Middle East Tensions: Iran, US, Israel
Die Meldung heute? Ein weiterer Haufen Asche. Die Regierung hat beschlossen, dass die Rationierung der Kohle ab nächste Woche noch strenger wird. Nicht, weil die Leute frieren, sondern weil irgendjemand in einem warmen Büro beschlossen hat, dass es „effizienter“ ist, wenn die Fabriken kalt stehen und die Arbeiter noch länger in den Ruinen ihrer eigenen Häuser hocken. Effizient. Als ob Effizienz je etwas anderes war als ein schöner Name für Ausbeutung. Die Römer hätten das so gemacht: Sie hätten die Getreidespeicher geplündert und dann die Leute an die Wände gestellt, die zu laut über den Hunger geklagt haben. Wir machen es heute mit Bürokratie. Und das ist noch schlimmer, weil es langsamer wehtut.
Manche sagen, das sei der letzte Akt des „Großen Experiments“. Als ob Deutschland nicht schon seit Jahrhunderten ein Labor für menschliche Grausamkeit gewesen wäre – von den Bauernaufständen bis zu den Fabriken, in denen Kinder die Lungen für die Reichen flicken mussten. Jetzt, wo die Wirtschaft wieder kracht wie ein kaputter Motor, wird einfach die Hebel weitergedrückt. Die Leute fragen sich, ob sie noch Zeit haben, um sich zu wehren, bevor die nächste Runde kommt. Ich sage ihnen: Ja. Aber sie fragen auch, ob es einen Unterschied macht, wenn sie schreien. Und das ist die Frage, die niemand beantworten kann.
Draußen, im Café gegenüber, sitzt ein Mann mit einem abgetretenen Hut und trinkt seinen dritten Kaffee des Tages. Er starrt auf die dampfende Tasse, als könnte er darin die Antwort auf alles finden. Ich kenne ihn. Er war mal Journalist. Jetzt ist er nur noch ein Mann, der wartet. Auf was? Auf den nächsten Krieg? Auf den nächsten Zusammenbruch? Auf den Moment, in dem die Welt endlich merkt, dass sie schon längst verloren hat. Ich auch. Aber ich schreibe trotzdem weiter.
Die Leute reden von „Wiederaufbau“. Als ob man aus den Trümmern der Moral und der leeren Bäuche etwas Schönes bauen könnte. Die Römer hätten ihre Städte nach jedem Brand einfach wieder aufgebaut – nur um sie dann wieder anzuzünden, wenn es ihnen passte. Wir tun das gleiche. Nur mit mehr Papierkram und weniger Gladiatoren.
Evelyn singt jetzt von Liebe. Das ist amüsant. Die Liebe ist der letzte Luxus, den sich ein Mensch leisten kann, wenn ihm die Kohle für die Heizung fehlt. Aber vielleicht ist das ja genau der Punkt. Vielleicht singen wir alle nur noch, weil wir wissen, dass es nichts anderes gibt. Und vielleicht ist das der einzige Unterschied zwischen damals und heute: Damals haben die Menschen noch geglaubt, dass sie etwas ändern könnten. Heute wissen wir, dass wir nur noch die Zeit killen, bis der nächste Hammer fällt.
Ich tippe weiter. Die Schreibmaschine stottert. Irgendwo knallt eine Tür. Draußen regnet es immer noch. Und irgendwo in dieser Stadt, die sich selbst schon längst aufgegeben hat, atmet jemand zum letzten Mal.