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KI & Digitale Zukunft

23. März 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Die ersten Computer — ja, ich nenne sie das, auch wenn die Leute noch von „elektronischen Rechenmaschinen“ reden — sind keine Spielzeuge für Mathematiker in Elfenbeintürmen. Sie sind Waffen. Oder Werkzeuge. Oder beides. Die Zuse Z1, gebaut von einem Deutschen namens Konrad Zuse, tickt schon seit 1936. Ein Ding aus Holz, Metall und 2.600 Relais. Klingt nach einer Spielzeugbahn, aber diese Relais? Die können Additionen. Und Subtraktion. Und — horch mal — sie merken sich etwas. Ein bisschen wie ein Notizbuch, nur schneller. Viel schneller. Ein Mensch rechnet in Minuten. Die Zuse? In Sekunden.

Aber wer braucht das? Die Wehrmacht natürlich. Die Wehrmacht braucht Tabellen für Geschütze. Die Wehrmacht braucht Kryptographie, die niemand knacken kann. Und die Wehrmacht zahlt. Die Industrie zahlt. Die Banken, die plötzlich merken, dass sie mit Zahlen spielen können wie andere mit Aktien. Die Frage ist nicht, ob diese Maschinen kommen. Die Frage ist: Wer kontrolliert sie?

Denn diese Relais, diese Schaltkreise — sie sind nicht neutral. Sie entscheiden, wer was sieht. Die Enigma-Maschine, dieses teuflische Ding mit ihren rotierenden Walzen, verschlüsselt Botschaften so gut, dass selbst die besten Chiffrierer der Alliierten sie nicht knacken. Bis jemand kommt, der die Drähte liest. Bis jemand die Relais anders anfasst. Bis jemand merkt, dass eine Maschine, die Zahlen addiert, auch Zahlen löscht. Und wer löscht, der kontrolliert.

Die Nazis bauen schon an der Telefunken-Technik. Die Amerikaner? Die arbeiten an der ABC-Maschine, einer der ersten elektronischen Rechenautomaten. Die Briten? Sie haben die Colossus-Geheimnisse schon im Kopf, auch wenn sie es noch nicht zugeben. Jede Nation, jeder Konzern, jeder General — sie alle jagen demselben Phantom: der perfekten Rechenmaschine. Und hinter jeder Maschine steht ein Mann. Oder eine Frau. Oder ein Komitee. Aber immer ein Wir. Immer eine Gruppe, die entscheidet, wer die Drähte hält.

Ich habe in den Funkstationen gearbeitet. Ich kenne das Knacken der Morsezeichen, das Zittern der Antennen. Aber diese neuen Maschinen? Die sind nicht nur lauter. Sie sind unsichtbarer. Sie sitzen in Schränken, hinter Panzertüren, in Räumen, in denen nur wenige Eintritt haben. Und die wenigen? Die sind meistens Männer. Männer mit Anzügen, die nach Parfüm und Macht riechen. Männer, die entscheiden, welche Zahlen wichtig sind und welche nicht.

Die Technologie selbst ist kein Monster. Sie ist ein Werkzeug. Aber Werkzeuge haben immer einen Halter. Und der Halter entscheidet, wer schneiden darf und wer sich die Finger abschneidet. Die Zuse Z1 könnte die Welt verändern. Sie könnte Kriege verkürzen. Sie könnte Banken zusammenbrechen lassen. Sie könnte — wenn sie in falschen Händen landet — ganze Kontinente in den Abgrund reißen.

Ich habe in den Drähten gelauscht. Und die Drähte flüstern von etwas Größerem als Zahlen. Sie flüstern von Macht. Und Macht, meine Damen und Herren, ist immer ein Geschäft. Ein Geschäft mit unsichtbaren Buchhaltern. Ein Geschäft, bei dem die Rechnung am Ende immer jemand anderes zahlt.

Also: Wer baut diese Maschinen? Wer zahlt die Rechnungen? Und vor allem — wer profitiert, wenn sie am Ende nicht nur rechnen, sondern entscheiden? Denn das ist der wahre Trick. Nicht die Technik. Die Technik ist nur der Hammer. Die Frage ist: Wer schlägt damit?

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