MELONI IN DER ÖLWÜSTE – EUROPAS STURMGEFÜHL IM GULF
Die Sonne brennt auf Jeddah wie ein Vorhang aus Messing, während die Luft nach verbranntem Kaffee und Benzin riecht. Da steht sie, die Premierin, mit ihrem scharfen Blick für die Dinge, die niemand laut sagt. Giorgia Meloni, die erste EU-Spitze seit dem großen Krach mit Teheran, die sich in die Wüste des Golfs wagt. Nicht als Touristin. Nicht als Gast. Als Verhandlerin in einem Spiel, bei dem die Regeln schon längst von anderen geschrieben wurden.
Es ist kein Zufall, dass sie kommt. Die Römer wussten schon: Wer Öl kontrolliert, kontrolliert die Welt. Heute heißt das Öl nicht mehr nur Schwarzgold, sondern auch Druckknöpfe, die man in Brüssel und Riyadh drückt, um die Mächte zu zähmen. Die Italiener brauchen Energie. Die Saudis brauchen Freunde. Und die Welt? Die Welt braucht, dass niemand zu laut wird.
Dass Meloni hier ist, hat einen Namen: Gulf-Tourismus. Klingt nach Urlaubsprospekt, ist aber Diplomatie mit Sonnenbrand. Die EU will sich absichern. Nicht gegen die Russen. Nicht gegen die Chinesen. Sondern gegen die Iraner. Oder genauer: gegen die Folgen, wenn Teheran weiter seine Raketen über den Persischen Golf schießt wie ein betrunkener Matrose mit einer Flasche. Die Saudis, die Emire, die Qatari – sie alle haben eine Rechnung mit dem Mullah-Regime. Und sie alle haben eine Rechnung mit Europa. Meloni soll beide Seiten beruhigen. Oder zumindest so tun, als würde sie es versuchen.
Gibt es Konflikte zwischen Italien und Saudi-Arabien? Offiziell nein. Die Italiener verkaufen Autos, die Saudis kaufen Öl. Die Italiener essen Pasta, die Saudis beten. Aber hinter den Kulissen? Da geht es um mehr als um die Lieferung von 500.000 Tonnen Weizen oder um die Frage, ob die Italiener den Saudis helfen, ihre Frauenrechte etwas zu lockern. Es geht um Macht. Um die Frage, wer in dieser Region noch etwas zu sagen hat, wenn die USA sich mit ihrem eigenen Krieg im Iran aufreiben wie ein Mann, der gegen eine Wand rennt.
Die Meloni-Reise ist kein Freundschaftsbesuch. Sie ist ein Notfallplan. Die EU hat sich in den letzten Jahren wie ein betrunkener Matrose in der Börse verheddert – zu abhängig von russischem Gas, zu naiv gegenüber den Spielregeln der Mächte. Jetzt muss sie sich neu orientieren. Und wo orientiert man sich, wenn der Kompass kaputt ist? Im Golf. Wo das Öl fließt wie Wasser und wo die Mullahs jeden Tag ein bisschen näher an die Ölfelder rücken.
Die Saudis wissen: Europa braucht sie. Die Italiener wissen: Die Saudis brauchen Europa. Also wird geredet. Über Sicherheit. Über Handel. Über die gemeinsame Front gegen den Iran. Als ob das nicht schon seit Jahren ein Running Gag wäre. Als ob die Saudis nicht genau wüssten, dass Europa nur dann wirklich hilft, wenn es etwas zu verlieren gibt. Und als ob die Italiener nicht genau wüssten, dass die Saudis nur dann wirklich reden, wenn sie etwas zu gewinnen haben.
Meloni wird in Jeddah stehen, in Doha lächeln, in Abu Dhabi die Hände schütteln. Und hinterher? Hinterher wird sie nach Rom zurückkehren und sagen: Alles gut. Alles unter Kontrolle. Aber die Wahrheit ist: Es ist nie unter Kontrolle. Nicht in einer Welt, in der ein Mann in Teheran jeden Tag beschließt, ob ein Schiff sinkt oder ein Ölfeld explodiert. Nicht in einer Welt, in der die Römer ihre Straßen mit Gold pflasterten und die Saudis heute ihre Wüsten mit Raketen bewerfen.
Die Frage ist nicht, ob Meloni etwas erreicht. Die Frage ist, ob sie es schafft, dass niemand merkt, wie sehr sie sich schon jetzt wie ein Mann fühlt, der versucht, mit leeren Händen zu verhandeln. Die Saudis haben Öl. Die Italiener haben Schulden. Und der Iran? Der Iran hat nur noch Wut. Und die ist immer der letzte Trumpf.
Am Ende wird sie nach Hause fliegen. Die Sonne wird untergehen. Und irgendwo in der Ferne wird ein Schiff explodieren. Aber das ist ein anderes Kapitel. Für heute reicht es, dass Giorgia Meloni in der Hitze des Golfs steht und tut, als wäre sie die Heldin dieser Geschichte. Sie ist nicht die Heldin. Sie ist nur eine Frau mit einem Koffer voller leerer Versprechungen in einer Stadt, in der jeder Atemzug nach Öl und Verrat schmeckt.