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IRANS HUNGERFREIHEIT IST GESCHLOSSEN

22. April 2026 — — Morrison, over and out.

Der Regen klopft gegen die Schreibmaschine, als wolle er mir sagen, dass auch das Wetter sich weigert, neutral zu bleiben. Draußen, zwischen den Qualmwolken der Fabriken und dem grellen Neon der Straßenlaternen, riecht es nach verbranntem Öl und nassem Asphalt. Die Straßen sind leer wie die Münder der Bauern, die seit Wochen ihre Felder nicht mehr bestellen können. Die Iraner nennen es Sang-e Ab – das Blut des Wassers. Und jetzt, wo die Pipelines trockenfallen und die Kanäle verstopft sind wie die Lungen der Stadt, wird klar: Dieser Krieg ist kein Kampf um Öl. Er ist ein Kampf um das letzte, was Menschen brauchen, um zu überleben.

Die Felder im Khuzestan, einst grün wie die Versprechungen der Mullahs, sind jetzt braun wie die Papiere, die die Regierung verteilt, um Brot zu rationieren. Die Reisfelder im Süden, die einst die Tische der Nachbarländer füllten, stehen unter Wasser – nicht vom Regen, sondern von der Dürre. Die Flüsse, die einst die Kanäle speisten, sind zu Rinnsalen geschrumpft. Die Bauern sagen, es sei, als hätte jemand die Adern des Landes mit einer Säge durchtrennt. Und während die Welt über Ölpreise stöhnt, die höher sind als die Türme von Teheran, fragt sich niemand, wer eigentlich die Rechnung für den Hunger bezahlen wird.

Die Zahlen sind kalt wie der Schweiß auf den Gesichtern der Frauen, die in den Märkten um ein paar Datteln feilschen. 85 Prozent der Nahrung, die Iran importiert – und die meisten davon kommen durch den Hormuz. Jetzt ist der Straits wie ein Mund, der zugeschlagen hat. Kein Schiff. Keine Lebensmittel. Keine Medikamente. Die Regierung spricht von „temporären Herausforderungen“, aber wer lügt hier? Wer hat je eine „temporäre“ Dürre erlebt? Die Römer starben nicht an „temporären“ Hungersnöten. Die Menschen in der Depression nicht an „temporären“ Brotpreisen. Und die Iraner werden nicht die Ersten sein, die in Massen an den Folgen sterben.

Die Regierung hat die Reserven geöffnet wie ein Safe in einer schlechten Western-Serie. Vier Monate Vorrat, sagen sie. Als ob vier Monate etwas wären. Als ob die Menschen nicht wüssten, dass vier Monate in einer Welt, in der die Weltbank schon jetzt von 45 Millionen neuen Hungrigen spricht, eine Ewigkeit sind. Die Preise steigen. Nicht nur für Öl, nicht nur für Benzin – sondern für das, woraus ein Mensch besteht: Weizen, Reis, Salz. In den Slums von Teheran kaufen sich die Armen jetzt Wasser aus Plastikkanistern, das doppelt so viel kostet wie vor dem Krieg. Die Kinder trinken es, als wäre es ein Luxusgetränk. Die Mütter weinen, aber sie sagen nichts. Was soll man sagen, wenn die Regierung einem erklärt, dass die Priorität jetzt die „nationale Sicherheit“ ist – und nicht der Magen?

Und dann ist da noch das Wasser. Nicht das, was aus den Hähnen kommt, sondern das, was unter der Erde schlummert. Die Grundwasserleiter im Iran sind seit Jahren übernutzt wie ein Kredit, den man nie zurückzahlen kann. Die Bauern pumpen es mit Diesel, den sie nicht mehr bezahlen können. Die Brunnen versiegen. Die Erde reißt auf wie ein wütender Mund. Die Regierung spricht von „technischen Lösungen“, aber die Bauern wissen: Wenn der Boden Risse bekommt, gibt es keine Technik, die ihn wieder zusammenflickt.

Die internationale Gemeinschaft? Die schaut zu. Wie immer. Als ob Hunger ein Problem wäre, das nur Iran betrifft. Als ob die Welt nicht schon einmal gesehen hätte, wie ein Land langsam erstickt – erst an den Folgen der Blockade, dann an den Folgen der Gleichgültigkeit. Die UN warnen. Die Banken warnen. Die Supermärkte warnen. Aber wer hört schon auf die Warnungen, wenn man schon zu lange gelernt hat, dass Warnungen nur der Anfang vom Ende sind?

Draußen singt eine Frau. Ihre Stimme ist dünn wie der Dunst über den Dächern. Sie singt von Liebe. Von Hoffnung. Von Dingen, die es nicht mehr gibt. Ich tippe weiter. Die Tinte der Schreibmaschine ist fast aufgebraucht. Irgendwann wird auch sie versiegen. Und dann? Dann bleibt nur noch das, was immer bleibt: die leeren Blicke derer, die zu spät verstanden haben, dass ein Krieg nicht nur Bomben und Schüsse ist. Ein Krieg ist auch der Moment, in dem man merkt, dass man nichts mehr hat – außer dem, was man nicht mehr essen kann.

✦ Ende des Artikels ✦
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