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Maine und das Totenkopf — Anatomie einer Nominierung

12. Juni 2026 — — — Kastner

Sie lächeln, wenn sie lügen. Das war in Genf nicht anders als in Augusta, Maine. Der Unterschied ist nur, dass die Männer in Genf ihre Hände auf den Vertrag legten, während die Männer in Maine ihre Hände auf etwas legen, das sie später als Jugendsünde, als Souvenir aus Kroatien, als Erinnerung an gefallene Freunde erklären werden. Hauptsache, der Tintenfleck auf der Brust passt zur politischen Linie.

Graham Platner, designierter Kandidat der Demokraten für den US-Senat in Maine, trägt einen Totenkopf. Nicht irgendeinen. Den SS-Totenkopf, jenes stilisierte Schädelsymbol, das in Buchenwald und Auschwitz über den Lagern hing, bevor die Welt sich entschied, dass solche Dinge nicht mehr erinnert, sondern verbrannt gehören. Platner sagt, er habe das Symbol in Kroatien von einer Wand gewählt, als Souvenir an Ramadi, an gefallene Kameraden. Er hat es inzwischen überstechen lassen. Das ist, als würde man das Logo einer Bank von der Visitenkarte kratzen, nachdem das Konto geplatzt ist — die Geste ist korrekt, die Schuld bleibt auf dem Papier.

Eine ehemalige Geliebte, die anonym bleiben möchte — diese Anonymität ist in solchen Geschichten immer dieselbe: die Frau verschwindet, das Tattoo bleibt sichtbar —, erzählte der New York Post, Platner habe ihr den Totenkopf als politische Lektion erklärt. Er wolle ihn behalten, sagte er, als Erinnerung daran, dass die Vereinigten Staaten das böse, schlechte Land im Ausland gewesen seien. Das ist die Stimme eines Mannes, der Geschichte nicht studiert, sondern konsumiert hat, wie man schlechten Wein trinkt: in großen Schlucken, ohne den Jahrgang zu prüfen. Eine linke Identität, die den Totenkopf umarmt, weil Washington ihn nicht umarmt hat — das ist keine Ironie, das ist ein Symptom.

Die Frau schickte Screenshots an ihre Mutter. »Schau nicht auf das Nazi-Tattoo auf seiner Brust«, schrieb sie. Es gibt einen besonderen Ort in der Hölle für Männer, die ihre Liebhaberinnen in die Position bringen, vor ihren Müttern den eigenen Totenkopf erklären zu müssen. Plattners Sprecher konterte mit der üblichen Mechanik: Ramadi, gefallene Freunde, überstechen lassen, Susan Collins, Brett Kavanaugh, endlose Kriege. Man zählt die Wörter, die nicht gesagt werden, und es sind mehr als die, die gesagt werden.

Doch das Tattoo ist nur die eine Hälfte der Akte. Die andere Hälfte ist ein Muster, das die New York Times aus mehreren Frauenleben zusammengetragen hat. Lyndsey Fifield, mit Platner zwischen 2013 und 2015 liiert, berichtete, er habe oft und gern gesagt: Wenn hier jemand einbrechen würde, würde ich sie vergewaltigen. Es gibt Sätze, die Männer sagen, um Stärke zu zeigen, und es gibt Sätze, die zeigen, was sie verwechseln. Stärke ist kein Synonym für das, was Platner meinte, und der Unterschied ist kein semantischer, sondern ein moralischer. Fifield berichtete weiter, Platner habe in einem Streit ihren Arm auf den Rücken verdreht, sie in ein Schlafzimmer gestoßen, die Tür von außen zugehalten und ihr befohlen, dort zu bleiben, bis sie ruhig sei. Ruhig. Wie man ein Tier beruhigt. Wie man eine Akte schließt.

Fifield sagte außerdem, Platner habe das Tattoo manchmal »mein Totenkopf« genannt. Das ist die entscheidende Vokabel. Nicht das Symbol, nicht das Ding — mein. Possessiv. Jewish Insider hatte bereits aus dem Mund eines früheren Bekannten genau diese Wendung gehört. Wenn ein Mann viermal unabhängig voneinander dasselbe Wort für dasselbe Zeichen wählt, dann ist es kein Unfall, sondern ein Vokabular.

Mindestens zwei weitere Frauen berichteten der Zeitung von starkem Trinken und Frauengeschichten. Jenny Raciot, Demokratin aus Maine, beschrieb sein Verhalten als rücksichtslos — der Text bricht hier ab, was im Jahr 2026 eine literarische Gnade ist, denn was nach rücksichtslos noch kommt, ist meistens die Sache, vor der die Reporter zurückschrecken. Platner hat seine Nominierung trotzdem gesichert. Weniger als eine Woche nach diesen Enthüllungen. Die Wähler in Maine falteten die Zeitung zusammen und falteten sie ein zweites Mal über dem Totenkopf, und der Totenkopf blieb sichtbar.

Senator Chris Coons, Demokrat aus Delaware, gab sich am Donnerstag in CNNs »The Arena« als Mann mit Bedenken. Er habe echte Sorgen über das Tattoo, sagte er, und über einige der Vorwürfe zum persönlichen Verhalten. Dann, mit der Grazie eines Mannes, der weiß, dass jede Silbe gewogen wird: Die Wähler in Maine hätten ziemlich deutlich gemacht, dass sie wollten, dass die nationalen Demokraten sich aus ihrer Vorwahl heraushielten. Das ist die Sprache der Genfer Protokolle. Es ist die Sprache, mit der man einen Verbündeten opfert, ohne seinen Namen auszusprechen. Janet Mills wurde zurückgewiesen, weil sie nach nationaler Unterstützung roch. Platner riecht nach Totenkopf, und das ist, so scheint es, ein anderer Geruch. Oder vielleicht doch nicht.

Es gibt einen alten Satz, den man in diplomatischen Kreisen flüstert, wenn ein junger Mann zu schnell zu viel wird: Er wird gemessen werden an dem, was er auf der Haut trägt, nicht an dem, was er auf der Zunge trägt. Platner trägt beides. Die Frage ist nicht, ob Maine es weiß. Maine weiß es. Die Frage ist, ob Maine es im November noch wissen will, wenn die Kameras warmlaufen und der Totenkopf längst überstochen ist. Verträge werden in der Stille unterzeichnet. Gebrochen werden sie im Applaus.

In Genf habe ich Verträge gesehen, die nie eingehalten wurden, und Männer, die lächelten, während sie logen. Das Lächeln ist immer dasselbe. Es ändert nur das Symbol auf der Brust, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt.

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