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Katholische Kirche: Erzbischof Degenhardt soll Jungen missbraucht haben

25. März 2026 — — — Prof. Kessler

Die Wissenschaftlerinnen um Prof. Dr. Nicole Priesching hatten freien Zugang zu den Akten – ein Privileg, das sie nutzten, um eine Wahrheit freizulegen, die die Kirche jahrzehntelang unter Verschluss hielt. Die Namen der Täter wurden anonymisiert, doch die Mechanismen der Vertuschung sind klar: Kinder wurden nicht geglaubt, weil sie nicht wussten, was mit ihnen geschah. Oder weil man ihnen nicht glaubte. Die Erzbischöfe Jäger und Degenhardt, in deren Amtszeit die meisten Fälle stattfanden, handelten nicht als Hüter der Moral, sondern als Wächter eines Systems, das Täter schützte und Opfer im Stich ließ. Druck auf Familien, um Anzeigen zu verhindern. Versetzungen statt Strafverfolgung. Eine Vertuschungsspirale, die bis heute nachwirkt.

Degenhardt, der 2002 verstorbene Kardinal, steht im Zentrum der Vorwürfe. Schon zuvor gab es Anschuldigungen gegen ihn – doch die Kirche wehrte sich. Im Oktober 2025 wurden neue Vorwürfe von externen Sachverständigen als „nicht plausibel“ eingestuft. Doch die Studie, die diese Vorwürfe nicht berücksichtigte, zeigt: Plausibilität war nie das Problem. Das Problem war, dass die Kirche lieber ihre eigene Integrität opferte, als die Wahrheit zu akzeptieren. Jetzt, nach der Veröffentlichung, prüft das Erzbistum die neuen Anschuldigungen – ein Geständnis der Versäumnisse, das zu spät kommt.

Während die Kirche also versucht, ihre Risse zu kitten, verliert sie gleichzeitig Mitglieder. 1,2 Millionen weniger Katholiken und Protestanten in einem Jahr. Die Zahlen sind kein Wunder, sondern eine Konsequenz. Wer einer Institution vertraut, die seine eigenen Kinder verrät, wer einer Kirche anhängt, die ihre Täter beschützt, der wird irgendwann gehen. Die Austrittszahlen sind kein Zufall – sie sind ein Urteil.

Und doch tut die Kirche so, als wäre alles im Lot. Bischof Wilmer spricht von „Brückenbauern“ und „ökumenischer Verbundenheit“, während die Zahlen zeigen, dass die Kirche längst nicht mehr die moralische Autorität besitzt, um Brücken zu bauen. Die Gottesdienstbesuche steigen leicht, die Firmungen bleiben stabil – doch das sind keine Erfolge. Das sind Überlebensstrategien. Eine Kirche, die ihre Kinder missbraucht, kann keine Kinder mehr taufen. Eine Kirche, die ihre Täter deckt, kann keine Moral predigen.

Die Frage bleibt: Wenn die Wahrheit jetzt ans Licht kommt, wird die Kirche endlich handeln? Oder wird sie weiter versuchen, die Risse mit Putz zu überdecken, während das Gebäude langsam einstürzt?

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