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GEHEIMPREISE: WIE DIE PHARMA-LÖGEN DIE KRANKHEIT VERWALTEN

26. März 2026 — — — Dr. L. Rath

Die Zulassung des neuen Schmerzmittels Gralise (Pregabalin-HCL, Wirkstoff: Pregabalin) durch die FDA ist kein medizinischer Fortschritt, sondern ein politisches Manöver. Die Wartezeit von sieben Jahren – während die Patente für Generika längst abgelaufen wären – erklärt sich nicht durch Evidenz, sondern durch Evergreening: Die Firma Pfizer hat die Wirkstoffformulierung so verändert, dass sie als „neu“ verkauft werden kann. Die FDA, längst zum Compliance-Organ der Pharmalobby umfunktioniert, hat zugestimmt. Die Frage bleibt: Wer profitiert? Nicht die Patienten, sondern die Anwälte, die die Patentklauseln verhandelt haben.

Gleichzeitig veröffentlicht die Schweizerische Eidgenössische Kommission für die Bewilligung von Arzneimitteln (Swissmedic) drei Pfizer-Verträge aus dem Jahr 2022 – Verträge, die eigentlich bis 2032 geheim bleiben sollten. Die EU-Kommission fordert genau diese Geheimhaltung, während die Schweiz die Dokumente freigibt. Warum? Weil die Schweiz weiß: Wenn die Preise und Lieferbedingungen öffentlich werden, sieht man, wie Pfizer die Pandemie-Beschaffung als Hebel für Risikoübertragung nutzt. Die Klauseln verlagern Haftungsrisiken auf den Steuerzahler – falls ein Impfstoff nicht wirkt oder Nebenwirkungen hat. Die Schweiz hat die Verträge eingesehen und festgestellt: Pfizer verlangte Preisgarantien für „unvorhergesehene Lieferengpässe“, obwohl die Firma selbst die Produktionsketten kontrolliert. Ein klassischer Kartellmechanismus: Der Staat zahlt für die Absicherung der eigenen Profitgarantie.

Doch das ist nur ein Vorfall. Eli Lilly hat gerade die nächste Stufe der Medikamenten-Diktatur erreicht: Geheimpreise für Insulin. Die Firma nutzt eine Lücke im Affordable Care Act, um Krankenkassen und Versicherungen zu zwingen, die Preise für Humalog (Insulin Lispro) und Basaglar (Insulin Glargin) nicht öffentlich zu machen. Die Begründung? „Vertraulichkeitsvereinbarungen“. Doch wer liest diese Verträge? Nicht die Diabetiker, die jeden Cent für ihre Dosen brauchen. Nicht die Ärzte, die die Therapie einleiten. Sondern die Pharma-Konzerne, die damit sicherstellen, dass ihre Preise nicht verglichen werden können. In Texas, wo die Krankenversicherungskosten am niedrigsten sind, zahlt ein Patient für Insulin dreimal so viel wie in Massachusetts. Die Geheimpreise sind kein Zufall – sie sind das Ergebnis jahrzehntelanger Lobbyarbeit, bei der Lilly sicherstellte, dass der Rechtsschutz für Patente (auch für „erfundene“ Wirkstoffvarianten) über dem öffentlichen Interesse steht.

Novartis, währenddessen, wird wegen Steuerhinterziehung in den Cayman Islands ermittelt – doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Firma hat seit 2010 über 1,2 Milliarden Franken in Steueroasen geparkt, während sie gleichzeitig die Preise für ihre CAR-T-Zelltherapie Kymriah (Wirkstoff: Axicabtagene ciloleucel) auf über 400.000 Euro pro Patient treibt. Die Zulassung für Autoimmunerkrankungen ist noch nicht abschließend – doch die Firma hat bereits die Langzeitdaten unter Verschluss gehalten. Warum? Weil die Therapie bei 20 % der Patienten zu zerebralen Toxizitäten führt, wie interne Studien zeigen. Doch diese Daten werden nicht veröffentlicht. Stattdessen setzt Novartis auf Evergreening: Jedes Jahr bringt die Firma eine neue „verbesserte“ Version der Therapie auf den Markt, um den Patentschutz zu verlängern. Die Kosten? Die Schweizer Krankenkassen zahlen bereits jetzt über 100 Millionen Franken pro Jahr für Kymriah – und die Rechnung ist noch nicht abgeschlossen.

Die Widersprüche sind systematisch: - Die FDA genehmigt ein Schmerzmittel nach sieben Jahren – weil die Pharmaindustrie es will. - Die EU will Geheimverträge – weil die Pharmaindustrie es will. - Eli Lilly versteckt Insulinpreise – weil die Pharmaindustrie es will. - Novartis versteckt Toxizitätsdaten – weil die Pharmaindustrie es will.

Die Frage ist nicht, ob die Pharmaindustrie kriminell handelt. Die Frage ist: Wer hat die Gesetze geschrieben? Wer sitzt in den Aufsichtsräten der Zulassungsbehörden? Wer finanziert die Studien, die die „Wirksamkeit“ dieser Therapien belegen? Und vor allem: Wer zahlt die Rechnung?

Die Antwort liegt in den Geschäftsberichten, in den Steueroasen, in den nicht veröffentlichten Studien. Sie liegt in den Geheimverträgen, die niemand liest. Sie liegt in den Patentrechten, die länger sind als die Patente selbst.

Und sie liegt in uns – den Patienten, die am Ende zahlen. Nicht mit Geld. Sondern mit ihrem Leben.

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