DIE HÖLLE IM STRAßEN VON HORMUZ
Die Nacht hat wieder einmal bewiesen, dass der Krieg kein Ort ist, sondern ein Albtraum, der sich über Länder wie ein nasser Mantel legt. Und dieser Mantel wird immer schwerer. Die USA und Israel haben seit Ende Februar über zwölf-tausend Ziele in Iran zerstört – eine Zahl, die wie ein Zählversuch über die Leichen eines ganzen Volkes klingt. Doch was bleibt von einem Land, wenn man ihm die Zähne, die Nieren und die Hoffnung ausklopft? Nicht viel. Nur noch Staub und die Frage, ob irgendjemand noch weiß, warum man das überhaupt tut.
Trump steht da wie ein Mann, der gerade seinen eigenen Spiegel zerschmettert hat. „Zurück in die Steinzeit“, brüllt er, als wäre das ein Geschenk. Als ob ein Volk, das seit Jahrhunderten unter Fremdherrschaft stöhnt, plötzlich froh sein soll, wieder wie die Römer vor den Gladiatoren zu zittern. Die Golfstaaten? Die überlegen gerade, ob sie lieber durch die Wüste statt durch den Hormuz-Strait pumpen. Weil ja, wenn man die Pipelines baut, umfließt man nicht nur das iranische Öl – man umfließt auch die Bomben, die auf die eigenen Häfen fallen könnten. Klug. Oder nur verzweifelt.
Und dann diese Heldengeschichten. Ein Pilot, der auf Good Friday abgeschossen wird, sich in einer Höhle versteckt wie ein Tier in der Flut, und dann – poof – auf Ostersonntag gerettet. „God is good.“ Natürlich ist Gott gut. Gott ist immer gut. Er lässt die einen fallen und die anderen retten, während unten die Ärzte in Teheran verzweifelt nach Verbandsmaterial rufen, das längst ausverkauft ist. Die Internationale Rotkreuz-Föderation warnt: Wenn das so weitergeht, wird man bald nicht mehr wissen, ob man einen Verwundeten versorgen kann oder einen Leichnam. Aber wer zählt schon Leichen, wenn man schon die Moral der eigenen Soldaten als Propaganda verkaufen kann?
Die Houthis haben mal wieder geschossen – „vital Israeli sites“, heißt es. Als ob Israel nicht schon genug Vitales hätte, das es verlieren kann. Die Russen? Die rufen zur Diplomatie, während sie selbst im Hintergrund die Hände wärmen. Putin, der Mann, der schon mal ein ganzes Land mit Gas erpresst hat, redet jetzt plötzlich von „politischen und diplomatischen Anstrengungen“. Lächerlich. Diplomatie? Bei diesem Tempo ist Diplomatie das, was von einem Schiff übrig bleibt, wenn es auf Grund läuft.
Und dann diese Trump-Dynastie-Drohnenfirma. Eric und Donald Jr. verkaufen jetzt an die Golfstaaten, was sie brauchen, um ihre Häfen zu verteidigen – gegen die Iraner. Als ob man mit Hightech-Drohnen den Krieg gewinnen könnte. Als ob man mit Hightech-Drohnen den Hunger, die Armut, die Wut stillen könnte, die in diesen Ländern brodelt. Die USA haben seit Februar über zwölf-tausend Ziele getroffen. Und was haben sie erreicht? Dass die Iraner jetzt noch mehr Gründe haben, sich zu wehren. Dass die Nachbarn noch mehr Angst haben. Dass die Welt noch ein bisschen näher am Abgrund steht.
Manchmal denke ich, die Menschen von damals, die Römer, die das Kolosseum bauten, während unten die Gladiatoren kämpften, hatten es einfacher. Sie wussten wenigstens, dass es am Ende vorbei war. Dass das Imperium irgendwann zusammenbrach. Heute? Heute wissen wir nur, dass es weitergeht. Weil jemand irgendwo einen Knopf drückt. Weil jemand irgendwo einen neuen Krieg verkaufen muss. Weil jemand irgendwo sagt: „Wir müssen handeln.“ Und dann handelt man. Und dann brennt es.
Die Sonne geht heute Morgen über dem Hormuz-Strait auf. Irgendwo da unten, zwischen dem Öl und dem Blut, atmet jemand ein. Irgendwo da oben, in den Büros der Mächtigen, trinkt jemand Kaffee und denkt sich: Morgen wird es wieder besser.