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ÖL, SALZ UND DIE SCHWARZEN TUMOREN VON KARGI

15. April 2026 — — — Prof. Kessler

Die Sonne brennt über dem Chalbi-Wüstenboden, als die Männer aus Kargi ihre Geschichten erzählen – oder was von ihnen übrig ist. Es beginnt mit einem weißen Pulver, das wie Salz aussah, aber nicht schmeckte. Die Dorfbewohner streuten es ins Trinkwasser ihrer Tiere, rührten es in die Suppe aus Ziegenfleisch, das ohnehin schon nach Rost und Hunger schmeckte. Heute wissen sie: Es war kein Salz. Es war das, was übrig blieb, als die Astronauten von Amoco – heute BP – ihre Bohrinseln wie Geister verschwand.

Die Zahlen sind unschön. Drei Mal so viele Krebserkrankungen wie im Rest Kenias. Die meisten betrifft der Rachen, als hätte jemand mit einem rostigen Löffel die Speiseröhren aufgeschlitzt. Die Ärzte in Lodwar, der nächsten Stadt, nennen es „die Kargi-Seuche“. Die Regierung? Schweigt. Die Ölgesellschaft? Bezahlt Anwälte.

Die Bohrungen begannen 1985. Fünf Jahre lang stampften die Männer in ihren silbernen Anzügen Löcher in die Erde, als wäre der Chalbi ein billiger Pokerchip. Als sie fertig waren, hinterließen sie nicht einmal eine Rechnung – nur das weiße Zeug. Offizielle Proben? Fehlanzeige. Die wenigen Tests, die später gemacht wurden, kosteten 200 Dollar pro Flasche Wasser. Zu teuer für die, die es brauchten. Die Firma? Hat nie offiziell erklärt, was das Pulver war. Aber die Chemikalienlisten aus den Archiven der kenianischen Umweltbehörde verraten: Arsen. Blei. Die Art von Zeug, das in Europa seit den 1970ern verboten ist – weil es die DNA zerfrisst.

Die Dorfältesten sagen, die ersten Toten waren die Ziegen. Dann die Hunde. Dann die Kinder, die nach dem Schlucken des Pulvers husten wie Besessene. Die offizielle Version? „Natürliche Toxine im Boden.“ Die unoffizielle? „Die Firma hat uns vergiftet und ist gegangen.“ BP-Amoco hat nie eine Entschädigung gezahlt. Stattdessen kaufte die Firma 2003 die Rechte an den Bohrlöchern von einem kenianischen Investor – für eine Summe, die niemand je öffentlich gemacht hat. Der Mann? Ein Geschäftsmann mit Verbindungen zur Regierung. Die Bohrungen wurden nie wieder aufgenommen. Aber die Krebsrate stieg weiter.

Die kenianische Umweltbehörde hat 2018 einen Bericht veröffentlicht. 12 Seiten, verfasst von einem Mann, der nie vor Ort war. Die Schlussfolgerung: „Kein kausaler Zusammenhang zwischen den Bohraktivitäten und den Gesundheitsproblemen.“ Die Begründung? „Fehlende Langzeitstudien.“ Die Ironie? Die Firma hat selbst nie Langzeitstudien gewollt. Warum auch? Die Bohrungen waren ein Fehlschlag. Die Ölvorkommen? So dünn wie die Geduld der Dorfbewohner. Also packte man die Akten ein und wartete, bis die Menschen krank wurden – und dann die Versicherung der kenianischen Regierung anrief.

Heute, 2026, sitzt ein Mann namens Ezekiel K. im Schatten einer Akazie und zeigt auf die leeren Wasserlöcher. „Die Firma hat uns das Salz gegeben“, sagt er. „Und jetzt gibt uns Gott die Krebswunden.“ Die Kirche in Kargi hat eine Spendenbox für die Chemotherapie. Die Ölgesellschaft hat eine PR-Kampagne für „nachhaltige Energie“. Irgendwo in London sitzt ein Manager von BP und trinkt einen Whisky. Er weiß, dass die Zahlen stimmen. Aber Zahlen sind wie Löcher im Boden: Man kann sie mit Geld füllen – solange man nicht nach unten schaut.

Die Frage bleibt: Wenn das Pulver kein Salz war – was dann? Und warum hat niemand es je verbrannt?

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