MELONI IN DER ÖLWÜSTE: EUROPA KNIET VOR DEM GOLF
Die Sonne brennt auf Jeddah wie ein Vorzeichen. Die Luft riecht nach Salz, Benzin und dem Schweiß derer, die wissen, dass hier nicht nur Öl fließt, sondern auch Blut – altes und neues. Giorgia Meloni steht in diesem Rauch aus Diplomatie und Ölgeschäften, während irgendwo in Teheran die Raketen fliegen und die Saudis ihre Wüstenpanzer aufziehen wie im alten Film, nur mit moderneren Waffen. Sie ist die erste EU-Spitze seit dem großen Gemetzel mit Iran, und das ist kein Zufall. Es ist ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass Europa längst begriffen hat: Ohne den Golf geht gar nichts.
Die Italienerin hat es klug angepackt. Keine großen Reden über Demokratie oder Menschenrechte – die kommen später, wenn die Verträge unterschrieben sind. Stattdessen spricht sie von „nationaler Sicherheit“. Als ob Europa nicht schon seit Jahrzehnten ein Spielball der Mächte wäre, die hier die Fäden ziehen. Die Saudis lächeln, die Emiratis nicken, und die Qataresen halten sich raus wie immer, weil sie wissen: Wer zu laut wird, verliert. Meloni aber weiß auch, dass sie nicht allein kommt. Hinter ihr steht die NATO, die USA, die heimlich atmen, weil sie wissen, dass Europa langsam begriffen hat: Ohne Öl aus dem Golf gibt es kein Benzin für die Panzer, keine Treibstoff für die Flugzeuge, keine Elektronik für die Waffen. Und ohne Waffen gibt es keine Sicherheit. Ein einfacher Kreislauf. Ein Teufelskreis.
Doch hier liegt der Haken. Die Saudis haben ihre eigenen Pläne. Sie wollen nicht nur Öl verkaufen – sie wollen Macht. Und diese Macht bedeutet, dass sie sich nicht mehr nur an die USA binden müssen. Meloni tut so, als wäre dies eine Freundschaftsreise, aber in Wahrheit geht es um Abnutzung. Die Italienerin will sicherstellen, dass Europa nicht zu sehr in die Abhängigkeit von Washington gerät. Klug. Aber die Saudis? Die spielen ein anderes Spiel. Sie wissen, dass Iran im Hintergrund brummt wie ein wütender Bär, der sich nicht mehr zurückhalten kann. Und sie wissen auch, dass die USA irgendwann müde werden. Wie immer. Wie nach dem letzten Krieg. Wie nach dem letzten Ölschock. Die Saudis haben gelernt: Wer heute nicht handelt, wird morgen bestraft.
Und dann ist da noch die Frage, die niemand laut aussprechen darf: Was passiert, wenn die Raketen aus Teheran die Ölfelder treffen? Wenn die Pipelines platzen und das schwarze Gold in der Wüste versickert wie Tränen in der Sonne? Die Saudis haben ihre Geheimdienste, die USA ihre Drohnen, und Europa? Europa hat nur noch die Hoffnung, dass es nicht so schlimm kommt wie 1973. Als die Araber die Öllieferungen stoppten und die Welt in die Knie zwangen. Damals war es ein Schock. Heute wäre es eine Katastrophe.
Meloni redet von „stabilen Beziehungen“. Die Saudis reden von „gemeinsamen Interessen“. Aber hinter den Kulissen wird gelogen, verhandelt, gedroht. Die Italienerin weiß das. Die Saudis wissen das. Und die Iraner? Die lachen vielleicht schon. Sie wissen, dass die Welt hier hängt wie ein nasser Sack – und dass irgendjemand ihn bald auspressen wird.
Europa steht am Abgrund. Nicht aus Neugier. Nicht aus Schwäche. Sondern weil es keine andere Wahl hat. Die Frage ist nur: Wie lange kann man ein Land betrügen, das so reich ist wie der Golf – und so arm an echten Freunden?