IEA ruft zum großen Sparzirkus – und die Welt beißt in den sauren Apfel
Die Internationale Energie-Agentur hat es geschafft, was selbst die Römer mit ihren Aquädukten nicht hinbekamen: Sie haben die moderne Welt an den Rand des Kollapses manövriert – und jetzt verteilen sie Hausmittel wie der Opa im Dorf, der jedem erklärt, wie man mit weniger auskommt. Zehn Punkte. Zehn Forderungen. Zehn Gründe, warum die nächste Revolution nicht mehr lange auf sich warten lässt.
Zuerst also: Homeoffice. Ja, Sie lesen richtig. Die Wächter des globalen Öls, die sonst so tun, als wären sie die neuen Götter des Fortschritts, raten uns nun, wieder wie in der Pandemie zu arbeiten – nur diesmal nicht aus Angst vor einem Virus, sondern aus Angst vor einem Krieg. Der Iran brennt. Die Pipelines fließen nicht mehr. Und die IEA, diese alte Dame mit dem teuren Anzug, flüstert uns zu: „Lieber zu Hause sitzen, lieber die Seele in der Schublade begraben, als dass die Tankstellen leerstehen.“
Dass sie es gerade jetzt ausgerechnet uns sagen, ist schon fast eine Beleidigung. Die USA, Europa, die ganze zivilisierte Welt – wir haben uns jahrelang gefreut, dass die Bürotüren offenstehen, dass wir im Café sitzen und Kaffee trinken wie kleine Könige. Und jetzt? Jetzt soll der Fortschritt wieder in die Schublade. „Arbeitet von zu Hause!“ – als wäre das eine Lösung. Als wäre das kein Eingeständnis der Schwäche. Die Römer hätten gesagt: „Die Götter sind wütend, also opfert eure Sklaven.“ Wir sagen: „Die Tankstellen sind leer, also opfert eure Karriere.“
Und dann diese Geschwindigkeitsbegrenzungen. 10 km/h weniger. Als ob das der Weltuntergang wäre. Als ob wir nicht schon seit Jahren wissen, dass die Straßen zu voll sind, dass die Luft stinkt, dass die Motoren heulen wie verrückte Hunde. Die IEA will uns langsamer fahren lassen – nicht, weil es die Umwelt schützt, sondern weil das Öl sonst alle ist. Und während wir uns über diese lächerliche Geschwindigkeit aufregen, brennt irgendwo in der Ferne ein Ölfeld, und die Preise steigen wie der Dampf über einem kochenden Topf.
Die dritte Empfehlung: Öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Als ob wir nicht wüssten, dass die U-Bahn in Berlin aussieht wie ein Schlachtfeld, dass die Züge in Tokio pünktlicher sind als die Gehirne der Politiker. Die IEA träumt von einer Welt, in der alle zusammenrücken wie in einem überfüllten Zugabteil – und dabei vergisst sie, dass die meisten Menschen gar nicht mehr wissen, wie man zusammenlebt, ohne sich die Blicke zu verfluchen.
Dann kommt die Nummernplatten-Rotation. Ja, Sie haben richtig gehört. In den großen Städten soll jeder zweite Tag nur bestimmte Autos fahren dürfen. Als wären wir wieder im Mittelalter, als die Städte nachts zugezogen wurden, weil die Räuber um die Ecke lauerten. Die IEA hat vergessen, dass die Menschen heute nicht mehr bereit sind, sich wie Bauern behandeln zu lassen. Sie wollen Freiheit. Sie wollen Wahl. Sie wollen nicht, dass man ihnen vorschreibt, wann sie fahren dürfen.
Und dann diese LPG-Umstellung. Plötzlich soll jeder, der ein Auto hat, das mit Flüssiggas läuft, umsteigen – weil Kochen wichtiger ist als Fortbewegung. Als ob die Welt nicht schon genug absurde Prioritäten hätte. Als ob wir nicht alle wissen, dass die Reichen weiter fliegen, während die Armen sich fragen, ob sie sich heute Abend noch Gas für den Herd leisten können.
Die IEA hat auch noch den Luftverkehr im Visier. „Vermeidet das Fliegen!“ – als ob die Welt nicht schon seit Jahrzehnten weiß, dass die Jetstreams die Atmosphäre vergiften wie ein langsamer Giftcocktail. Die Reichen werden weiter in ihren Privatjets dampfen, während die Restlichen sich fragen, ob sie sich den nächsten Urlaub leisten können. Die IEA redet von Effizienz, aber sie vergisst, dass Effizienz nur ein anderes Wort für Ausbeutung ist.
Und zum Finale: Industrie soll sparen. Die Petrochemie soll umschichten, die Fabriken sollen weniger verbrauchen. Als ob die Fabriken nicht schon jetzt am Limit arbeiten. Als ob die Arbeiter nicht schon jetzt wissen, dass jeder weitere Einschnitt ein weiterer Schlag gegen ihre Löhne ist. Die IEA redet von Krisenmanagement, aber sie versteht nicht, dass eine Krise nicht nur aus leeren Tanks besteht – sie besteht auch aus leeren Magen, aus leeren Portemonnaies, aus leeren Versprechungen.
Und dann dieser Tim Hodgson aus Kanada. Der steht da in Houston und redet von „Canadas Moment“. Als ob Kanada plötzlich der Retter der Welt wäre. Als ob die Kanadier nicht selbst unter den gleichen Problemen leiden wie der Rest. „Die Welt ist verzweifelt, sie braucht einen zuverlässigen Lieferanten.“ Ja, Hodgson, und wir brauchen auch noch Luft zum Atmen, sauberes Wasser, ein bisschen Würde. Aber nein – erst kommt das Öl.
Die Weltwirtschaftsorganisation warnt inzwischen, dass der globale Handel seit 80 Jahren nicht mehr so durcheinander war. 80 Jahre. Das ist länger als der Erste Weltkrieg. Länger als die Depression. Länger als die Zeit, in der die Menschen noch glaubten, Fortschritt sei etwas Gutes. Jetzt sitzen wir da, und die IEA gibt uns Hausaufgaben auf wie ein strenger Lehrer, der uns sagt: „Ihr habt zu viel gegessen, jetzt müsst ihr hungern.“
Und was bleibt? Was bleibt, ist die Frage, ob wir uns noch an die Zeit erinnern, als wir noch dachten, die Welt sei ein Ort, an dem man wählen kann. Ob wir uns noch an die Zeit erinnern, als wir noch dachten, dass Fortschritt mehr ist als nur die Fähigkeit, noch schneller zu verbrennen. Die IEA hat uns gerade gesagt: „Reduziert. Sparen. Opfern.“ Und während wir das tun, wird irgendwo ein Krieg weitergebrannt, irgendwo wird ein Ölfeld weiter versiegelt, und irgendwo – ganz weit weg – sitzt ein Mann in einem Anzug und tippt diese Zeilen in eine Schreibmaschine, während draußen der Regen gegen die Scheibe prasselt und die Straßenlaternen wie traurige Augen in der Dunkelheit glühen.
Die Revolution kommt nicht mit Gewehren. Sie kommt mit leeren Tanks. Und wir? Wir sitzen hier. Und wir warten.