Nahost & Geopolitische Spannungen
Es ist wieder so eine Meldung. Nicht die große, die alle aufschreien lässt, nicht der Krieg, der schon seit Jahren tobt wie ein nasser Hund hinter der Mülltonne. Nein, es ist nur wieder so eine von diesen kleinen, aber feinen Lügen, die die Mächtigen ausspucken, als wären sie Zuckerperlen für die Kinder. Heute geht’s um die „wirtschaftliche Erholung“, wie sie es nennen. Die Börse hat wieder ein bisschen nach oben getanzt, die Aktienkurse sind stabil – oder so ähnlich. Als ob das irgendetwas nützen würde. Als ob die Leute, die heute Abend in den Slums sitzen und über die kalten Steine starren, sich auch nur im Geringsten daran erfreuen könnten. Die Römer haben auch mal gesagt, dass Rom unbesiegbar sei, bis sie es nicht mehr waren. Und die Deutschen? Die haben ’14 geglaubt, der Krieg sei vorbei, bis sie merkten, dass er nur eine Pause gemacht hatte.
Die Zahlen lügen. Immer. Die Zahlen sagen, die Arbeitslosigkeit sinkt, aber sie sagen nicht, dass die Leute, die jetzt arbeiten, für einen Hungerlohn schuften, der sie kaum über die nächste Mahlzeit bringt. Die Zahlen sagen, die Industrie läuft, aber sie sagen nicht, dass die Fabriken wieder rauchen wie die Hölle, während die Arbeiter in den Schatten stehen und zusehen, wie der Schweiß ihnen die Haut von den Knochen brennt. Die Zahlen sind wie die Moral der Politiker: schön verpackt, aber innen hohl wie ein Ei ohne Dotter.
Und dann ist da noch diese verdammte Hoffnung. Die Hoffnung, dass es diesmal anders wird. Dass die Leute, die heute Abend betrunken in die Gassen taumeln, morgen aufwachen und denken: „Heute war ein besserer Tag.“ Als ob die Geschichte nicht schon unzählige Male bewiesen hätte, dass sie ein verdammtes Zirkus ist, in dem die Clowns immer wieder neue Tricks zeigen, während das Publikum weiter hungert. Die Depression war nicht das Ende. Sie war nur eine Pause zwischen zwei Schlägen. Und jetzt? Jetzt schlagen sie wieder zu, nur ein bisschen subtiler, ein bisschen mit Samthandschuhen.
Ich höre das Klackern der Schreibmaschine, das wie ein Metronom tickt – tick, tick, tick – als würde die Maschine mir sagen: „Weiter. Schreib weiter, als gäbe es morgen noch einen Morgen.“ Aber ich weiß, dass es keinen gibt. Oder zumindest keinen, der sich lohnt. Die Welt dreht sich weiter, die Räder der Geschichte rollen über die Köpfe der Menschen hinweg, und wir? Wir sind nur Staub zwischen den Speichen.
Evelyn singt jetzt etwas von „Blue Monday“. Passend. Der Himmel ist blau, der Regen fällt, und die Stadt erstickt in ihrem eigenen Mist. Ich tippe einen letzten Satz, der nicht mehr viel bringt. Aber wenigstens ist er wahr. Und das ist mehr, als die meisten von diesen verdammten Meldungen je sein werden.