← Zurück zur Titelseite Wirtschaft

Kommunen: 31,9 Mrd. Schulden – während die Kassen klingeln

22. April 2026 — — — E. Wolff

Die Bücher der deutschen Kommunen sind nicht nur unausgeglichen – sie bluten. 31,9 Milliarden Euro Defizit im vergangenen Jahr, ein Rekord, der die Statistiker des Bundesamts vor ein Rätsel stellt: Wie kann eine Verwaltung, die 136,5 Milliarden Euro an Steuern einsammelt, gleichzeitig 7,5 Prozent ihrer Ausgaben nicht decken? Die Antwort liegt nicht im Mangel an Geld, sondern im Mangel an guter Geldverteilung.

Die Steuereinnahmen stiegen um 3,4 Prozent – doch die Ausgaben schossen mit 6,8 Prozent bei den Personalkosten und 5,9 Prozent bei den Sozialleistungen in die Höhe. Die Tarifverträge von 2025 haben die Lohnabrechnungen der Kommunen um 113,4 Milliarden Euro belastet. Gleichzeitig müssen sie für Asylbewerberleistungen 90 Milliarden Euro ausgeben – ein Betrag, der zwar um 10,9 Prozent sank, aber dennoch die Kassen leerer reißt als die Taschen der Bürger. Die Ironie? Die Städte tragen ein Viertel der staatlichen Ausgaben, doch sie erhalten nur ein Siebtel der Steuereinnahmen. Christian Schuchardt vom Städtetag spricht von einer „finanziellen Enteignung“ – und fordert 30 Milliarden Euro Soforthilfe vom Bund. Doch selbst diese Summe wäre nur ein Pflaster auf einem faulenden Wund.

Denn die Schulden wachsen nicht aus Vernachlässigung, sondern aus einer Systematik, die die Kommunen als Sündenböcke der Bundespolitik inszeniert. Während der Bund mit 85,4 Milliarden Euro allein zwei Drittel des Gesamtdefizits trägt, pressen die Länder – vor allem die finanzstarken wie Bayern – ihre Kommunen mit leeren Versprechungen. Die Entlastungsgesetze, die jetzt kommen, sind ein Tropfen auf den heißen Stein: 400 Millionen Euro jährlich für Bayern, 250 Millionen für die ostdeutschen Flächenländer. Doch was bleibt, ist die Realität: Rücklagen sind aufgebraucht, Instandhaltungen liegen auf Eis, und die Schuldenberge wachsen weiter – nicht trotz der Einnahmen, sondern weil sie da sind.

Die Frage ist nicht, ob die Kommunen pleitegehen. Die Frage ist nur: Wann. Und wer dann die Rechnung präsentiert.

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite