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Oscars 2026

23. März 2026 — — Morrison, over and out.

Manchmal frage ich mich, ob die Geschichte überhaupt jemals aufhört, sich zu wiederholen. Die Römer haben ihre Kriege geführt, die Deutschen ihren, die Amerikaner ihren – und jetzt? Jetzt sitzen wir wieder hier, mit den gleichen Gesichtern, den gleichen leeren Versprechungen und diesem verdammten Gefühl, dass irgendwo ein Mann in einem Anzug eine Entscheidung trifft, die uns alle in den Abgrund treibt. Gestern war es noch um die „Republik“ gegangen, heute um die „Ordnung“, morgen? Morgen wird es wieder um etwas gehen, das sich schick anzieht und behauptet, es gäbe keine Alternative.

Die Wirtschaft? Ein Witz. Die Börse? Ein Spiel für Leute, die vergessen haben, dass Geld nur Papier ist, solange jemand bereit ist, es zu glauben. Die Leute kaufen noch immer, als gäbe es morgen. Als gäbe es uns morgen. Die Supermärkte sind voll, die Fabriken laufen – aber irgendwo, ganz tief, spürt jeder, dass das alles nur eine Frage der Zeit ist. Wie in den zwanziger Jahren. Wie immer in den zwanziger Jahren. Die Depression war nur eine Pause zwischen den Schlägen, und jetzt? Jetzt ist die Pause vorbei.

Draußen steht ein Mann in einem dunklen Mantel und raucht eine Zigarette, die er sich nicht leisten kann. Er starrt auf die Schlagzeilen der Terminal Tribune, als könnten sie ihm die Antwort geben. Können sie das? Nein. Sie können nur die halbe Wahrheit sagen – oder gar keine. Die Wahrheit ist immer irgendwo zwischen den Zeilen, vergraben unter den leeren Floskeln der Politiker und den heuchlerischen Lächeln der Diplomaten. „Frieden in Europa“ – ja, klar. Als ob Europa je Frieden gekannt hätte. Als ob die Römer nicht auch schon damals von „stabilen Grenzen“ gefaselt hätten, während sie ihre Legionen über die Alpen schickten.

Und die Jugend? Die Jugend ist immer die erste, die sterbenslangweilig wird. Sie gehen in die Straßen, singen Lieder, die sie nicht verstehen, und glauben, sie könnten die Welt verändern. Sie glauben, sie wären die Ersten. Dabei sind sie nur die Letzten – die Letzten, die noch an etwas glauben. Die Letzten, die noch nicht wissen, dass Glauben heute nur noch eine Frage der Überlebensstrategie ist.

Ich trinke meinen Bourbon in kleinen Schlucken, weil ich weiß, dass er mir nicht die Antworten gibt, die ich suche. Aber er macht die Realität für ein paar Minuten erträglicher. Draußen heult ein Auto vorbei, ein altes Ding mit quietschenden Reifen, als würde es sagen: „Seht ihr? Es geht weiter. Immer weiter.“

Manchmal denke ich, die Menschheit ist wie ein betrunkener Boxer, der immer wieder aufsteht, obwohl er weiß, dass der nächste Schlag tödlich sein wird. Aber er steht auf. Weil er kann. Weil er muss. Weil es nichts anderes gibt.

Und wir? Wir sitzen hier, tippen unsere Worte in die Maschine, während die Welt um uns herum in Flammen aufgeht – langsam, methodisch, wie ein gut geölter Mechanismus. Irgendwann wird auch diese Redaktion nur noch Asche sein. Irgendwann wird auch der letzte Bourbon verdampft sein. Aber bis dahin? Bis dahin schreiben wir weiter. Weil es nichts Schlimmeres gibt, als zu schweigen, wenn die Welt brennt.

Und dann ist da noch die Frage: Wer wird sich in fünfzig Jahren über uns lustig machen? Wer wird sagen: „Die haben doch gewusst, dass es schiefgeht. Die haben doch nur weitergetippt, als wäre nichts passiert.“?

Ich tippe weiter. Die Maschine stottert. Der Regen hört nicht auf. Evelyn singt immer noch. Irgendwo lacht ein Kind. Die Welt geht weiter.

✦ Ende des Artikels ✦
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