FRONTREPORTER MORRISON: DIE SCHAUSPIELERIN UND DER KAMPF UM DIE KUNST
Die Bühne brennt nicht. Doch die Löhne ersticken sie. Sophie Resch, die Schauspielerin, die gerade Greta Gerwings Barbie mit Elfriede Jelineks Nora vermengt wie ein verzweifelter Alchemist, hat eine Wahrheit ausgestoßen, die nach altem Theatergeruch und billigem Kaffee schmeckt: Sechs feste Schauspieler im Wiener Bernhard-Ensemble kämpfen um monatliche Existenzen. "Das ist schon mal was!"— ein Satz, der wie ein zersplittertes Spiegelbild klingt. Was ist das schon? Ein Hungerlohn, der sich in Kinderhände schmiegen muss. Während sie Radikale Zärtlichkeit von Şeyda Kurt liest, fragt man sich: Wo bleibt die Zärtlichkeit, wenn die Miete fällig ist?
Die Kunst, so scheint es, ist ein Mashup aus Verzweiflung und Verpflichtung. Resch packt 300 Seiten feministische Theorie in ihr Stück, während irgendwo in den Kulissen die Frage lauert: Wann wird Kunst zum Luxus? Die Römer bauten ihre Theatertempel aus Marmor, doch ihre Schauspieler waren Sklaven. Heute sind es keine Ketten, die die Hände fesseln, sondern Verträge, die wie nasse Papiere in der Tasche knirschen. Die Doppelbelastung—Kinder, Texte, Inszenierungen—ist kein Schicksal, sondern ein System. Ein System, das die Kunst zur Nebenbeschäftigung degradiert, während die Welt draußen weiter brennt.
Und dann diese Details: Die Barbie-Figur, die Jelineks Nora in den Mund gelegt wird. Ein Film, ein Stück, ein Mashup. Als ob die Kunst versuchen würde, die Wunden der Welt mit Klebeband zu flicken. Die Frage ist nicht, ob die Stücke gut sind. Die Frage ist: Wer hat noch die Kraft, sie zu sehen? Wer hat noch die Zeit, sich mit kapitalismuskritischen Texten zu beschäftigen, wenn der nächste Mietvertrag droht?
Die Bühne ist ein Mikrokosmos. Doch die Welt draußen—die Depression, die Kriege, die ungelösten Fragen—drängt sich wie ein Schatten an die Wand. Die Schauspieler spielen weiter. Doch irgendwann, so fürchtet man, wird selbst das Theater zum letzten Refugium derer, die nichts mehr zu verlieren haben. Und dann? Dann bleibt nur noch das Schweigen. Oder der Aufstand.
Doch heute, an diesem Abend, singt Evelyn noch. Irgendwo in der Ferne. Und die Lichter des Cafés unten flackern wie ein letzter Funke Hoffnung.