IRAN BRENNT – UND DIE WELT SCHAUT ZU
Die Luft über Teheran riecht nach verbranntem Öl und Schweiß. Nicht nach Krieg – nein, das wäre zu billig. Es riecht nach Entscheidungen, die irgendwo in Washington oder Tel Aviv gefallen sind, während hier unten die Straßen unter Schuhsohlen knirschen wie Glas. Die Römer hätten das so gemacht: einen General, der von oben herab die Stadt bombardiert, während die Bürger sich fragen, ob ihr Gott noch hört. Nur dass die Römer wenigstens ihre Legionen nicht in die Luft gejagt hätten wie billige Spielzeuge.
Die US-Central Command hat seit Februar über zwölftausend Ziele ausgelöscht. Zwölftausend. Das klingt nach einer Zahl aus einem Statistikbuch, nicht nach Menschen. Nicht nach Frauen, die ihre Kinder in Kellern verstecken, während die Decke unter ihnen bebt wie ein sterbender Bulle. Nicht nach Männern, die mit bloßen Händen gegen Beton kämpfen, während über ihnen die Flak der zivilisierten Welt wie ein wütender Gott die Erde mit Blei segnet. Die Israelis sagen, ihre Luftabwehr habe einen iranischen Raketenschlag abgewehrt. Als ob das ein Trost wäre. Als ob es nicht doch ein paar getroffen hätte. Als ob es nicht doch ein paar Kinder gibt, die jetzt ohne Beine laufen oder ohne Augen sehen.
Und dann diese heldenhaften Geschichten. Ein Pilot, der sich wie ein biblischer Held durch die Berge schlägt, während die Iraner hinter ihm wie Hunde bellen. Ein anderer, der sich in einer Höhle versteckt und auf Easter Sunday gerettet wird. „God is good.“ Ja, sicher. Gott ist gut, wenn man ihn braucht – aber nicht, wenn er dich im Stich lässt, wenn die Raketen fallen und die Straßen in Flammen aufgehen. Die Amerikaner nennen das Exzellenz in Uniform. Die Iraner nennen es Hölle auf Erden.
Doch die eigentliche Show spielt sich woanders ab: in den Büros der Ölkonzerne, wo man schon wieder über Pipelums redet, die das Land umgehen sollen. Als ob man die Straße durch den Hormuz-Strait einfach umfahren könnte wie eine Autofahrer, der einen Stau umleitet. Die Saudis flüstern mit den Russen, die Russen flüstern mit den Chinesen – alle warten ab, bis das Blut aufhört zu fließen. Bis die Rechnung kommt. Denn irgendjemand wird zahlen. Immer.
Und die Roten Kreuze? Die sagen, die Trauma-Kits gehen zur Neige. Als ob das überraschend wäre. Als ob man in einer Stadt, die seit Wochen bombardiert wird, noch an Kits denken könnte. Die Iraner beerdigen ihre Toten auf riesigen Fahnen, während irgendwo ein Houthi-Raketenangriff auf „vital israelische“ Ziele gefeiert wird. Vital? Als ob es noch etwas Gutes gäbe, das nicht vital wäre, wenn man in einem Land lebt, das gerade vom Himmel aus dem Erdboden getilgt wird.
Trump spricht von der „Steinzeit“, in die er Iran zurückwerfen will. Die Steinzeit. Als ob die Menschen hier nicht schon seit Jahrtausenden in Steinzeiten lebten – nur mit besseren Waffen. Nur mit mehr Hass. Die Römer hätten gesagt: Carpe diem. Die Amerikaner sagen: Carpe the enemy. Und die Iraner? Die Iraner sagen einfach: Wir überleben.
Und dann ist da noch das Geschäft. Die Trumps junior und mittelmäßig verkaufen Drohnen an die Golfstaaten. Natürlich. Warum nicht? Wenn man schon die Welt in Brand setzt, dann kann man wenigstens noch ein paar Millionen damit machen. Die Geschichte kennt das: immer war es so. Immer haben die Mächtigen gewusst, dass der Krieg ein gutes Geschäft ist. Selbst wenn er die Welt am Ende verschlingt.
Die Sonne geht unter über Teheran. Irgendwo singt eine Frau. Irgendwo schreit ein Kind. Irgendwo atmet ein Soldat seinen letzten Atemzug ein. Und irgendwo, in einem Büro in Washington, wird schon die nächste Runde geplant.
Die Steinzeit kommt. Aber sie kommt nicht mit Steinen. Sie kommt mit Raketen. Und die sind teurer.