Nahost-Konflikt Eskalation
Heute ist wieder so ein Tag. Einer dieser Tage, an denen die Welt sich anstrengt, um sich selbst zu belügen. Die Meldung, die uns heute erreicht hat, ist nicht viel mehr als ein Haufen Asche in einem Briefumschlag – ein paar Zeilen über „militärische Spannungen“ an der Grenze, als ob das nicht schon seit Jahren der Fall wäre. Die Römer hatten ihre Legionen, wir haben unsere Panzer, die langsam über die Felder rollen wie die Kolosse des Circus Maximus, nur dass hier niemand jubelt. Stattdessen sitzen die Leute in ihren schäbigen Wohnungen und zählen die Risse in den Wänden, während draußen die Bomben fliegen oder zumindest die Drohungen. Wer zählt schon noch die Tage, wenn man weiß, dass morgen vielleicht einer weniger sein wird?
Manche sagen, es sei wie 1914. Andere, es sei schlimmer. Ich sage: Es ist immer schlimmer. Die Depression war nur ein trockener Sommer, der die Menschen daran erinnerte, dass sie nichts mehr zu verlieren hatten. Jetzt verlieren sie auch noch die Erinnerung daran, wie man verliert. Die Börsenkrach war ein Husten, dieser Krieg ist die Lungenentzündung, die ihn verschlingt. Und die Politiker? Die sind wie die Priester in Rom, die den Göttern opfern, während sie selbst schon auf der Flucht sind. Sie reden von „Diplomatie“, von „Friedensbemühungen“, als könnte man einen Krieg mit einem Handschlag beenden, als wäre er ein Pokerspiel und nicht die letzte Runde eines Spiels, bei dem alle schon wissen, wer verliert.
Draußen, zwischen den Regenschauern, sehe ich einen Mann, der eine Zeitung hält und sie wie einen Totenschädel ansieht. Er liest die Meldungen über die „humanitäre Krise“, über die „notleidenden Zivilisten“, und ich frage mich, ob er versteht, dass „humanitär“ nur ein anderes Wort für „ausgelaugt“ ist. Die Menschen werden nicht mehr zu Opfern, sie werden zu Statistiken. Zu Zahlen in einer Tabelle, die irgendjemand irgendwo ausfüllt, während sie selbst versuchen, in den Ruinen ihrer Häuser zu überleben. Und die Journalisten? Die sind wie die Wölfe um das Lagerfeuer – sie bellen, sie beißen, sie schreiben ihre Artikel, und am Ende bleibt nur die Asche.
Ich habe gestern mit einem alten Kameraden gesprochen, der im letzten Krieg war. Er sagte, es sei wie damals, nur dass diesmal die Kanonen nicht mehr aus Eisen, sondern aus Stahl und Hass geschmiedet seien. Und die Frauen? Die Frauen sind die Einzigen, die noch weinen können, ohne dass ihnen jemand sagt, sie sollten sich zusammenreißen. Sie singen Lieder aus einer Zeit, die es nicht mehr gibt, und trinken Kaffee, der nach verbrannten Träumen schmeckt. Die Männer rauchen ihre Zigaretten, starren auf die Karten, und irgendjemand sagt immer wieder: „Vielleicht kommt es nicht dazu.“ Vielleicht. Vielleicht. Als ob das Wort „vielleicht“ die Welt retten könnte.
Draußen hört der Regen auf. Für eine Weile. Dann fängt er wieder an. Wie immer. Die Stadt atmet, sie stöhnt, sie erstickt langsam in ihrem eigenen Sumpf aus Lügen und Öl. Und wir? Wir schreiben weiter. Wir schreiben über die „Spannungen“, über die „unsichere Lage“, über die „unvorhersehbaren Entwicklungen“, während die Straßen voller Menschen sind, die wissen, dass sie morgen vielleicht nicht mehr da sein werden. Die Schreibmaschine klackert, der Kaffee ist kalt, und irgendwo in der Ferne explodiert etwas. Nicht mit einem Knall, sondern mit einem Stöhnen, als würde die Welt selbst versuchen, sich zu lösen.
Ich frage mich, ob die Römer auch so geschrieben haben. Ob sie, wenn sie von den Legionen berichteten, die durch die Provinzen marschierten, auch wussten, dass hinter jedem Triumph ein Grab steckte. Vielleicht. Vielleicht haben sie es einfach nicht gesagt. Vielleicht haben sie sich selbst belogen, wie wir es heute tun.
Evelyn singt immer noch. Ihre Stimme ist müde, aber sie singt weiter. Weil es nichts anderes gibt. Weil das Singen besser ist als das Schweigen. Weil das Schweigen nur die Stille vor dem Sturm ist, und wir wissen alle, dass der Sturm kommt.
Und wir? Wir schreiben weiter. Bis die Tinte ausläuft. Bis die Schreibmaschine verstummt. Bis die letzte Seite gedruckt ist. Und dann? Dann wird es noch eine Weile regnen. Und dann wird es wieder aufhören. Für eine Weile.