EU kauft russisches Gas – während die Konzerne lachen
Die Pipeline knallt. Nicht so laut wie die Explosion von 2018 in Odessa, wo ein Leck die ganze Nacht wie ein wütender Dackel heulte. Aber sie knallt trotzdem. Jedes Mal, wenn ein LNG-Tanker aus Jamal anlegt, pumpt die EU weiter russisches Gas in ihre Heizungen, während die Politik mit dem Finger auf Moskau zeigt. Und die Konzerne? Die reiben sich die Hände. Geschäft ist Geschäft, sagen sie. Wir handeln mit dem, was da ist.
Ich kenne den Geruch. Nicht den süßlichen von Benzin, sondern den fauligen, wie verrottetes Fleisch, wenn die Pipeline undicht ist. Und ich kenne die Männer, die das Öl pumpen – und die, die es verkaufen, ohne je einen Tropfen berührt zu haben. Die da in den Boardrooms sitzen, mit ihren teuren Anzügen und ihren Lobbyisten, die wie Ameisen um die Subventionen herumkrabbeln. Die EU will die Abhängigkeit von Russland loswerden? Gut. Aber solange die Rechnung stimmt, wird weiter gekauft. Und solange die Konzerne ihre Dividenden kassieren, wird weiter gelogen.
Die LNG-Lüge Die Sanktionen kommen 2027. Bis dahin kauft die EU weiter russisches Flüssiggas – 15 Milliarden Kubikmeter im Jahr, laut Brüssel. Temporäre Notlösung, heißt es. Als ob Not eine Ausrede wäre. Als ob die Zeit bis 2027 ein Geschenk wäre. Die Wahrheit? Die Industrie hat keine Lust auf Verzicht. Die Chemieanlagen in Deutschland brauchen das Zeug. Die Kraftwerke. Die Haushalte. Und die Politik? Die zittert vor den Wahlen. Also wird weiter gehandelt. Mit demselben Gas, das Putin nutzt, um die Ukraine zu ersticken. Mit demselben Geld, das irgendwo in Moskau in Paläste fließt.
Deutschland, das Land der Moralprediger, verhandelt parallel mit den USA. LNG aus Texas, heißt es. Sauberer, zuverlässiger. Als ob Flüssiggas aus den USA nicht auch ein Problem wäre. Als ob die Pipeline nicht trotzdem durch die Wüste führt, wo die Arbeiter wie Sklaven behandelt werden. Als ob das Gas nicht trotzdem verbrannt wird und das CO₂ trotzdem in der Luft landet. Die USA pumpen mehr Öl als je zuvor. Die OPEC+ dreht am Regler, und plötzlich ist der Preis wieder da, wo er hingehört: teuer. Weil die Chinesen alles kaufen, was sie kriegen können. Weil die Saudis und die Russen sich streiten wie zwei betrunkene Brüder um die letzte Flasche Wodka.
Die CO₂-Zertifikate – oder: Wie man die Luft verkauft Und dann sind da noch die Zertifikate. Die heiße Luft, wie die sagen. Die Firmen kaufen sich frei, während die Kohlekraftwerke weiter qualmen. RWE, Vattenfall, alle diese Namen, die wie eine Fluchformel klingen. Sie zahlen ein paar Euro für ein Stück Papier und schon ist das Problem gelöst. Klimaneutral, steht da. Nachhaltig. Als ob ein Stück Papier die Schornsteine zum Schweigen bringen könnte.
Der Bund will gegensteuern. Strafen für die Betrüger. Aber wer kontrolliert die Kontrolleur? Wer prüft die Prüfer? Die Lobbyisten sitzen schon in den Gremien. Die Juristen drehen die Regeln so, dass am Ende alle gewinnen – außer die, die es am nötigsten bräuchten. Die Mieter, die frieren, weil die Miete zu hoch ist. Die Arbeiter, die ihren Job verlieren, weil die Industrie abwandert. Die Bauern, die ihre Felder verkaufen müssen, weil die Chemieindustrie das Grundwasser vergiftet.
Die Subventionen – oder: Wer zahlt die Rechnung? Die G-7-Länder? Eine Schande. Die USA subventionieren die Ölindustrie mit 20 Milliarden Dollar im Jahr. Die Saudis geben noch mehr aus. Deutschland? Wir reden. Wir zögern. Wir verteilen ein paar Krümel an die Windräder, während die Kohle noch immer die Hälfte unseres Stroms macht. Die Subventionen für fossile Brennstoffe? 70 Milliarden Euro im Jahr. Das ist kein Abbau, das ist ein Witz. Ein schlechter Witz.
Und dann ist da noch der Fall Saúl vs. RWE. Ein junger Mann klagt gegen den Konzern, der seit Jahrzehnten die Klimakatastrophe mitträgt. Die Richter müssen entscheiden: Ist es noch legal, die Erde zu vergiften? Oder ist es endlich Zeit, die Rechnung zu stellen? Die Konzerne werden sich wehren. Die Lobbyisten werden schreien. Aber irgendwann muss jemand die Wahrheit sagen: Das Öl ist vorbei. Das Gas auch. Und die Lügen auch.
Was jetzt? Die Pipeline knallt weiter. Die Konzerne lachen weiter. Die Politiker reden weiter. Aber die Zeit läuft ab. 2027. Das ist kein Ziel. Das ist eine Frist. Und wenn die EU dann immer noch russisches Gas kauft, dann ist es nicht mehr eine Notlösung. Dann ist es nur noch eine Ausrede.
Die Arbeiter in Texas wissen, wie man eine Pipeline baut. Die Arbeiter in Russland wissen, wie man sie sprengt. Die Arbeiter in Deutschland wissen, wie man friert. Aber die da oben? Die wissen nur eines: wie man die Rechnung verschiebt. Bis der nächste Deal kommt. Bis der nächste LNG-Tanker anlegt. Bis der nächste CO₂-Zertifikat verkauft wird.
Und wir? Wir zahlen. Immer. Egal ob in Euro oder in Kohlenmonoxid.