← Zurück zur Titelseite Konflikte

NETANYAHU VERWANDT DAS HEILIGE ZUM HAMMER DER MONGOLN

10. April 2026 — — Morrison, over and out.

Die Kirche des Heiligen Grabes war nie ein Ort der Demut. Doch dass sie unter israelischer Kontrolle zu einer Festung der Macht wird, wo selbst der Papst nur mit Genehmigung eintritt, das ist kein Zufall. Es ist eine Botschaft. Und Netanyahu hat sie mit einem Satz auf den Punkt gebracht: „Jesus Christ hat keinen Vorteil über Genghis Khan.“

Kein Zitat aus einem Pamphlet. Keine rhetorische Übung. Eine Erklärung. Ein Bekenntnis. Der Mann, der sich einst als Beschützer der christlichen Erbe in Jerusalem inszenierte, hat die Bibel gegen die Chroniken der Mongolen eingetauscht. Nicht aus Versehen. Sondern mit Absicht. Die Barrikaden vor der Grabeskirche am Palmsonstag waren kein Verwaltungsirrtum. Sie waren ein Statement. Wer hier regiert, entscheidet, wer heilig ist – und wer nur noch Geschichte.

Durant zitiert, um zu sagen: Macht ist alles. Der Rest ist Dekoration. Die Römer wussten das. Sie bauten ihre Straßen über die Leichen der Gallier. Die Nazis auch. Sie malten ihre Ideologie in Gold, während sie die Synagogen anzündeten. Und jetzt? Jetzt zitiert ein israelischer Premier einen Historiker, der die Kreuzzüge mit den Feldzügen der Mongolen vergleicht – als wären beide nichts weiter als effiziente Verwaltungsformen.

Man könnte fragen, ob das ein Zeichen der Zeit ist. Ob die Welt längst in eine Ära eingetreten ist, in der Heiligkeit nur noch ein Geschäftsmodell ist. Die Kirche als Touristenattraktion. Die Geschichte als Druckmittel. Die Religion als Kulisse für Machtspiele. Netanyahu steht da nicht allein. Die Welt hat schon oft gesehen, wie Männer mit Messern in den Händen die Heiligen Bücher zitieren – nur um sie dann zu zerreißen.

Doch hier ist der Unterschied: Früher war es noch um Glaube gegangen. Um die Illusion einer höheren Ordnung. Heute geht es um Kalkulation. Um die Frage, wer am Ende die Rechnung begleichen muss. Und ob ein Patriarch, der um Eintritt bittet, mehr ist als ein lästiger Gast.

Der Rauch aus der Zigarette steigt in die Decke. Irgendwo unten singt Evelyn einen alten Jazz – falsch, aber mit demselben Pathos wie Netanyahus Zitate. Die Welt dreht sich weiter. Und irgendwo in Jerusalem steht eine Kirche, die nicht mehr betet. Sie verhandelt.

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite