MACRONS TANZ MIT DEM DRAGON UND DEM WOLF
Die Sonne brennt auf die Dächer von Seoul wie ein Richterhammer auf ein Geständnis. Emmanuel Macron steht da, der Mann mit den schönen Worten, und lächelt in die Kameras, während irgendwo in Pjöngjang die Lichter ausgehen. Nicht wegen eines Bombenangriffs – nein, das wäre zu einfach. Nein, die Nordkoreaner haben ihr Netzwerk abgeschaltet, als wäre es ein kaputter Toaster in einer Herberge der Geschichte. Ein Analyst, den man Analyst nennen muss, weil er sonst niemand ist, flüstert ins Mikrofon, dass das kein Zufall sei. Und Morrison? Morrison sagt: Interessant.
Denn während die Techniker in Pyongyang die Kabel reparieren – oder sie absichtlich zerreißen –, tanzt Macron in Tokio und Seoul mit den großen Mächten. Er redet von Vorhersehbarkeit. Von stabilen Partnerschaften. Von gemeinsamen Werten. Die Worte klingen wie ein Scheck, den man auf den Tisch legt und dann doch nicht einlöst. Die Römer nannten das Veritas. Die Deutschen nannten es im letzten Krieg Bluff. Was nennen wir das heute?
Macron ist nicht der erste, der in Asien steht und schwört, er wolle die Welt retten. Die Amerikaner taten es vor ihm. Die Briten auch. Die Franzosen? Nun, die haben wenigstens den Charme, als würden sie es ernst meinen – bis sie nicht mehr können. Und jetzt? Jetzt steht er da, zwischen den scharfen Klingen der Diplomatie, und spricht von Dialog. Von Vertrauen. Von Geschäftsgelegenheiten. Doch während er das sagt, passiert etwas Seltsames.
In Südkorea wird über unsichtbare Grenzen geredet. Nicht die alten, harten Linien, die einst Korea teilten. Nein, es sind die neuen: die digitalen. Die Nordkoreaner haben ihr Internet abgeschaltet, und niemand weiß genau warum. Ist es ein Warnschuss? Ein Test? Oder einfach nur ein technischer Defekt in einem Land, das seit Jahrzehnten wie ein Uhrwerk tickt – bis eines Tages die Federn brechen? Die Agenturen schreiben davon, als wäre es ein normales Ereignis. Als wäre es nicht das erste Mal, dass Nordkorea seine eigenen Bürger im Dunkeln lässt, während die Welt draußen leuchtet wie ein überladener Weihnachtsbaum.
Und dann ist da noch Japan. Die Japaner sind keine Idioten. Sie wissen, dass Macron mit leeren Händen kommt. Sie wissen, dass Europa seit dem letzten großen Knall – dem, den wir Erster Weltkrieg nannten – kaum mehr als ein Schatten seiner selbst ist. Die Amerikaner halten die Fäden. Die Russen spielen ihr eigenes Spiel. Und die Chinesen? Die Chinesen warten. Sie warten, bis der Westen sich selbst aufreibt, wie ein Mann, der zu lange auf einem Stuhl sitzt und nicht merkt, dass die Federn nachgeben.
Macron redet von strategischer Autonomie. Ein schöner Begriff. Klingt wie ein Auto, das sich selbst fährt. Doch in Wahrheit ist es nur ein Wort für Wir können es nicht, also tun wir so, als könnten wir. Die Japaner lächeln. Die Südkoreaner starren auf ihre Handys, die plötzlich nicht mehr funktionieren. Und irgendwo in Pjöngjang – hinter den roten Laternen und den Wachtürmen – lacht jemand. Nicht laut. Nur ein kleines, trockenes Kichern. Denn sie wissen: Die großen Redner kommen und gehen. Die kleinen Männer bleiben.
Die Frage ist nicht, ob Macron scheitern wird. Die Frage ist, ob Europa überhaupt noch weiß, warum es überhaupt reden sollte. Die Römer bauten Aquädukte. Die Deutschen bauten Eisenbahnen. Die Franzosen? Die Franzosen bauten Worte. Und jetzt? Jetzt bauen sie Luftballons, die irgendwann platzen werden. Und dann? Dann bleibt nur der Rauch. Und der Geruch von verbranntem Papier.
Macron wird nach Hause fliegen. Die Lichter in Nordkorea werden wieder angehen. Die Agenturen werden weiter schreiben. Und irgendwo, in einem Café in Tokio, wird ein Mann sitzen und einen Bourbon trinken. Er wird nicht über Diplomatie reden. Er wird über die Dinge reden, die man nicht reparieren kann. Über die Dinge, die man nur akzeptieren muss.
Und das ist das Einzige, was wirklich zählt.