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Katherinas Lügen und die verschwendeten Megawatt

1. April 2026 — — — Hollis

Die Bundesnetzagentur hat sie genannt: Verschwendung. 12,5 Milliarden Kilowattstunden Strom – genug, um eine Million Haushalte ein ganzes Jahr zu versorgen. Stattdessen verbrannt, verpufft, in die Luft geblasen. Und Katherina Reiche, die Chefvolkswirtin der Bundesnetzagentur, steht da mit ihrem glatten Ton und den sauberen Zahlen und sagt: „Das ist effizient. Das ist System.“

Effizient? System? Wenn man unter System versteht, dass Konzerne wie RWE oder E.ON ihre Gaskraftwerke am Laufen halten, nur weil sie sonst die Pipelines nicht füllen können – und die Politik schaut weg, weil Energie eben Sicherheit ist. Und Sicherheit kostet. Immer.

Reiche redet von Marktsignalen. Als ob die Börse ein fairer Kampf wäre. Als ob die großen Player nicht seit Jahren wissen, dass sie ihre Kraftwerke absichtlich überdimensioniert haben – nicht für die Kunden, sondern für die Dividenden. Ein Gaskraftwerk, das nur zu 30 Prozent ausgelastet wird? Das ist kein Effizienzgewinn. Das ist Betrug. Und die Agentur, die das kontrollieren soll, zählt es als Planungssicherheit.

Dabei weiß jeder, der mal in einem Kraftwerk gearbeitet hat: Wenn die Turbinen im Leerlauf drehen, dann nicht, weil die Physik es verlangt. Sondern weil jemand oben in einem Büro in Düsseldorf oder Berlin beschlossen hat, dass Liquidität wichtiger ist als Strom für die Leute. Die 12,5 Mrd. kWh? Die sind nicht verschwendet. Die sind gestohlen. Und die Diebe tragen Anzüge.

Reiche spricht von Flexibilität. Als ob Flexibilität bedeuten würde, dass man die Kraftwerke abschaltet, wenn der Wind weht. Aber nein. Flexibilität bedeutet: Man hält sie bereit, für den Fall, dass der Wind nicht weht. Und dann? Dann wird Strom verbrannt, nur weil jemand Angst vor Blackouts hat – obwohl die meisten Blackouts in Deutschland nicht an der Versorgung, sondern an der Verteilung scheitern. An veralteten Netzen. An Bürokratie. An Politikern, die lieber teure Notlösungen kaufen, als die Infrastruktur zu modernisieren.

Und dann kommt der nächste Satz von Reiche: „Wir müssen die Märkte anreizen.“ Anreizen? Mit Subventionen für die, die schon reich sind? Mit Zulagen für die, die ohnehin die Regeln schreiben? Die Märkte? Die Märkte sind ein Schlachthof. Und die Bullen, die da drin stehen, tragen die Logos von E.ON und Uniper.

Die Wahrheit ist einfacher: Die 12,5 Mrd. kWh sind kein Systemfehler. Das ist Kapitalismus. Und solange die Agentur, die das kontrollieren soll, von denselben Leuten bezahlt wird, die das Problem verursachen, wird sich nichts ändern. Reiche kann noch so oft von Effizienz reden. Die Zahlen lügen nicht. Sie zeigen: Irgendwo wird gezählt. Irgendwo wird gerechnet. Und irgendwo wird der Strom einfach weggeblasen, weil es bequemer ist, als die Wahrheit zu sagen: Wir haben zu viel. Und wir geben es den Falschen.

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