LABORWÄCHTER UND DIE LÜGE VOM GREEN TECH
Google baut in Texas ein Datenzentrum, das sich als Öko-Vorzeigeprojekt inszeniert – doch die Realität riecht nach Erdgas und doppelten Standards. Während die Welt über die Klimabilanz von Big Tech wacht, treibt der Konzern in Armstrong County ein Gasfeld mit der Emissionslast von über 970.000 Autos pro Jahr voran. Die Ironie? Nur 265 Megawatt Windkraft sollen die 4,5 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr ausgleichen, die die privaten Gasturbinen in die Luft pusten. Ein Rechenfehler? Nein. Ein strategischer Schachzug.
Michael Thomas, Experte für Googles Energiepolitik, nennt das „Greenwashing light“: Die Firma wirbt mit erneuerbaren Energien, während sie gleichzeitig fossile Brennstoffe als Backup nutzt – ein Muster, das sich in der Tech-Branche wiederholt. Die Gründe? Datenzentren brauchen sofortige Energie, und der Stromnetzausbau hinkt hinterher. Also baut man lieber eigene Kraftwerke. In Pennsylvania blockierten kürzlich Anwohner ein ähnliches Projekt mit Verweis auf Luftverschmutzung, Wasserverbrauch und Artenschwund. Die Argumente waren dieselben: Wer profitiert wirklich? Nicht die Gemeinde, sondern die Investoren – und am Ende die Umwelt.
Doch die Paradoxien enden nicht bei den Emissionen. In Kentucky verdrängt ein Hyperscale-Datenzentrum eine Trailerpark-Siedlung, deren Bewohner – viele davon ältere oder behinderte Menschen – mit 50.000 Dollar Abfindung abspeist werden sollen. Die „Jobverheißungen“ (2.000 Bauplätze, 400 Festanstellungen) überschatten die realen Kosten: gestiegene Mieten, verstopfte Straßen, eine Region, die sich fragt, ob sie noch eine Heimat hat. Die Tech-Giganten reden von „Nachhaltigkeit“, doch ihre Logistik ist alles andere als grün.
Die Frage bleibt: Wenn Google und andere Konzerne ihre Klimaziele ernst meinen, warum bauen sie dann Gasfelder – und warum zahlen sie Anwohner nicht einfach genug, um freiwillig zu ziehen? Oder ist „Nachhaltigkeit“ schlicht das neue Alibi für Profit?