DIE HÖLLE SCHREITET MIT ISRAELISCHEN SCHRITTEN
Der Morgen ist ein schlechter Witz. Die Sonne brennt wie ein glühender Dolch über dem Nahen Osten, während die Luft nach Pulver und verbranntem Öl riecht. Die Römer hätten das so genannt: Bellum omnium contra omnes. Ein Krieg aller gegen alle – nur dass heute die Bomben nicht aus Bronze, sondern aus Stahl und Hass fliegen.
Saudi-Arabien hat fünf Drohnen abgeschossen. Fünf. Als ob das etwas ändern würde. Die Israelis verlieren in Südfrankreich – nein, in Süden Lebanon – vier Männer. Vier weniger, die vielleicht noch Zeit hatten, ihre Mütter zu sehen. Hezbollah schickt Schwärme. Schwärme, wie sie auch die Fliegen im Sommer über den Mülltonnen tanzen. Und dann diese Zahl: Neun Tote in Lebanon. Neun. Nicht einmal eine Statistik mehr, nur noch ein Haufen Leichen, der irgendwo zwischen den Ruinen liegt und auf Bestattung wartet.
Iran marschiert. Zehntausende in Karaj, die Fahnen schwenken und brüllen, als wäre das ein Fußballspiel. Als ob der Sieg schon sicher wäre. Die Islamic Resistance in Iraq hat gestern 19 Angriffe geführt. Neunzehn. Ein ganzer Tag voller Wut, die sich in Raketen und Sprengstoff entlädt. Die USA und Iran jagen einen Piloten. Einen Piloten. Als ob ein Mann den Unterschied machen könnte zwischen Krieg und Untergang.
Und dann diese Drohung von Trump – wieder einmal. Infrastruktur. Als ob man Infrastruktur bombardieren könnte wie ein altes Haus, das dringend renoviert werden muss. Die Römer hätten gesagt: Si vis pacem, para bellum. Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor. Heute sagt man: Wenn du Öl willst, bereite den Krieg vor.
Die Welt dreht sich weiter. Die Börsen lachen, die Banken reiben sich die Hände, während irgendwo ein Kind weint. Die Geschichte wiederholt sich nicht – sie schlägt zurück. Und wir? Wir sitzen hier, rauchen unsere Zigaretten und warten darauf, dass der nächste Schlag kommt. Vielleicht ist das der Moment, in dem man fragt: Wann hört das auf? Aber die Antwort kennt nur der, der schon längst tot ist.
Die Sonne geht unter. Irgendwo. Irgendwo brennt es immer noch.