Iran-Krieg und die globale Energie- sowie Nahrungsmittelkrise
Ich war einer von denen. Nicht lange. Nicht lange genug, um zu vergessen, wie man Öl riecht. Wie es schmeckt, wenn’s an den Händen klebt und die Haut abzieht wie ’ne alte Socke. Die Konzerne kommen, pumpen, und dann? Dann verschwinden sie. Wie Geister. Die Felder bleiben. Die Männer bleiben. Die Frauen auch. Die Kinder kriegen Asthma, weil die Luft über den Tanks nach faulen Eiern riecht. Und die Politiker? Die kriegen Schmiergeld. Immer. Immer schon.
Jetzt sitze ich hier und schreibe, während draußen die Sonne über den Tanklagern von Corpus Christi brennt. Die Zapfsäulen glänzen wie Messer in ’nem Sonnenuntergang. Jeder Cent, den ihr für ’nen Liter Superbenzin zahlt, ist ’ne Geschichte. Eine Geschichte von Dieben. Von Männern, die in ihren Villen in Houston oder Dallas sitzen und sich die Finger nicht schmutzig machen. Die wissen genau, wie viel es kostet, das Zeug aus der Erde zu holen. Und sie wissen auch genau, wie wenig sie euch dafür zahlen.
Letzte Woche hat Exxon wieder ’ne Dividende ausgeschüttet. 4,5 Dollar pro Aktie. Die Aktionäre jubeln. Die Arbeiter in Baton Rouge kriegen 12,50 Dollar die Stunde. Wenn sie Glück haben. Wenn nicht, kriegen sie Kündigung. Und dann? Dann müssen sie zu Walmart oder in ’ne Fabrikanlage, wo sie für noch weniger arbeiten. Weil die Konzerne die Löhne drücken. Weil sie die Gewerkschaften zerschlagen. Weil sie die Politik im Sack haben.
Ich war mal in ’nem Boardroom. Nicht lange. Nicht lange genug, um zu vergessen, wie die da reden. Nicht von Öl. Nicht von Arbeit. Sondern von Effizienz. Von Skaleneffekten. Von Risikomanagement. Als ob Öl nicht einfach nur Öl wäre. Als ob die Männer, die da sitzen, nicht wüssten, dass jedes Barrel, das sie verkaufen, mit Blut bezahlt wird. Mit dem Blut der Männer, die in den Pipelines ersticken. Mit dem Blut der Frauen, die in den Fabriken Krebs kriegen. Mit dem Blut der Kinder, die in den Slums von Houston keine saubere Luft zum Atmen kriegen.
Die Pipeline, die durch mein Heimatdorf führt, heißt Colonial. Die gehört Exxon. Die pumpt Öl aus Texas nach New York. Die Männer, die sie bauen, kriegen 18 Dollar die Stunde. Die Männer, die sie reparieren, kriegen 15. Die Manager? Die kriegen Millionen. Und wenn ’ne Pipeline undicht wird, wie vor zwei Jahren in Baytown, dann gibt’s ’ne Untersuchung. Dann gibt’s ’ne Entschädigung. Für die Umwelt. Für die Gesundheit. Für die Familien, die ihr Zuhause verlieren. Nicht für die Arbeiter, die das Zeug gebaut haben. Nicht für die, die es reparieren müssen.
Ich trinke kein Bourbon. Aus Prinzip. Weil Bourbon teuer ist. Weil er für die da oben gemacht ist. Ich trinke Bier. Das kostet weniger. Und es schmeckt besser. Weil es ehrlich ist. Wie das Leben. Wie die Arbeit. Wie das Öl.
Die Zapfsäule zeigt 1,89 Dollar pro Liter. Das ist billig. Für euch. Für die, die es sich leisten können. Für die, die wissen, dass sie morgen wieder ’ne Tankfüllung kriegen. Für die, die nicht wissen, wie es ist, wenn der Sprit aufgebraucht ist und das Auto stehen bleibt. Wenn die Kinder hungrig ins Bett gehen müssen, weil die Miete nicht bezahlt ist. Wenn die Heizung ausfällt, weil das Geld für den Sprit fehlt.
Ich war mal arm. Nicht reich. Nicht mal mittellos. Aber nah dran. Nah dran genug, um zu wissen, wie es ist, wenn die Rechnung kommt. Wenn die Stromrechnung. Wenn die Heizkosten. Wenn die Miete. Wenn die Kinderkrankenschwester anruft, weil das Kind Fieber hat und die Versicherung die Behandlung nicht zahlt.
Die Konzerne reden von Nachhaltigkeit. Von grünen Technologien. Von Klimaanpassung. Als ob sie nicht wüssten, dass sie die Erde ausbluten lassen. Als ob sie nicht wüssten, dass sie die Luft vergiften. Als ob sie nicht wüssten, dass sie die Menschen ausbeuten. Die da oben reden. Die da oben handeln. Die da unten leiden.
Ich war mal in ’nem Boardroom. Ich hab’ gehört, wie sie über Preisstabilität geredet haben. Über Marktbedingungen. Über globale Trends. Als ob die Welt nicht aus Menschen bestünde. Als ob die Welt nicht aus Arbeit bestünde. Als ob die Welt nicht aus Schweiß bestünde.
Die Pipeline, die durch mein Dorf führt, ist 1000 Meilen lang. Sie wiegt 100.000 Tonnen Stahl. Sie pumpt 1,5 Millionen Barrel Öl pro Tag. Das ist genug, um 100.000 Autos zu betanken. Jeden Tag. Jeden Tag. Und die Männer, die sie bauen? Die kriegen 15 Dollar die Stunde. Die Männer, die sie reparieren? Die kriegen 12. Die Manager? Die kriegen Millionen. Und wenn ’ne Pipeline undicht wird, dann gibt’s ’ne Untersuchung. Dann gibt’s ’ne Entschädigung. Für die Umwelt. Nicht für die Arbeiter.
Ich trinke kein Bourbon. Ich trinke Bier. Weil ich weiß, wie es ist, wenn man kein Geld hat. Wenn man kein Öl hat. Wenn man nur noch die Hände hat. Und die Hände sind schmutzig. Immer. Immer schmutzig. Mit Öl. Mit Schweiß. Mit Blut.
Die Zapfsäule zeigt 1,89 Dollar pro Liter. Das ist billig. Für euch. Für die, die es sich leisten können. Für die, die wissen, dass sie morgen wieder ’ne Tankfüllung kriegen. Für die, die nicht wissen, wie es ist, wenn der Sprit aufgebraucht ist. Wenn die Kinder hungrig ins Bett gehen müssen. Wenn die Heizung ausfällt. Wenn die Rechnung kommt. Und niemand da ist, der sie bezahlt.