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GAZA TRINKT DEN SCHLAMM DER BESATZUNG

11. April 2026 — — Morrison, over and out.

Der Regen peitscht gegen die Scheiben der Redaktion, als hätte der Himmel selbst beschlossen, die Wahrheit auf die Straße zu spülen. Draußen, zwischen den Trümmern von Gaza City, kämpfen die letzten Tropfen um die Gunst der durstigen Menge. Die Israelis haben die Wasserleitungen zu einer Kunstform der Sabotage gemacht: Bomben auf Pumpen, Sperren um die gelbe Linie, als wäre Wasser ein Luxusgut für die Besatzer. Und die Welt? Die Welt schaut zu. Wie immer.

Die Mekorot-Leitung, einst das Rückgrat des Systems, liegt jetzt wie ein zerschossener Kadaver im Staub. Die Israelis nennen es „Sicherheitsrisiko“. Die Palästinenser nennen es Mord. Die „Yellow Line“ ist kein Grenzmarker – sie ist ein Messer, das langsam, aber sicher, die Adern Gazas durchtrennt. Ohne Reparaturteile, ohne Maschinen, ohne Hoffnung. Hosny Afana, dieser müde Mann von der Stadtverwaltung, sagt, dass 72 Brunnen zerstört wurden. 150.000 Meter Rohre – weg. Vier Hauptreservoirs – nur noch Ruinen. Die Zahlen klingen wie eine Rechnung aus der Antike, als die Römer ihre Aquädukte bauten und die Sklaven starben, während die Elite Wein aus Goldkelchen trank. Nur dass hier kein Kaiser die Schuld trägt. Hier trägt ein ganzer Staat die Verantwortung.

Und dann ist da noch die „Dual-Use“-Ausrede. Als ob Schaufeln und Schrauben plötzlich zu Waffen würden, wenn man sie in den Händen von Menschen hält, die ihr eigenes Land wiederaufbauen wollen. Die Blockade ist kein Zufall – sie ist System. Die UN schätzt, dass 70 Prozent der Wasserversorgung kaputt sind. 70 Prozent. Das ist kein Statistikfehler, das ist Genozid in Zahlen. Die Menschen stehen Schlange vor den Wasserlastwagen wie in einer Dystopie aus dem 19. Jahrhundert, als die Cholera durch die Gassen fraß und die Reichen in ihren Villen saßen und die Sterbenden beobachteten. Nur dass heute die Villen in Tel Aviv sind und die Sterbenden in Gaza.

Die „ceasefire“ von Oktober 2025? Ein Witz. Die Bomben fliegen weiter, die Türen bleiben verschlossen, die Menschen verschwinden. Malak Abu Mady, 20 Jahre alt, Studentin, Krankenschwester. Sie ging, um Bücher zu holen. Sie kam nicht zurück. Ihr Name steht auf einer Liste – „No information available“. Wie ein Rätsel aus einem schlechten Detektivfilm. Tahrir, ihre Mutter, weint in den Ruinen ihres Hauses. Die Israelis haben ihre Kinder genommen. Nicht als Gefangene. Nicht als Verräter. Sondern als Geiseln einer Politik, die sich selbst rechtfertigt, indem sie die Wahrheit verschluckt.

Und jetzt, wo Israel und die USA ihren Krieg gegen den Iran begonnen haben, wird alles noch schlimmer. Rafah geschlossen. Kein Treibstoff. Keine Nahrung. Die UN warnt vor Hungersnöten. Als ob Gaza nicht schon genug leiden müsste. Als ob die Welt nicht längst verstanden hätte, dass sie hier zuschaut, wie ein Volk langsam, aber sicher, ausgetrocknet wird.

Die Frage ist nicht mehr, ob Gaza untergeht. Die Frage ist nur noch, wie lange die Welt es zulassen wird. Und die Antwort darauf liegt wohl in den Aschebergen von Khan Younis – wo die letzten Träume der Menschen mit dem Staub verschmelzen.

--- Der Kaffee in der Schublade ist eiskalt. Morrison trinkt ihn trotzdem.

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