MELONI IM SANDSTURM DER ÖLKARTEN
Die Sonne brennt auf Jeddah wie ein glühender Eisenklumpen, während Giorgia Meloni in ihrem klimatisierten Limousine durch die Straßen rollt, flankiert von Wachen, die mehr an eine Geiselrettung als an Diplomatie denken. Die Luft riecht nach Salz, Benzin und dem faulen Versprechen der Politik: "Wir stärken die Beziehungen." Ja, natürlich. Wie oft hat man das schon gehört? Die Römer bauten Straßen durch eroberte Provinzen und nannten es Pax Romana. Heute nennt man es Energie-Sicherheit, und die Rechnung wird auf dem Rücken derer beglichen, die ohnehin schon zahlen.
Meloni ist die erste EU-Spitze seit dem 28. Februar im Golf – seit der Krieg begann, seit die Iraner die Hormuzstraße mit ihren Raketen zum Spielplatz gemacht haben und die Ölpreise wieder so steigen wie die Leichenberge in Aleppo 2015. Die Italiener zittern. Die Fabriken stehen still. Die Supermärkte leeren sich wie die Börsen in den Dreißigern. Und was tut man? Man schickt die Premier nach Saudi-Arabien, wo man ihr mit Samt und Öl teert und federt, während die Saudis heimlich fragen: "Und was kriegen wir dafür, dass wir euch nicht ganz verschlucken?"
Die offiziellen Worte klingen edel: "Wir wollen die Freiheit der Schifffahrt sichern." Klingt gut. Klingt wie ein Gebet. Doch wer hat schon je Freiheit von den Wüstenfürsten gehört? Die Saudis haben ihre eigenen Regeln – und die heißen nicht Menschenrechte, sondern Dhimmis und Ölkonzessionen. Meloni bietet technische Hilfe an. Sehr großzügig. Als ob Italien nicht selbst genug Probleme hätte, die eigenen Häfen vor Piraten und korrupten Hafenmeistern zu verteidigen. Die Italiener nennen das Süditalien. Die Saudis nennen es Geschäft.
Und dann ist da noch das kleine Detail: Die Italiener haben in den Emiraten Tausende Bürger gerettet. Ein lobenswerter Akt, zweifellos. Doch wer hat die Touristen da eigentlich dorthin gebracht? Wer hat sie in die Zone der iranischen Raketen geschickt wie Schafe zum Schlachter? Die Antwort liegt nicht in Rom, sondern in Doha und Abu Dhabi – wo man weiß, dass ein paar Millionen Euro an Militärhilfe die Differenzen zwischen "Freundschaft" und "Ausbeutung" schnell ausgleichen.
Die Grünen und die Demokraten toben. "Politisch intelligent", sagt Renzi. Als ob Intelligenz etwas mit Kalkül zu tun hätte und nicht mit dem Wissen, dass man sich gerade in die nächste Krise manövriert. Die Iraner bombardieren. Die Saudis handeln. Und Europa? Europa kauft sich Zeit – wie immer. Wie die Römer, die sich mit Getreide aus Ägypten abspeisten, während die Barbaren an den Grenzen fraßen. Wie die USA in den Dreißigern, die sich in ihre Bunker zurückzogen und die Welt den Faschisten überließen.
Meloni spricht von "gemeinsamen Anstrengungen". Die Saudis sprechen von "strategischen Partnerschaften". Und irgendwo in den Archiven von Rom liegt ein Vertrag, der besagt, dass Italien für seine Öl- und Gasimporte im Gegenzug Schweigen über Menschenrechtsverletzungen und Waffenlieferungen an die Golfstaaten garantiert. Das ist kein Geheimnis. Das ist die Realität. Die Frage ist nur: Wie lange hält sich die Illusion, dass das etwas mit "Demokratie" zu tun hat?
Der Rauch der Zigaretten in der Redaktion vermischt sich mit dem Gestank der unsicheren Zukunft. Draußen singt eine Frau im Café unten einen alten Neapolitaner. Die Melodie ist traurig. Wie immer. Wie die Welt.
Und dann ist da noch die Hormuzstraße. Der Nabel der Macht. Der Ort, an dem alles beginnt – und endet. Die Italiener beten zu den Saudis. Die Saudis beten zu ihrem Öl. Und die Iraner? Die Iraner warten. Sie warten auf den nächsten Fehler. Und der wird kommen. Immer kommt er.