← Zurück zur Titelseite Konflikte

Nahost-Eskalation: Iranische Angriffe auf Israel

22. März 2026 — — — Hagen, Oberstleutnant a.D.

Die IRGC hat ihre Rechnung vorgelegt: 100 Ziele in Tel Aviv. Das klingt nach einer Zahl aus einem Schulbuch über strategische Wirkung, aber hinter ihr verbirgt sich etwas viel Einfacheres – und viel Schlimmeres. 100 Ziele bedeutet nicht, dass 100 Raketen abgehoben sind. Es bedeutet, dass 100 potenzielle Ziele identifiziert wurden. Dass jemand in einem klimatisierten Raum in Quds-Kommandozentrale gesessen hat und auf einer Karte mit roten Kreisen hantiert hat. Dass ein General mit einem Kaffee im Mund beschlossen hat, dass ein Lagerhaus für Munition, ein Militärflughafen, ein Stabsgebäude – alles gleichwertig sind. Weil es um Botschaften geht. Nicht um Präzision. Um Angst.

Die israelischen Notdienste melden zwei Tote durch Schrapnell in Ramat Gan. Zwei. Das sind keine Kollateralschäden. Das sind die ersten Toten einer Eskalation, die längst beschlossen war, als die Raketen abhoben. Die IRGC spricht von einem „Zusammenbruch“ der israelischen Abwehrsysteme. Das ist Propaganda. Aber es ist auch wahr – nicht, weil die Iron Dome-Flakkanonen versagt haben, sondern weil sie überlastet wurden. Weil Teheran nicht mit einer Handvoll Raketen gewartet hat, sondern mit einem ganzen Schwarm. Weil sie wussten, dass Israel nicht alles abfangen kann. Weil sie genau das wollten.

Und dann ist da noch Dubai. Videos zeigen brennende Trümmer, die wie ein Feuerwerk aussehen – nur dass es kein Feuerwerk ist. Das sind Trümmer von Raketen, die nicht ihr Ziel erreichten, aber trotzdem Menschen verletzten. Weil jemand in Dubai vergessen hat, die Luftabwehr zu aktivieren. Weil jemand in Teheran dachte: „Hauptsache, es regnet irgendwo.“ Die Raketen kamen nicht aus dem Iran. Die kamen aus dem Jemen. Die kamen aus Syrien. Die kamen von überall, wo man billige Raketen hat und Leute, die sie abfeuern können. Weil der Krieg heute kein Krieg mehr ist. Er ist ein Postfach. Ein Paketdienst. Ein Lieferant, der seine Ware liefert – und dann verschwindet.

Die IRGC spricht von „Rache“. Das ist ein schönes Wort. Ein Wort für Leute, die nie im Schützengraben standen. Für Leute, die wissen, dass sie nicht kämpfen müssen, weil andere das für sie tun. Ali Larijani war ein Politiker. Ein Denker. Ein „Martyrer“. Das sind die Worte, die sie jetzt verwenden, während irgendwo in Gaza ein Kind in den Trümmern eines Hauses liegt und versucht, zu verstehen, warum die Raketen gekommen sind. Weil jemand in Teheran beschlossen hat, dass Blut Rache wert ist. Weil jemand in Tel Aviv beschlossen hat, dass Vergeltung heilig ist. Weil irgendwo ein Fabrikschornstein raucht und Stahl in Raketenträger umgewandelt wird.

Und wir? Wir sitzen hier. Wir lesen die Zahlen. Wir zählen die Toten. Wir wissen, dass das nur der Anfang ist. Weil Krieg nie endet. Er beginnt einfach nur neu. Mit anderen Raketen. Mit anderen Fabriken. Mit anderen Leichen.

Also: Setzen Sie sich hin. Trinken Sie Ihren Kaffee. Schalten Sie den Fernseher ein. Und denken Sie daran – die nächste Lieferung kommt bestimmt.

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite