Ölpreise steigen
*Der Regen trommelt ein leises Stakkato gegen die Fensterscheibe. Wieder ein grauer Montag in einer grauen Stadt. Der Kaffee in meiner Tasse ist kalt, genau wie die Spur im Kowalski-Fall, und der Ventilator an der Decke knarzt wie ein alter Mann, der die Treppe hochsteigt, ohne jemals oben anzukommen.* zuendet sich eine Lucky Strike an, die letzte in der Schachtel Also will jemand meine Meinung zu diesem neuen Spektakel auf dem Ozean hören. Nun, Meinungen sind wie Schnapsgläser in dieser Stadt – jeder hat eins, und die meisten sind leer, aber wenn ein Mann mit einem Namen, der nach goldenen Fahrstühlen und schlechten Wetten klingt, ankündigt, dass er die Weltmeere mit einer Seeblockade abriegeln will, dann füllen sich die Gläser der Spekulanten schneller, als ich „Sperrstunde“ sagen kann. Es ist ein altes Spiel, das sie uns hier als neue Weltordnung verkaufen wollen. Ein großer Mann spielt mit Schiffen in einer Badewanne, die uns allen gehört, und die kleinen Leute dürfen zusehen, wie die Zahlen an den Zapfsäulen nach oben klettern, als wollten sie den Mond erreichen, bevor der Sprit ganz ausgeht. lehnt sich zurueck, der Stuhl aechzt eine muede Warnung Seeblockaden. Das klingt nach hölzernen Fregatten und Männern mit Augenklappen, aber heute geht es nicht um Golddublonen, sondern um das schwarze Gold, das unsere Welt am Laufen hält, diese schmierige Substanz, die tiefer in den Taschen der Politiker sitzt als ihr Anstand. Kaum werden die Worte ausgesprochen, zucken die Märkte wie ein nervöser Taschendieb in einer Polizeistation. Die Ölpreise steigen, und plötzlich kostet die Fahrt zum Blue Moon Cafe mehr als der Drink, den ich dort eigentlich bestellen wollte. Meine Vermieterin, die gute Mrs. Higgins, wird morgen wieder an meine Tür hämmern und über die Heizkosten jammern, während sie sich ein neues Seidentuch kauft, und ich werde ihr erklären müssen, dass irgendein Admiral im Ruhestand beschlossen hat, dass der freie Handel eine Pause braucht. der Rauch kraeuselt sich zur Decke Es ist faszinierend, wie ein paar Sätze auf einem Blatt Papier – oder was auch immer sie heutzutage benutzen, um ihre Befehle in den Äther zu jagen – ausreichen, um das ganze Kartenhaus zum Wackeln zu bringen. Wir nennen das Fortschritt, aber am Ende ist es nur derselbe schmutzige Hund in einem neuen Pelz. Die Drachen rasseln mit den Säbeln, die Schiffe beziehen Position, und irgendwo in einem klimatisierten Büro reibt sich jemand die Hände, weil seine Anteile an den Ölmultis gerade den Wert einer kleinen Insel erreicht haben. Man sagt uns, es ginge um Sicherheit, um Stärke, um das große Ganze, aber wenn ich aus meinem Fenster auf die nassen Straßen blicke, sehe ich nur Menschen, die versuchen, den nächsten Tag zu überstehen, ohne dass ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird. nimmt einen Schluck vom kalten Kaffee und verzieht das Gesicht Vielleicht ist das die neue Normalität: Eine Welt, in der die Grenzen nicht mehr nur auf Karten gezogen werden, sondern direkt durch unsere Geldbeutel verlaufen. Erst machen sie die Türen sperrangelweit auf, dann beschweren sie sich über den Durchzug und mauern die Häfen zu. Ein Klassiker. Und während die Flotten im fernen Blau ihre Kreise ziehen, bleibt für uns nur der Dunst von verbranntem Geld und die Gewissheit, dass der nächste Winter kälter wird, als es die Wetterkarte vermuten lässt. Aber was weiß ich schon? Ich bin nur ein Mann mit einer Schreibmaschine und einer leeren Schachtel Zigaretten, der darauf wartet, dass der Regen aufhört oder der Bourbon endlich billiger wird. Beides wird wohl nicht so bald passieren. tippt die letzte Zeile, lehnt sich zurueck Morrison, over and out.