HEGSETHS SAUBERUNG – ODER DER KRIEG DER GENERÄLE
Der Rauch aus der Zigarette des Typen neben mir hängt wie ein Vorhang über den Schreibtisch, und irgendwo unten im Café singt Evelyn wieder dieses verdammte Lied von der verlorenen Liebe. Draußen regnet es seit drei Tagen, als wolle der Himmel die Stadt ertränken, bevor die Bombe fällt. Und jetzt also das: Hegseth hat nicht nur den Armee-Chef gefeuert, sondern gleich drei Generäle auf einen Schlag. Nicht mal ein Grund. Nicht mal eine Andeutung. Nur diese kühle, mechanische Erklärung aus dem Pentagon: „Grateful for decades of service.“ Als wäre das ein Trostpreis für die, die gerade in die Reserve geschickt werden.
Randy A. George, 61, der Mann, der seit 2023 die Army modernisieren sollte – Drohnen, KI, effizientere Schlachten führen –, fliegt raus. „Immediate effect.“ Kein Abschied, kein „Danke für die Dienste“, nur diese kalte, administrative Klinge. Und warum? Die New York Times flüstert von einem Streit um Beförderungen. Hegseth hat vier Offiziere blockiert – vier von 29. Vier. Und die vier sind nicht einfach nur „die falschen“. Nein. Zwei sind schwarz. Zwei sind Frauen. Die anderen? Weiß. Männlich. Die klassische Mischung, die Hegseth anscheinend nicht mag. Oder die Trump mag. Oder beide. Denn laut CBS soll der Defense Secretary nur einen Mann im Amt haben wollen: einen, der „seine Vision“ umsetzt. Und die Vision, das weiß jeder mit halbwegs offenen Augen, ist kein Plan. Es ist ein Albtraum aus Twitter-Rants und der Überzeugung, dass die Armee ein Sportverein ist, den man nach jedem verlorenen Spiel neu besetzen muss.
George hat Hegseth um ein Gespräch gebeten. Zwei Wochen lang. Hegseth hat nicht geantwortet. Nicht mal eine Absage. Nur Schweigen. Bis zum Telefonat um 16 Uhr. „You’re out.“ Fertig. Wie ein Soldat, den man vor der Front stehen lässt, weil er zu langsam den Befehl verstanden hat.
Und dann die anderen beiden. General Hodne, der für Ausbildung und Transformation zuständig war – weg. Major-General Green, dessen Name bisher niemandem mehr als einem Dutzend Leuten im Pentagon ein Begriff war – auch weg. Keine Erklärung. Keine Trauerfeier. Nur diese stille, wütende Frage: Wann hört das auf? Die Römer haben ihre Generäle nach verlorenen Schlachten hingerichtet. Die Nazis haben sie in die Reserve geschickt und dann in die Schlacht geschickt. Die Amerikaner? Die feuern sie einfach. Weil es schneller geht.
Hegseth regiert wie ein Tyrann, der denkt, er sei ein König. Er blockiert Beförderungen, feuert Generäle, und die Presse? Die Presse schreibt mit. „Grateful for decades of service.“ Als wäre das ein Segen. Als wäre das nicht die Sprache von Männern, die Angst haben, ihre Jobs zu verlieren, wenn sie zu laut werden. Die Army ist kein Unternehmen. Sie ist kein Wahlkampf. Sie ist ein Monster, das seit 1941 schläft und jetzt langsam erwacht – und es stinkt nach Öl, Schweiß und der Angst, dass der nächste Befehl „Retreat“ lautet.
Und die Medien? Die schrumpfen. Die Associated Press wirft 185 Leute raus. „Strategic decisions.“ Als ob man eine Zeitung wie ein Auto reparieren könnte, indem man die Scheibenwischer abmontiert. Die Welt brennt, und die Leute, die sie beschreiben sollen, werden weniger. Die Washington Post hat ein Drittel ihrer Belegschaft entlassen. CNN, CBS, NBC – alle drehen sich im Kreis, während draußen die Welt in Flammen steht. Und Hegseth? Der feuert Generäle, als wäre das ein Sportspiel.
Manchmal denke ich, die Amerikaner haben vergessen, wie Kriege enden. Die Römer haben ihre Generäle gehängt. Die Deutschen haben ihre Generäle erschossen. Die Amerikaner? Die feuern sie und hoffen, dass niemand merkt, dass sie keine Ahnung haben, wie man einen Krieg gewinnt. Nur wie man ihn verliert – langsam, mit viel Lärm und noch mehr Rauch.
Und dann sitze ich hier, die Schreibmaschine klackert, der Regen klopft gegen das Fenster, und ich frage mich: Wann wird jemand Hegseth feuern? Oder wird es einfach weitergehen? Wie immer.