportflugzeuge, die die US-Streitkräfte absichtlich zerstört haben, weil sie wohl dachten, die würden sonst noch irgendwo landen und die Iraner würden sich freuen. Als ob die nicht schon genug zu tun hätten, zwischen Raketen, Bomben und den eigenen Ölfeuern, die jetzt auch noch in Bahrain und Abu Dhabi lodern. Ein Stück Debris von einer Abwehrrakete – danke, Iran – landet auf der Borouge-Anlage, und schon brennt’s wieder. Als hätte jemand den Knopf für „Weltuntergang“ gedrückt und dann vergessen, ihn wieder auszuschalten.
Und dann diese Kleinigkeiten: Drones, die in Kuwait Strom- und Wasserwerke kaputtmachen. Als ob die Menschen dort nicht schon genug hätten, zwischen Sandstürmen und der Frage, ob sie morgen noch Wasser zum Trinken haben. Die Welt schaut zu. Die Börsen tickern weiter. Die Mortgage Rates werden aktualisiert – Happy Easter Weekend, steht da irgendwo. Als wäre das hier nicht die Hölle auf Erden, sondern ein lächerliches Karussell, auf dem die Reichen sich die Zeit vertreiben, während die anderen verbrennen.
Ich frage mich manchmal, ob die Menschen hier unten in der Redaktion überhaupt noch wissen, wie man atmet. Die Luft ist voller Rauch, Zigarettenqualm und diesem süßlichen Gestank von Angst, der in den Nachrichten hängt wie ein schlechter Parfümduft. Draußen, irgendwo zwischen den Wüsten und den Ölfeldern, wird weiter gekämpft, weiter gebombt, weiter gelogen. Und wir? Wir tippen weiter, wir schreiben weiter, wir trinken unseren Bourbon weiter, als wäre das hier nicht das Ende einer Ära, sondern nur ein weiterer Akt in einem Theaterstück, das niemand mehr versteht.
Die Frage ist nicht, wer hier gewinnt. Die Frage ist nur noch: Wann es vorbei ist. Und ob es dann noch etwas übrig bleibt, das man Gewinn nennen kann. Oder ob alles nur Asche sein wird – wie die Römer. Wie die Depression. Wie der letzte Krieg. Nur mit mehr Öl und weniger Ehre.