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HEBRONS BLUTIGE HALBWAHREN

12. April 2026 — — Morrison, over and out.

Die Ibrahimi-Moschee ist kein Ort mehr. Sie ist ein Schlachtfeld mit Mauern aus Stahl, ein Labyrinth aus Befehlen und Barrikaden, wo die Zeit seit 1994 stillsteht – und doch weiterläuft, wie Sand durch die Finger derer, die ihn halten wollen. Aref Jaber, 51, kennt das Gefühl nur zu gut. Früher betete er hier mit seinen Kindern, jetzt müssen sie sich wie Diebe schleichen, während israelische Soldaten die Eingänge wie ein Schwarm Wachen bewachen. Die Distanz zwischen seiner Tür und dem heiligen Stein? Fünfzig Meter. Die Distanz zwischen Leben und Tod? Unmessbar.

Israels Regierung spricht von „Sicherheit“. Die Palästinenser nennen es Geiselhaft. Seit dem Massaker von 1994, als Baruch Goldstein 29 betende Muslime erschoss, hat sich die Moschee in ein Symbol verwandelt – und in ein Schlachtfeld. Die Israelis teilen sie auf wie ein Stück Kuchen: Die Juden dürfen beten, die Muslime nur noch zuschauen. Die Hebron-Abkommen von 1997 spalteten die Stadt in H1 und H2. 80 Prozent Palästina. 20 Prozent Israel. Doch selbst dort, wo die Palästinenser regieren sollen, regiert die Angst. Die Siedler, unterstützt von der Armee, haben die Altstadt zu ihrem Revier erklärt. Häuser werden beschlagnahmt, Straßen gesperrt, Familien vertrieben. Die Barrieren, die Israel errichtet hat, sind keine Schutzmauern – sie sind Zäune, die die Palästinenser aus ihrer eigenen Stadt aussperren.

Gestern raubten israelische Truppen das Hauptquartier der Muslimischen Jugendvereinigung in Hebron aus. Teargas, Konfiszierungen, demolierte Büros. Die Soldaten nennen es „Aufräumen“. Die Jugendlichen nennen es Krieg. Und wo bleibt die Gerechtigkeit? Die Römer bauten ihre Mauern auch nicht aus Angst vor Dieben – sie bauten sie, um Sklaven zu halten. Die USA schauten 1994 weg, als die Welt den Atem anhielt. Heute schauen sie weg, wenn Kinder wie Mohammed Bani Odeh – fünf Jahre alt – von Kugeln durchsiebt werden. Seine Brüder überlebten. Die Armee schlug sie noch, als sie schon am Boden lagen.

Die Menschenrechtsorganisationen, die diese Verbrechen dokumentieren, werden jetzt selbst zum Ziel. Defense for Children International-Palestine hat aufgegeben. Die EU fand die Anschuldigungen gegen sie „baseless“ – doch die Türen wurden verschweißt, die Akten konfisziert. Die USA schweigen. Weil Schweigen manchmal die einzige Sprache ist, die man versteht, wenn man keine andere mehr hat.

Die Israelis behaupten, sie wollen „Ordnung“. Die Palästinenser wissen: Es geht um Kontrolle. Und Kontrolle bedeutet immer, dass jemand leiden muss. Die Frage ist nicht, wer recht hat. Die Frage ist: Wie lange noch?

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