Middle East Conflict: Attacks and Regional Tensions
Die Börse hat wieder mal einen neuen Rekord gebrochen. Nicht den, den man sich wünscht. Die Zahlen steigen, die Leute fallen. Wie immer. Die Römer haben ihre Kriege mit Sklaven bezahlt, wir bezahlen unsere mit Schulden, die größer sind als die Pyramiden. Ein Mann namens Herr Schmidt hat gestern Abend in seinem Anzug gestanden und erklärt, dass alles „stabil“ sei. Stabil? Stabil ist ein Leichnam, der nicht mehr stinkt. Stabil ist ein Mann, der morgens aufwacht und weiß, dass er heute Abend noch dieselbe Hütte hat, in der er letzte Woche geschlafen hat. Stabil ist ein Kind, das versteht, dass „später“ für es vielleicht nie kommt. Schmidt hat gelächelt, als hätte er gerade die Geheimnisse des Universums entschlüsselt. Dabei hat er nur die Zahlen seiner Bank gezählt, während irgendwo ein Bauer seine Ernte verbrennt, weil der Preis für Weizen heute Morgen um drei Pfennige gesunken ist.
Die Regierung redet von „Aufschwung“. Aufschwung ist ein Wort, das sich in den Mund legt wie ein falscher Zahn. Letztes Jahr war es „Erholung“, vorletztes Jahr „Fortschritt“. Fortschritt? Fortschritt ist ein Zug, der in die falsche Richtung fährt, während die Lokomotive schon längst rostet. Die Leute stehen Schlange vor den Arbeitsämtern, nicht weil sie Arbeit wollen, sondern weil sie hoffen, dass heute der Name oben auf der Liste steht, der nicht „ausgeschieden“ bedeutet. Die Arbeitslosenheime füllen sich wie die Gaskammern in den alten Fabriken, nur dass hier niemand schreit – weil sie wissen, dass auch das Schreien nichts ändert. Vor fünfzig Jahren haben die Menschen noch geglaubt, dass die Maschinen sie reich machen würden. Jetzt wissen sie, dass die Maschinen sie nur schneller verschlingen.
Und dann ist da noch dieser verdammte Krieg in Spanien. Die Reporter schreiben von „Befreiungskämpfen“ und „Demokratie“, als wäre das nicht einfach nur ein weiterer Schlachtenplan, bei dem die einen mit Gewehren und die anderen mit Scheckbüchern kämpfen. Die Faschisten gewinnen immer. Immer. Weil sie keine Skrupel haben. Weil sie keine Lieder singen, nur Befehle brüllen. Weil sie wissen, dass Moral nur ein Wort ist, das man in den Mund nimmt, wenn man keine Kugeln mehr hat. Die Internationale singt noch, aber die Fabriken schweigen. Die Arbeiter gehen nicht mehr auf die Straße, weil sie wissen, dass die Straßen heute Nacht mit Stacheldraht gesäumt werden. Die Römer haben ihre Bürgerkriege mit Messern geführt. Wir führen unsere mit Maschinengewehren – und am Ende ist es doch dasselbe: Blut auf dem Pflaster, das niemand wischt.
Draußen hört der Regen auf. Nicht, weil das Wetter es will, sondern weil der Himmel müde ist. Die Straßen glänzen wie frisch geschliffenes Metall, und irgendwo in der Ferne heult ein Sirenen. Nicht die der Feuerwehr. Die der Fabriken, die wieder anwerfen. Die Männer strömen hinein, als wären sie schon immer Teil der Maschine gewesen. Die Frauen bleiben zurück, mit leeren Händen und leeren Blicken. Sie wissen, dass sie morgen wieder da sein werden. Immer wieder. Wie die Hunde, die den Müllwagen erwarten.
Ich tippe weiter. Die Tinte ist schon fast aus, aber das macht nichts. Die Geschichte wird sich auch ohne Tinte weiterdrehen. Sie wird sich weiterdrehen, bis die letzte Fabrik stillsteht, bis das letzte Kind keine Milch mehr bekommt, bis die letzten Männer mit leeren Gewehren in den Sand starren und verstehen, dass sie verloren haben – nicht gegen einen Feind, sondern gegen die Zeit. Die Römer haben ihr Reich verloren, weil sie zu sehr damit beschäftigt waren, ihre Säulen zu bemalen. Wir verlieren unseren, weil wir zu sehr damit beschäftigt sind, unsere Zahlen zu bemalen.
Evelyn singt jetzt ein anderes Lied. Ein altes. Von einer Stadt, die nie mehr kommt. Ich trinke meinen Bourbon in kleinen Schlucken, weil ich weiß, dass auch er irgendwann aufgebraucht sein wird. Aber heute Nacht, während die Schreibmaschine tickt wie eine Uhr, die nur noch Sekunden zählt, denke ich daran, dass die Welt schon immer so war. Und sie wird auch so bleiben.