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Peru und die Schatten von Doha

11. Juni 2026 — — — Kastner

Als Pedro Castillo am 28. Juli 2021 in Lima die Präsidentenbinde entgegennahm, trug er einen Anzug, der ihm nicht passte. Geborgt, wie so vieles in seinem politischen Leben. Wenige Wochen zuvor hatte der ehemalige Dorfschullehrer aus Chota ein Versprechen unterschrieben, das die Anden mit der Welt verband — nicht durch Straßen oder Brücken, sondern durch elf Männer, die einen Ball treten sollten. Peru, sagte er, werde zur Weltmeisterschaft 2022 nach Katar fahren. Es war ein Versprechen, das er nicht halten konnte. Nicht weil die Mannschaft es nicht wert gewesen wäre. Sondern weil das System, das sie dorthin hätte tragen müssen, längst von anderen Händen geführt wurde.

Die Hände gehören der Federación Peruana de Fútbol. Ihr Präsident Agustín Lozano sitzt auf einem Stuhl, der bereits vor ihm wackelte. Vor Lozano war es Edwin Oviedo, der nach Anklagen wegen Mittäterschaft an einem Gewerkschaftermord in Untersuchungshaft landete. Davor Manuel Burga, der im FIFA-Gate-Verfahren vor einem US-Gericht stand — freigesprochen 2017, aber nicht rehabilitiert. Es geht nicht um einzelne Männer. Es geht um eine Architektur, in der jeder Nachfolger das Schweigen des Vorgängers erbt. Lozano steht nicht trotz dieser Geschichte an der Spitze. Er steht, weil sie ihn schützt.

Die Qualifikation lief im Schatten einer zerfallenden Präsidentschaft. Castillos sechstes Amtsenthebungsverfahren wurde im März 2022 eingeleitet, zwei Monate vor den entscheidenden Spielen. Der Präsident, dessen Konterfei in jeder Kabine hing, war selbst ein Mann auf der Kippe. Seine politische Patronage reichte bis in die Verbände, aber sie reichte nicht bis nach Zürich.

In Zürich residiert die FIFA. Sie hatte in den Jahren zuvor reformiert, ausgesagt, sich neu erfunden. Gianni Infantino sprach von einer „neuen Ära". Die Vergabe der WM 2022 an Katar selbst ist ein Korruptionsverdacht, der nie vollständig aufgelöst wurde. Es ist kein Zufall, dass das entscheidende Spiel ausgerechnet in Doha stattfand. Es ist auch kein Beweis. Aber es ist ein Setting.

Ricardo Gareca, der argentinische Trainer, hatte über Jahre eine Generation geformt, die zwischen Europa und Lima pendelte. Spieler wie Pedro Gallese, André Carrillo, Yoshimar Yotún — sie alle kannten die Bühnen der Champions League, der Europa League, der Copas. Carrillo hatte für Benfica und Al-Hilal gespielt. Yotún für den FC Kopenhagen und Cruz Azul. Doch im Juni 2022, in Al Rayyan, schoss Peru kein Tor. Nicht eines. Nicht in 120 Minuten.

0:0. Elfmeterschießen. Australien traf. Peru nicht. 5:4. Aus.

Die Republik schwieg zwei Tage lang. Dann ging das Leben weiter, denn in Peru geht das Leben immer weiter. Castillo wurde im Dezember 2022 nach einem gescheiterten Selbstputschversuch festgenommen. Lozano blieb im Amt. Erst später wurde er im Rahmen einer Razzia wegen Korruptionsverdachts im Profifußball vorläufig festgenommen — Vorwürfe, die in den Akten als mutmaßliche Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung geführt werden, mit Bezug auf Transfers, Provisionen, Vermittlermodelle. Bewiesen ist bislang nichts. Die Verfahren laufen. Wer in Lima ein Verfahren beginnt, hat noch nicht gewonnen — er hat nur angefangen.

Die Versuchung ist groß, eine gerade Linie zu zeichnen: vom FIFA-Gate über die regionalen Verbände, über Castillos politische Netzwerke, über die Vergabe an Katar, bis zu jenem letzten Elfmeter. Aber eine Indizienkette ist keine Beweiskette. Ich werde nicht behaupten, dass die Spiele gekauft waren. Ich werde sagen, dass die Spielräume, in denen sie gekauft werden könnten, niemals geschlossen wurden. Ich werde sagen, dass die Föderation, die dieses Spiel organisierte, dieselbe war, die schon einmal in den Akten stand. Ich werde sagen, dass der Präsident, dessen Name auf den Trikots stand, sechs Monate später in Handschellen abgeführt wurde.

Es gibt ein Detail, das die Eingeweihten flüsternd erwähnen, ohne es aussprechen zu können. Sie sprechen von Beratern, die in Zürich, in Miami, in Asunción die Strippen ziehen. Sie sprechen von Provisionsmodellen, die an Spielervermittlungen hängen, an Jugendakademien, an Testspielen. Es sind Gerüchte, die sich nicht zitieren lassen, weil ihre Quellen sich nicht zitieren lassen. Ich erwähne sie, weil ihr Schweigen lauter ist als ihre Worte. Ich erwähne sie nicht als Tatsachen. Ich erwähne sie als das, was sie sind: die Form, die Annahme annimmt, wenn niemand sie ausspricht.

Die Handschuhe, die ich beim Schreiben trage, sind aus feinem Leder. Sie schützen nicht vor der Kälte. Sie schützen davor, dass man die Hand erkennt, die angefasst hat. Peru verlor nicht in Doha. Peru verlor an dem Tag, als es aufhörte zu fragen, wer eigentlich spielt — auf dem Platz und neben dem Platz.

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