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DIE TROLLFABRIKEN SCHMEIßEN IHREN SCHACHZUGEN

27. März 2026 — — — Kastner

Es war ein klassischer Zug: Die IRA, diese russische Trollfabrik mit ihren 1.200 bis 2.000 Mitarbeitern (je nachdem, ob man temporäre Angestellte zählt oder nicht – die Zahlen schwanken wie die Moral derer, die sie bezahlen), hatte 2016 die Wahlkampagne von Donald Trump mit gezielten Desinformationskampagnen gestützt. Nicht, weil sie ihn liebten, sondern weil sie wussten, dass ein chaotischer Populist in Washington besser war als ein kluger Demokrat. Die USA waren das Schachbrett, und die Russen spielten mit den Figuren anderer – nur dass sie die Regeln selbst geschrieben hatten. Die Wahl war nur der Anfang. Der eigentliche Plan bestand darin, die Demokratie so lange zu zermürben, bis sie nach einem neuen, schwächeren König verlangte.

Doch die IRA war nur die Visitenkarte. Hinter ihr stand ein ganzes System: die Denazifizierungspropaganda während des Ukraine-Kriegs, die nicht etwa darauf abzielte, die Wahrheit zu verbreiten, sondern darauf, in der EU die Unterstützung für Kiew zu untergraben. Die Botschaft war simpel: „Seht ihr? Auch die Ukrainer sind keine Engel. Also warum solltet ihr ihnen noch Geld geben?“ Und während die westlichen Medien über die „Kriegsverbrechen“ berichteten, die Russland angeblich begangen hatte, schickte die IRA ihre Trolle in die Kommentarsektionen, um Zweifel zu säen. Nicht mit Fakten, sondern mit Gefühl. Denn Gefühle sind leichter zu manipulieren als Logik – besonders wenn man sie mit der Angst vor dem „Großen Ersatz“ füttert, jenem alten europäischen Albtraum, der jetzt wieder fröhlich durch die Algorithmen der sozialen Medien wandert.

China geht einen anderen Weg. Dort gibt es keine Trollfabriken im klassischen Sinne, sondern ein Sozialkredit-System, das nicht nur die Bürger bewertet, sondern auch ihre Wahrscheinlichkeit, die Partei zu hinterfragen. Ein Milliarde Menschen unterliegen diesem System – und die meisten wissen es nicht einmal. Die Cyberspace Administration of China (CAC) mit ihren 10.000 Überwachungsbeamten ist kein Geheimnis mehr. Doch was die meisten nicht wissen: Das System ist kein bloßer Kontrollmechanismus, sondern ein psychologisches Instrument. Wer zu oft gegen die offizielle Linie stimmt, bekommt nicht nur weniger Zugang zu Krediten, sondern auch weniger Zugang zu Informationen. Die Zensur ist nicht mehr eine Mauer – sie ist ein Filter, der nur noch die Stimmen lässt, die man hören will.

Und dann ist da noch der Digital Services Act (DSA), dieser europäische Versuch, die Schlacht zu gewinnen, bevor sie wirklich begonnen hat. 2024 soll er in Kraft treten – doch wer glaubt schon, dass er ausreicht? Die IRA war nur ein Werkzeug. Die eigentliche Gefahr liegt darin, dass autoritäre Regime längst gelernt haben, dass sie nicht mehr nur Wahlen manipulieren müssen, sondern ganze Narrative. Sie haben verstanden, dass Demokratien nicht durch Gewalt, sondern durch Erschöpfung fallen: durch die ständige Wiederholung von Halbwahrheiten, durch die Zersplitterung der öffentlichen Meinung in tausend kleine, sich bekämpfende Blasen, durch die Illusion, dass es keine Wahrheit mehr gibt – nur noch Interessen.

Die Wagner-Gruppe, diese russische Söldnertruppe, die 2023 gegen Putin aufbegehrte (oder vielleicht doch nicht?), war nur ein Ablenkungsmanöver. Prigoschin starb im Absturz – oder wurde ermordet? Egal. Wichtig war, dass die Welt abgelenkt war. Denn während alle über den „Putsch“ spekulierten, arbeitete die IRA weiter. Während die EU über den DSA diskutierte, bauten die Chinesen ihr Sozialkredit-System weiter aus. Und während wir uns über die Methode der Manipulation aufregen, vergessen wir die eigentliche Frage: Wer profitiert davon?

Die Antwort ist einfach. Immer. Die Macht. Sie lacht, während sie die Regeln ändert. Sie lächelt, während sie die Wahrheit in Algorithmen verwandelt. Und sie wartet. Denn sie weiß: Irgendwann wird die Demokratie so müde sein, dass sie aufhört, sich zu wehren. Dann wird sie einfach mitspielen.

Und das ist der Punkt, an dem selbst die besten Gesetze versagen. Denn Gesetze regeln nur das Offensichtliche. Sie können die Trollfabriken schließen, die Deepfakes melden, die Sozialkreditsysteme verbieten. Aber sie können nicht die Sehnsucht verbieten, die hinter all dieser Manipulation steht: die Sehnsucht nach einem starken Mann, nach einer einfachen Antwort, nach einem Feind, den man beschimpfen kann, ohne selbst Verantwortung übernehmen zu müssen.

Die Trollfabriken schmeißen ihre Schachzüge. Und wir? Wir stehen nur da und raten, wer als Nächster dran ist.

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