← Zurück zur Titelseite Politik

Labour opfert die Hennen für den Handelsvertrag

21. April 2026 — — — Prof. Kessler

Die Geschichte der zivilisierten Welt ist voller Kompromisse, die auf dem Rücken derer geschlossen werden, die am wenigsten dazu befugt sind, sie zu verhandeln: die Tiere. Und die Arbeiter. Die britische Labour-Partei hat kürzlich bewiesen, dass sie beide gleichermaßen opfern kann – nicht aus Überzeugung, sondern aus strategischer Kalkulation. Während die EU mit ihrem Handelsabkommen droht, die britische Wirtschaft zu ersticken, wenn London nicht nachgibt, hat die Regierung unter Rishi Sunak und nun Labour bereitwillig zwei ihrer eigenen roten Linien über Bord geworfen: den Importstopp für Foie Gras und Pelze. Doch wer wirklich leidet, sind nicht die Lobbyisten der Fleischindustrie oder die Pelzhändler – sondern die Arbeiter, deren Löhne und Arbeitsbedingungen in der Nahrungsmittelproduktion und im Einzelhandel ohnehin schon an der Grenze zum Ausbeutungsschwellenwert balancieren.

Der Deal ist simpel: Die EU verlangt Zugeständnisse, und Labour liefert sie. Die Partei, die sich im Wahlkampf noch als Beschützerin der Tiere inszenierte – mit Steve Reed, dem Schattenumweltsekretär, der Foie Gras als „aggressives Force-Feeding-Verbrechen“ brandmarkte –, hat nun beschlossen, dass die Wirtschaft wichtiger ist als die Ethik. Die 97 Prozent der Bürger, die in der Umfrage zur Pelzindustrie eine Importverbots klare Mehrheit forderten, zählen weniger als die 0,1 Prozent der Wähler, die in der Agrarlobby sitzen. Und die Hennen, die in Frankreich mit Gummifunzeln in den Schnabel gefüllt werden, bis ihre Lebern platzen, sind ohnehin nur ein lästiges Detail in der großen Rechnung.

Dass die Regierung nun statt eines Verbots nur einen „Runden Tisch“ zur „Erkundung“ der Pelzindustrie einberufen hat, ist kein Zufall. Es ist eine Taktik. Ein Ablenkungsmanöver. Die Industrie darf weiter machen wie bisher – nur mit etwas PR-Glanz. Die RSPCA, die eigentlich für Tierwohl eintritt, begrüßt zwar die „Erkundung“, aber wer wirklich erkundet werden muss, sind die Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen, wo die Arbeiter, die diese Produkte verarbeiten, oft unter prekären Bedingungen arbeiten. Die EU hat zwar Standards für Tierhaltung vorgegeben, aber wer kontrolliert, ob diese auch in den Betrieben eingehalten werden? Und wer zahlt die Inspektoren, die das prüfen? Die Antwort liegt auf der Hand: Niemand. Die Arbeiter in den Fleischfabriken, die oft aus Osteuropa oder anderen prekären Sektoren stammen, verdienen kaum genug, um über die Runden zu kommen. Und jetzt, wo der Handel mit Foie Gras und Pelzen weiterläuft, wird die Nachfrage nach billiger Arbeitskraft nur noch steigen.

Doch das ist noch nicht alles. Die Regierung argumentiert, dass „Präzisionszüchtung“ – also Gentechnik in der Landwirtschaft – wichtiger sei als ein Foie Gras-Verbot. Ein klassischer Fall von „Wir opfern die Hennen für die Zukunft“. Die Industrie verspricht, dass Gentechnik die Landwirtschaft revolutionieren wird – doch wer hat schon mal eine Revolution gesehen, die nicht in einer neuen Form der Ausbeutung endete? Die Bauern, die heute noch mit ihren Hennen leben, werden morgen vielleicht vor Fabriken stehen, in denen sie für noch weniger Lohn die neuen „optimierten“ Tiere versorgen. Und die Arbeiter, die heute schon in den Schlachthöfen stehen, werden morgen vielleicht vor den Toren von Laboren für künstliche Fleischproduktion warten – mit noch schlechteren Löhnen und noch unsichereren Arbeitsverhältnissen.

Die Labour-Partei hat also nicht nur die Tiere verraten. Sie hat auch die Arbeiter verraten. Denn während die Politiker über Foie Gras und Pelze diskutieren, wird die Realität der Arbeiter in der Nahrungsmittelindustrie ignoriert. Die Frage ist nicht, ob die Tiere leiden – das tun sie ohnehin. Die Frage ist: Wer profitiert wirklich von diesem Deal? Und wer zahlt den Preis?

Und während wir darüber reden, wer die Hennen füttert, vergessen wir, dass die Arbeiter, die das Fleisch verpacken, oft selbst kaum genug zum Leben haben. Die Frage bleibt: Wann wird die Politik endlich verstehen, dass ein Kompromiss, der die Arbeiter und die Tiere gleichgültig lässt, kein Kompromiss ist – sondern ein Verrat?

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite