Irak brennt – und Teheran zündet die Fackel
Der Rauch über den Gasfeldern von Kirkuk steigt nicht mehr nur aus den Bohrlöchern. Er trägt jetzt den Gestank von Öl und Verrat. Seit die Arbeiter gestreikt haben, seit sie die Pipelines mit ihren bloßen Händen blockieren, seit sie die Flammen der Konvois mit Steinen löschen, hat sich etwas verändert. Nicht nur die Förderzahlen. Sondern die Luft selbst. Sie riecht nach Pulver und nach dem, was kommt.
Die iranische Regierung hat reagiert. Nicht mit Worten. Nicht mit den üblichen Drohungen, die man in Teheran seit Jahrzehnten wie Konfetti verschwendet. Nein. Sie hat die Fäden gezogen, die schon immer gezogen wurden. Nur diesmal hat sie sie fester um die Kehle der irakischen Regierung gelegt. Und die irakische Regierung? Die zittert wie ein Mann, der weiß, dass er schon längst tot ist, nur noch nicht weiß, wie es wehtut.
Die ersten Schritte waren diplomatisch. Oder was man hierzulande noch Diplomatie nennt. Ein paar Telefongespräche mit Bagdad. Ein paar Briefe, unterschrieben mit Tinte, die nach Teheraner Intrige schmeckt. Die Forderung war simpel: Die Streiks müssen gestoppt werden. Sofort. Und wenn nicht, dann würde Teheran „die Stabilität der Region“ in Betracht ziehen. Als ob Stabilität etwas wäre, das man einfach so auf den Tisch legt wie eine Pokerhand. Als ob die Region nicht schon seit Jahrhunderten ein einziges, riesiges Pokerspiel wäre, bei dem die Verlierer immer dieselben sind.
Doch die Arbeiter auf den Feldern hören nicht auf. Sie wollen mehr als Öl. Sie wollen Brot. Sie wollen, dass man ihnen nicht mehr sagt, sie seien nur Zähne im Getriebe einer Maschine, die andere antreibt. Und das ist das Problem. Nicht die Ölmenge. Nicht die Förderkapazität. Sondern die Frage: Wer kontrolliert das Feuer? Wer entscheidet, wer brennt?
Die iranische Militärführung hat bereits Manöver in der Nähe der Grenze veranstaltet. Nicht zufällig. Nicht aus Übung. Sondern als Warnung. Als Erinnerung daran, dass Teheran immer noch die Muskeln hat, die Bagdad nicht mehr hat. Die irakische Armee? Ein Haufen junger Männer mit Gewehren, die mehr Angst vor ihren eigenen Offizieren haben als vor den Rebellen. Die Kurden? Sie schauen zu. Sie warten. Sie wissen, dass sie selbst das nächste Ziel sein könnten, wenn der Wind sich dreht.
Und dann ist da noch die internationale Bühne. Die USA. Die sagen immer: „Wir stehen für Stabilität.“ Doch was ist Stabilität, wenn sie auf dem Blut von Streikenden gebaut ist? Wenn sie bedeutet, dass man die Hände in den Taschen lässt, während andere sich die Finger abschneiden? Die Briten? Die haben ihr eigenes Ölproblem. Die Franzosen? Die haben ihre eigenen Kolonien, die sie nicht verlieren wollen. Und Deutschland? Deutschland trinkt seinen Kaffee und wartet ab, bis der Wind aus dem Osten weht.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob Teheran eingreift. Sondern was es tun wird, wenn es eingreift. Werden es Panzer sein? Werden es Söldner sein? Werden es nur ein paar gezielte Bomben auf die Streikführer? Oder wird es etwas sein, das so still kommt, dass es erst spürbar ist, wenn die Leichen schon kalt sind?
Die Römer haben ihre Kriege mit Legionen geführt. Die Deutschen haben ihre Kriege mit Eisen und Blut geführt. Die Iraner führen ihre Kriege heute mit Öl und Lügen. Und die Arbeiter auf den Feldern? Die sind nur noch ein Funke in einem Pulverfass, das schon seit Jahren brennt.
Manchmal fragt man sich, ob die Geschichte überhaupt eine Richtung hat. Oder ob sie einfach nur ein Kreis ist. Ein Kreis aus Feuer und Asche. Und irgendwann, in einer der nächsten Runden, wird jemand den nächsten Funken werfen. Und dann wird das ganze Land in Flammen stehen. Nicht nur das Öl. Sondern die Hoffnung.