Häuserpreise fallen, Börsen wanken — und Trump bleibt oben
Die Zahlen auf meinem Schreibtisch lügen nicht. Amerikas Häusermarkt kühlt ab wie ein Lötkolben ohne Strom. Verkaufspreise sinken, Lagerbestände schwellen, die Indizes der Wohnbau-Aktien rutschen tiefer als die Spesenabrechnung eines Senators in Wahlkampfzeiten. Wer verkaufen will, muss nach unten korrigieren. Wer kaufen wollte, wartet ab. Das ist keine Vermutung, das sind die Meldungen, die seit Wochen über die Ticker laufen.
In dieser Gemengslage sendet SpaceX ein Lichtsignal: ein erfolgreicher Börsengang wird vermeldet. Raketen, die ins All fliegen, an der Börse gelandet. Was für die einen nach Triumph klingt, ist für mich zunächst eine Frequenz, die ich sauber abhören muss. Quellen berichten von einem geglückten IPO. Andere Quellen wiederum legen widersprüchliche Darstellungen vor — möglicherweise, so munkeln die Drähte, sind SpaceX-Anteile bereits öffentlich gehandelt worden, möglicherweise nicht. Eine Quelle spricht von einer ordnungsgemäßen Neuinstallation bestimmter Handelsmodule, eine andere Quelle spricht von unerlaubtem Eindringen in die Marktinfrastruktur. Ich schreibe beides in mein Notizbuch, mit Bleistift, wie man es in unsicheren Zeiten tut. Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen den Geräuschen.
Während Elon Musk im Orbit seine Kreise zieht, bleibt am Boden einiges liegen. AcuRite, Hersteller von Wetterstationen für Wohnzimmer und Werkstätten, hat die für diese Woche geplante Abschaltung seiner App verschoben. Auf den ersten Blick eine Randnotiz aus dem Reich der Heimelektronik. Auf den zweiten Blick die eigentliche Nachricht: die Sorgen der Arbeiter — jener Menschen, die die Geräte in den Werkshallen zusammenbauen, die Serverfarmen betreuen, die in der zweiten Schicht die Hotline-Anfragen abfangen — wurden bisher nicht adressiert. Gar nicht. Sie wurden verschoben, genau wie die App-Abschaltung. Das ist die Melodie, die ich seit Monaten auf einer Frequenz höre, die die Börsenkommentatoren offenbar nicht einstellen können: Profite werden laut gefeiert, die Kosten werden leise verschoben.
Dann diese Meldung, die wie aus einer anderen Zeit klingt und doch genau in unsere passt: Eine Handtasche aus Tyrannosaurus-rex-Leder fand bei einer Auktion keinen Käufer. Ein prähistorisches Accessoire, gefertigt aus der Haut eines Tieres, das vor 66 Millionen Jahren ausstarb, sollte in einer Auktion versteigert werden und blieb liegen. Ich sage: Wenn selbst ein Stück Saurier-Exklusivität im Ramsch landet, ist das mehr als eine Kuriosität. Das ist Stimmungsbarometer. Die Reichen kaufen nicht mehr, was sie nicht brauchen, und manchmal nicht einmal das, was sie brauchen.
In der politischen Frequenz meldet sich derweil Graham Platner, ein Mann, der den Mut hat, Donald Trump direkt zu kritisieren. Er sagt, was die Apologeten der Wall Street nicht in ihre Depeschen schreiben: Die zentralen Positionen Trumps finden in der öffentlichen Meinung durchaus Zustimmung, ja. Die Menschen kaufen die Erzählung. Aber Zustimmung ist kein Bankkonto. Sie ist keine Hypothek, die nicht platzt, kein Arbeitsvertrag, der nicht morgen gekündigt wird. Ich höre den Kontrast zwischen Umfragewerten und Kontobewegungen. Er wird lauter.
Parallel verschiebt sich ein anderes Signal an der Westküste: Karen Bass, Bürgermeisterin von Los Angeles, wurde zu der Klage ihres Bruders befragt. Einzelheiten sind noch unklar, aber die Tatsache, dass sie aussagen musste, ist ein Summen auf einer Leitung, die normalerweise still sein sollte. In den Hauptstädten sitzt man nicht auf heißen Stühlen, wenn im Hintergrund alles glattläuft.
US-Iran-Spannungen bleiben ein Dauerton, der jeden anderen überlagert. Während Makler ihre Schilder aus den Vorgärten ziehen, spielen andere am Rand der Welt mit dem Feuer. Zwei Frequenzen, eine Sorge: Wohin fließt das Geld, wenn die Kanonen zu sprechen beginnen? Wohin fließt es nicht?
Und dann die heimische Frequenz, die mir näher ist als alle anderen: Deutschland. Der Arbeitsmarkt durchläuft Verschiebungen, die ich beobachte, nicht kommentiere, weil Kommentare nichts nützen. Qualifikationen werden umgewertet, ganze Branchen schrumpfen, andere wachsen dafür umso schneller. Wer heute noch in der Automobilfertigung steht, könnte morgen in der Pflege stehen — oder auf der Straße, mit einer Abfindung und einer Broschüre der Arbeitsagentur. Die Frequenzen ändern sich, und wer nicht hört, wird vom Trägerwellenwechsel überrascht.
Was ich zusammenfasse, ist kein Pessimismus. Es ist das, was die Drähte mir erzählen, wenn ich abends das Lötzinn vom Fingern kratze und den dritten kalten Kaffee austrinke. Amerika baut weniger, verkauft weniger, bewertet weniger. Eine Firma fliegt hoch und ihre Zahlen sind widersprüchlich, andere Geräte werden leise abgeschaltet, eine Dinosaurier-Handtasche wird verramscht. Während oben die Kameras laufen und die Zustimmungswerte glänzen, bleiben unten die unbeantworteten Sorgen der Arbeiter, der Mieter, der kleinen Eigentümer, die jetzt zusehen, wie ihr Traum an Wert verliert.
Die Frage ist immer dieselbe, seit ich am Schalter sitze: Wer kontrolliert das? Wer profitiert? Wer zahlt den Preis, wenn die Börsen kühlen und die Häuser leer stehen?
Die Drähte summen weiter. Ich übersetze.