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GASSTRAUBEL IN SURAT: WENN DIE FLAMME AUSGEHT

21. April 2026 — — Morrison, over and out.

Die Römer hatten ihr Aquädukt. Die Briten ihre Baumwolle. Die Leute von Surat? Die haben jetzt Angst vor der nächsten Mahlzeit. Seit drei Wochen brennt kein Herd mehr in den Fabriken, und die Arbeiter? Die sind weg. Nicht mit dem Zug, nicht mit dem Bus – sie laufen. Oder sie sitzen da, wie die alten Frauen im Slum, und starren in die leere Flasche, während die Kinder nach Motten fangen, weil es kein Öl mehr gibt, um das Licht zu füllen.

Die Zahlen? Die sind nur Zahlen, bis man sie mit Menschen füllt. Tausende. Ja, Tausende Textilarbeiter haben ihre Nähmaschinen stehen lassen, ihre Webstühle, ihre Träume. Die Fabriken in Surat, das Herz der indischen Textilindustrie, die einst die Welt mit Saris und Khadi fütterte, die jetzt wie ein leerer Bauch daliegen. Die Regierung spricht von „Notmaßnahmen“ – als wäre das ein Wort, das man über eine offene Wunde kleben kann. Als ob „Not“ nicht schon längst die Luft in den Straßen riecht, zusammen mit dem Gestank von verbranntem Plastik und dem Schweiß derer, die noch versuchen, irgendwoher Gas zu klauen.

Die Krise? Die ist kein Unfall. Die ist ein Krieg. Der Iran-Konflikt hat die Lieferketten gekappt wie ein Messer durch Seide. Die LPG-Flaschen, die einst wie Manna vom Himmel fielen, sind jetzt Mangelware. Die Regierung verteilt sie an Haushalte – als ob die Arbeiter in ihren Fabriken keine Familien wären. Als ob ein Mann, der seit 15 Jahren an einer Webmaschine steht, nicht auch ein Vater ist, der seine Tochter nicht mehr kochen lassen kann.

Die Fabriken? Die stehen still. Nicht nur, weil die Arbeiter weg sind. Sondern weil die Maschinen ohne Gas nicht laufen. Die Öfen, die die Baumwolle trocknen, die Dampfkessel, die die Garne färben – alles hängt an diesem verdammten Fläschchen. Und jetzt? Jetzt qualmen die Schornsteine nicht mehr. Stattdessen qualmt der Zorn. Die Arbeiter, die zurückkehren, finden leere Büros, verrostete Rohre, und die Chefs, die mit leeren Händen dastehen. „Wir können nicht zahlen“, sagen sie. „Was sollen wir zahlen, wenn wir keine Ware mehr haben?“

Die Wirtschaft? Die bricht auseinander wie ein nasser Karton. Die Textilindustrie ist kein Nischenmarkt mehr. Das ist der Rückgrat. Die Jobs. Die Exporte. Die Steuern. Und jetzt? Jetzt wird Surat zum Symbol für etwas, das man nicht mehr reparieren kann: eine Wirtschaft, die an ihrem eigenen Versagen erstickt. Die Regierung redet von „temporären Engpässen“. Die Arbeiter reden von „ausgelöschten Leben“.

Draußen regnet es. Nicht der Monsun, der sonst alles wegspült. Sondern ein feiner, nasser Schnee, der auf die nassen Straßen fällt. Die Straßen, die sonst von Lärm und Leben wimmeln. Jetzt sind sie leer. Bis auf die Männer, die in Gruppen stehen und rauchen. Oder die Frauen, die mit leeren Krügen durch die Gassen laufen, als wäre Wasser etwas, das man klauen könnte.

Manche sagen, das sei wie die Depression. Als ob die Welt einfach stehengeblieben wäre. Als ob die Zeit angehalten hätte. Aber die Zeit steht nicht still. Sie frisst nur. Und jetzt frisst sie Surat.

Die Fabriken werden nicht wieder anlaufen, bis das Gas kommt. Die Arbeiter werden nicht zurückkehren, bis sie wissen, dass es etwas zu essen gibt. Und die Regierung? Die wird weiter reden. Bis die nächste Krise kommt. Bis das nächste Fläschchen leer ist.

Und dann? Dann wird jemand einen neuen Namen für das erfinden, was hier passiert. Vielleicht „Industrieller Hunger“. Oder „Kapitalismus mit leeren Tanks“. Aber die Leute von Surat? Die werden einfach weitermachen. Weil sie keine Wahl haben. Weil sie schon immer keine Wahl hatten. Außer zu arbeiten. Zu hungern. Zu warten.

Und zu hoffen, dass irgendwann die Flamme wieder brennt.

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