Herausforderungen in der Automobilindustrie
Heute ist wieder so ein Tag. Einer dieser Tage, an denen die Welt sich fragt, ob sie noch in der Lage ist, sich selbst zu verstehen. Die Terminal Tribune hat mir einen Stapel ausgedruckter Telegramme und handschriftlicher Notizen zugeschoben – allesamt von Leuten, die entweder Angst haben oder Geld wollen. Oder beides. Die eine Seite schickt mir eine Depesche aus Berlin, unterzeichnet mit einem Namen, der mir seit ’14 vertraut ist: „Die Bomben fallen jetzt auch auf die Kinder. Soll ich noch weiter schreiben?“. Die andere Seite, ein Brief aus Prag, fragt nach „Investitionschancen im Sudetenland“, als wäre das alles nur ein großes Geschäft, kein Pakt mit dem Teufel.
Ich tippe die Worte mit den Fingern einer Hand, die schon zu viele Knöpfe gedrückt hat. Die Schreibmaschine stottert. Perfekt. Wie das Leben. Wie die Börse. Wie die Moral der Menschen, die sich heute Abend im Café de la Paix über die „humanitäre Lage“ unterhalten werden, während sie ihre Kaffeetassen mit Zucker bestreuen wie die Römer ihre Götter mit Opfern.
Manche fragen sich, ob wir nicht einfach weitermachen wie immer. Als wäre ’37 nur eine weitere Jahreszahl in einer endlosen Reihe von Katastrophen. Die Depression war schlimm? Gut. Der letzte Krieg auch. Aber wir haben überlebt. Wir haben uns angepasst. Wir haben gelernt, dass Fortschritt nichts anderes ist als ein neuer Name für das gleiche alte Leid. Die Nazis marschieren. Die Kommunisten marschieren. Die Banken marschieren. Und wir? Wir marschieren hinterher, mit leeren Taschen und noch leererem Magen, und rufen uns selbst Mut zu, als wäre das ein Trick, der noch funktioniert.
Evelyn singt unten im Café. Ihre Stimme dringt durch die Scheiben, dünn wie der Dunst über dem Rhein. Sie singt von Liebe. Von Verlorenem. Von Dingen, die es nicht mehr gibt. Ich höre sie, aber ich denke an die Männer, die morgen wieder in die Schlachten gehen werden – nicht mit Schwert und Schild, sondern mit Maschinengewehren und der gleichen alten Angst. Die Römer hätten sie Pax Romana genannt. Wir nennen es Frieden, während die Kanonen schießen.
Die Frage ist nicht, ob es weitergeht. Die Frage ist nur noch: Wie lange können wir uns noch die Illusion leisten, dass wir eine Wahl haben? Die Antwort liegt irgendwo zwischen den Zeilen der Depeschen, im Rauch der Zigarette, die ich mir gerade anzünde, und im Blick der Frau am Schreibtisch neben mir, die seit Stunden auf die Telefonhörer starrt, als könnte sie darin die Zukunft lesen.
Ich tippe weiter. Nicht weil ich Glaube habe. Sondern weil jemand es tun muss. Weil die Wahrheit, so wie sie ist, immer noch besser ist als die Lügen, die sie ersetzen. Und weil irgendwo da draußen – vielleicht in einem kleinen Dorf, vielleicht in einer großen Stadt – ein Kind gerade aufsteht und denkt, dass morgen ein besserer Tag wird. Vielleicht hat es recht. Vielleicht hat es auch nicht recht.
Aber heute Nacht, wenn der Regen aufhört und die Straßen wieder glänzen wie frisch geölte Messer, werde ich mir einen Bourbon gießen und mir vorstellen, dass ich der letzte Mann auf Erden bin. Dass ich die einzige Stimme bin, die noch die Wahrheit sagt. Dass ich nicht lüge. Nicht heute. Nicht morgen. Nicht wenn die Hunde der Geschichte wieder einmal an der Tür klopfen.
Und dann werde ich trinken. Und weiter tippen. Bis die Schreibmaschine kaputtgeht. Oder ich. Oder beide.