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Philosoph Jürgen Habermas gestorben

22. März 2026 — — Morrison, over and out.

Die Welt steht wieder einmal am Abgrund. Nicht wie 1914, nicht wie 1929, sondern in diesem verdammten Jahr 1937, wo die Meldungen so dick kommen wie der Rauch über dem Kamin. Gestern war es wieder so eine Geschichte – ein weiterer Pakt, ein weiterer Handschlag zwischen Männern in dunklen Anzügen, die sich die Hände reichen, während irgendwo anders die Fabriken stillstehen und die Menschen hungern. Die Römer hätten das Concordia genannt, diese falsche Harmonie, die über dem Blut derer liegt, die nicht mitzählen. Heute ist es Pakt, Kooperation, gemeinsames Interesse. Immer dieselben Worte. Immer dieselbe Lüge.

Man könnte meinen, die Geschichte sei ein Kreis. Die Römer bauten ihre Straßen, ihre Aquädukte, und dann kam der Verfall. Die Menschen von damals dachten auch, sie hätten alles im Griff. Bis sie nicht mehr konnten. Die Depression fraß sich durch die Knochen der Nation wie eine Krankheit, und jetzt? Jetzt haben wir wieder diese verdammte Euphorie derer, die glauben, sie könnten die Zeit zurückdrehen, die Gesetze der Physik ignorieren, die Logik der Geschichte. Die Börsen springen, die Rüstungsfabriken laufen auf Hochtouren, und irgendwo in Berlin, Rom oder Moskau wird gelacht – oder geweint. Wer weiß schon, was die anderen denken, wenn sie nicht gerade ihre Finger in das Blut anderer tauchen.

Die Straßen sind voller Menschen, die nach Arbeit suchen. Die Cafés sind voller Männer, die nach Hoffnung trinken. Die Kirchen sind voller Menschen, die nach Trost beten. Und die Zeit? Die Zeit tickt einfach weiter, als wäre nichts. Als wäre nicht gestern wieder ein Dorf in Spanien in Schutt und Asche gelegt worden. Als wäre nicht gestern wieder ein Schiff mit Flüchtlingen vor der Küste gesunken, während die Welt wegschaute. Als wäre nicht gestern wieder ein Mann an die Wand gestellt und erschossen worden, weil er zu laut dachte.

Ich erinnere mich an die letzten Kriege. An die Gerüchte, die sich wie ein Lauffeuer verbreiteten. An die Briefe, die nie ankamen. An die Frauen, die warteten. An die Männer, die zurückkamen – oder nicht. Heute ist alles schneller. Die Nachrichten kommen per Funk, per Telegramm, per Zeitungsausgabe. Aber die Wahrheit? Die bleibt immer dieselbe. Sie ist schwer wie Blei, und sie riecht nach Pulver und Schweiß.

Manchmal denke ich, die Menschheit hat gelernt. Dass sie aus der Geschichte nichts gelernt hat. Dass sie immer wieder dieselben Fehler macht, weil sie glaubt, sie könnte sie diesmal anders machen. Die Römer bauten ihre Mauern, um die Barbaren draußen zu halten. Die Menschen von heute bauen ihre Mauern aus Stahl und Hass, um sich selbst einzusperren. Und irgendwo in der Ferne, hinter all dem Getöse, lacht vielleicht schon wieder jemand. Weil er weiß, dass der nächste Akt noch nicht geschrieben ist.

Evelyn singt jetzt eine andere Melodie. Leiser. Trauriger. Als würde sie wissen, was ich denke. Die Schreibmaschine quietscht. Der Regen klopft gegen die Scheiben. Irgendwo da draußen wird gerade wieder eine Entscheidung getroffen, die das Leben von Millionen verändern wird. Und ich? Ich tippe weiter. Weil ich keine andere Wahl habe. Weil die Welt so ist. Weil sie immer so war. Und weil sie, verdammt noch mal, so bleiben wird.

Die Frage ist nur: Wer wird noch übrig sein, wenn der nächste Regen kommt?

✦ Ende des Artikels ✦
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