IRISCHER SCHATTEN ÜBER RUSSLANDS RAKETENFABRIK
Der Rauch aus der Zigarette kreist in der Luft wie ein verdammter Geier über Dublin. Draußen regnet es in Schüben, als wolle der Himmel die Rechnung für die Alumina-Lieferungen begleichen. Irgendwo in den Lagerhallen von Cork werden Container gestapelt, gefüllt mit dem weißen Pulver, das in Moskau zu Raketentreibstoff wird. Die EU hat Sanktionen verhängt, aber die Ware fließt weiter. Wie?
Die Spur führt durch irische Logistikfirmen, deren Namen auf neutralen Frachtpapieren stehen wie ein Deckmantel für etwas, das nicht auf dem Papier stehen darf. Ein Zwischenhändler in Galway, ein Büro in Limerick, ein Schiff, das in Rotterdam umlädt – und dann? Die Türkei? Die VAE? Wer weiß schon, wo die Fracht landet, bevor sie in Perm in russische Hände gerät? Jede Tonne Alumina ist ein Stein im Fundament der russischen Kriegsmaschinerie. Und irgendjemand hier in Irland verdient daran.
Die Aufsicht schläft. Oder sie schaut weg. Vielleicht, weil die Rechnungen in irischen Banken landen, in Konten mit harmlosen Namen. Vielleicht, weil die EU-Kommission die Augen vor der Realität verschließt. Vielleicht, weil niemand genau hinschaut, solange die Ware nicht direkt aus Russland kommt – und die Lieferkette so verdammt lang ist, dass sie wie ein Labyrinth wirkt.
Vor fünfzig Jahren hätten die Römer diese Art von Handel „Pax Romana“ genannt, wenn sie gewusst hätten, dass sie damit auch die Legionen finanzieren. Heute nennen wir es „Wirtschaft im Schatten“. Und irgendwo in Dublin, zwischen dem Regen und dem Klang der Schreibmaschinen in den Büros der Logistikfirmen, wird die Rechnung weiter geschrieben.
Die Frage ist nicht, ob die Alumina ankommt. Die Frage ist nur: Wer zahlt dafür?