DAS FLEISCH IST KEIN FRIEDEN – WIE DIE MEDIZIN UNS ZUM KANNENHÜHNER MACHT
Der Arzt sagt: Fett ist der Feind. Die Werbung sagt: Iss mehr, es macht glücklich. Und die Leute? Die stehen da wie die Römer vor dem Kolosseum – nur dass statt Löwen heute die Cholesterinwerte brüllen.
Es war nicht immer so. Vor zehn Jahren noch predigte man: Milch macht müde Kinder munter. Heute flüstern die Ärzte von LDL, HDL, Triglyceriden wie eine Hexe über verbotenen Wein. Die eine Hand gibt die Empfehlungen, die andere zählt das Geld der Pharmakonzerne. Und die Lebensmittelindustrie? Die hat längst gelernt, wie man aus gesund ein Geschäft macht. Fettfrei! steht auf den Verpackungen. Ohne Cholesterin! – als wäre das nicht einfach nur ein neuer Name für dasselbe alte Problem.
Die Wissenschaft wackelt hin und her wie ein betrunkener Professor nach dem dritten Glas. Mal heißt es, Eier sind der Teufel. Mal, sie seien wieder erlaubt. Mal soll man Butter meiden wie die Pest. Mal, sie sei gesünder als Margarine – diese weiße Seifenmasse, die nach Chemikalien schmeckt und die Adern verstopft wie ein verrosteter Wasserhahn. Die Experten streiten sich wie die Philosophen der Antike über die richtige Ernährung. Was ist gut? fragt der eine. Was verkaufbar? antwortet der andere.
Und die Leute? Die stehen da und essen. Weil Hunger kein Gedächtnis hat. Weil der Magen keine Studien liest. Weil der Körper nicht zwischen gesunder Fettquelle und verarbeitetem Mist unterscheiden kann. Die einen kaufen die teuren, fettarmen Wurstaufstriche, die nach nichts schmecken und nach allem krank machen. Die anderen greifen zum klassischen Schinken, weil er wenigstens etwas hat – Geschmack, Tradition, die Erinnerung an Großvater, der noch rauchte und lachte.
Die Apotheken sind voll mit Tabletten. Statin hier, Statin da. Die Pillen sollen das retten, was die falsche Ernährung zerstört hat. Die Ärzte rattern ihre Warnungen herunter wie ein Uhrwerk. Mehr Gemüse! Weniger Fleisch! Doch wer hat schon Zeit, sich durch Salat zu beißen, wenn draußen die Fabriken qualmen und die Fabriken Fleischersatz produzieren, der nach nichts schmeckt und nach allem krank macht?
Es ist ein Zirkus. Ein großer, fettiger Zirkus. Die einen bellen: Ihr müsst euch ändern! Die anderen verkaufen euch die Mittel, um es euch bequem zu machen. Und die Massen? Die sitzen da, essen, werden krank – und fragen sich, warum die Welt so kompliziert ist.
Vielleicht liegt es daran, dass wir vergessen haben, was Essen wirklich bedeutet. Nicht die Kalorien, nicht die Werte, nicht die Studien. Sondern das Feuer. Das Brot, das warm wird. Das Fleisch, das schmeckt. Die Suppe, die tröstet. Die Medizin hat uns die Sprache verlernt. Und bis wir sie wiederfinden, werden wir weiter essen – und weiter krank werden.
Am Ende bleibt nur eine Frage: Wer hat eigentlich Hunger – wir oder die, die uns das Fressen verkaufen?